Abenteuer Donau: 1700 km mit dem Faltboot Teil 3

18 Minuten

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ETAPPE 3: SERBIEN

MOHACS BIS BELGRAD

Nach zwei Jahren gab es für mich Ende Juli 2026 wieder ein passendes Zeitfenster um die Donau weiter zu befahren. Mein Plan war es von der letzten ungarischen Stadt Mohács durch ganz Serbien, bis Vidin in Bulgarien zu paddeln. Es gab täglich um die 40 Grad Außentemperatur und der Wasserstand war durch die Dürre in Europa auf rekordverdächtigem Niedrigstand. Der Vorteil davon war, dass es kaum Stechmücken gab. Die Vorfreude war groß, wieder auf diesem besonderen Fluss zu sein. 

Von Mohács, der südlichsten Stadt Ungarns, bis Belgrad in Serbien ging diese Etappe. Die Donau ist mittlerweile ein gewaltiger Strom geworden, vor Belgrad bis zu 700 m breit. Dadurch bietet sie viel Angriffsfläche für Gegenwind. Wegen des Niedrigwassers war die Strömung noch langsamer als üblich, bis Novi Sad aber noch vorhanden. Kurz vor Belgrad beginnt bereits der Rückstau von Djerdap 1 und der Fluss wird zu einem 150 Kilometer langen Stausee. Die Landschaft, besonders um das Drau-Delta, ist wunderschön und einsam. Grafik von Daniel Ullrich (Threedots), CC BY-SA 3.0

Tag 28

Mohacs – Bezdan

23 km 38 Grad

Die Anreise von Stuttgart nach Mohács verlief ohne Probleme und es gab kaum Verzögerungen. Mit Flixbus ging es nach Budapest. Dann mit der ungarischen Regionalbahn nach Pécs, da umsteigen und bis nach Villány, dort nochmal umsteigen und von Villány aus ging es in einer Mini-Bahn, die wohl bestimmt 50 Jahre alt war, nach Mohács, der südlichsten Stadt Ungarns. 16 Stunden war ich unterwegs und trotz Verspätungen haben alle Anschlusszüge freundlicherweise gewartet. Scheint zu funktionieren in Ungarn.

Nachdem ich in Mohács am Bahnhof angekommen war, ging es direkt zur ungarischen Grenzpolizei. Ein Fußmarsch von ca. 2 km, eine Fehlentscheidung, die ich später noch bereuen sollte. Bei der Grenzpolizei ging die Ausreise aus der EU schnell, unkompliziert und freundlich. Alle Dokumente waren in dreifacher Ausfertigung notwendig.

Nach den Formalitäten wurde mir dieses Dokument ausgehändigt, das ich unter keinen Umständen verlieren sollte. Schon klar. Ich soll bis Bezdan direkt durchfahren, ohne anzulanden, und mich da wieder anmelden zur offiziellen Einreise nach Serbien. Auf der kroatischen Seite durfte ich nicht anlegen, da ich jetzt offiziell aus der EU ausgereist bin.

Dieses selbstgebastelte Dokument habe ich prophylaktisch mitgenommen um die Kommunikation mit der Grenzpolizei zu vereinfachen.

Jedoch durfte ich jetzt das Gelände nicht mehr verlassen. Ich musste das Boot hinter dem Gebäude der Grenzpolizei aufbauen; dort wurde mir ein Platz zugewiesen. Ich wollte aber natürlich noch für ein paar Tage einkaufen, da ich noch eine Menge ungarische Forint von der letzten Reise übrig hatte. Laut der Grenzpolizei würde das aber auf keinen Fall gehen, da ich jetzt offiziell aus der EU ausgereist bin. Nach ein paar Mal Bitten, Betteln und Erklären, dass ich kein Wasser habe, haben sie dann nachgegeben. Aber nur, wenn ich in Mohács an der Rampe beim Ponton anlege und das schnell „ohne ihr Wissen“ erledige. Ich habe mich für ihre Toleranz bedankt und mich daran gemacht, das Boot aufzubauen. Ins Wasser zu kommen, war an dieser Stelle katastrophal, da das nur für die Großschifffahrt ausgelegt war. Es gab zwar Treppen, aber die hörten einfach 10 m vor dem Ufer auf und gingen in grobe, große Steine über. Ich habe mit dem Gedanken gespielt, das Boot auf dem Ponton aufzubauen und per Seil senkrecht ins Wasser abzulassen, aber es war viel zu hoch und zu gefährlich. Das Zusammenbauen des Bootes und das korrekte Beladen haben mal wieder eine Weile gedauert, und dann ging es die Treppen runter bis zu den Steinen. Es war eine üble Kletteraktion mit dem schwer beladenen Boot über große, grobe, wacklige Steine. Nach 15 min war das dann auch erledigt und endlich saß ich im Boot und war wieder auf der Donau.

Nachdem ich endlich im Wasser war, bin ich zur Rampe, bei der ich vor zwei Jahren meine Fahrt beendet habe, und hier habe ich gemerkt, wie krass wenig Wasser die Donau führt. Die Rampe von Mohács lag einen Meter über dem Wasserspiegel. Das letzte Mal war sie weit bedeckt. Als ich wieder zu Hause war, habe ich gelesen, dass der Wasserstand in Budapest ein Rekordtief von 28 cm hatte. Hier habe ich das Boot kurz abgestellt und bin mit dem Beach-Rolley einkaufen gegangen. Nachdem endlich alles erledigt war, bin ich schlussendlich erst um 17 Uhr losgekommen. Jetzt konnte ich die ersten Flusskilometer nach langer Abstinenz wieder genießen. Die Strömung war schwach, aber noch spürbar vorhanden.

Innerhalb kürzester Zeit hat sich hinter mir ein Gewitter gebildet, das mich verfolgt hat. Dadurch hatte ich ordentlich Rückenwind; ich musste kaum paddeln.

Kurz darauf hat es mich dann doch eingeholt. Mit Spritzdecke und Regenjacke ging es dann im Regen weiter, dafür immer noch mit Rückenwind.

Eine kroatische Flagge am rechten Ufer hat die Grenze markiert. Ansonsten war nicht zu erkennen, dass man hier das Länderdreieck Ungarn/Serbien/Kroatien passiert hat.

Schiffswracks finde ich faszinierend.

Wenn man auf dem Wasser unterwegs ist, muss man sich zwingend in Bezdan, dem ersten Ort auf der serbischen Seite, anmelden bzw. offiziell einreisen. Hier angekommen, kann man nach dem Zollboot auf der linken Uferseite anlanden, auf dem Foto ganz hinten – nicht ideal, aber anders ist es nicht möglich, da es nur Anlegestellen für Schiffe gibt. Dahinter muss man eine steile Uferböschung ohne Treppe hoch, über eine Straße und zum Gebäude der Grenzpolizei.

Nur ein paar Minuten auf serbischem Boden und schon hatte ich Kontakt mit Straßenhunden. Diesmal waren das aber nur ein paar liebe Streuner. Das Gebäude der Grenzpolizei war ganz schön heruntergekommen und die Damen am Schalter gelangweilt und unfreundlich. Ich habe mich schon auf eine komplizierte Prozedur mit mehreren Dokumenten eingestellt; zu meiner Freude  hatten die gar keinen Bock und haben mich so schnell wie möglich abgefertigt. Es waren auch keine 60 € Gebühr für ein Wasserfahrzeug fällig, wie ich in anderen Reiseberichten gelesen habe.

Nachdem mir der „Einreiseschein“ ausgehändigt worden war, haben sie mich noch gefragt, wo ich denn übernachten will, da es schon dunkel wurde, und nachdem ich gesagt habe „irgendwo am Fluss“ haben sie mich nur schockiert und verständnislos angeschaut …

Danach bin ich schnell zum Boot und nur noch bis kurz hinter die Grenzbrücke gepaddelt. Dort habe ich einen brauchbaren, ebenen Platz gefunden, mein Zelt aufgebaut, noch kurz etwas gegessen und mich schon hingelegt, bevor es vollständig dunkel wurde. Der Anfahrtstag bei so einer Reise ist immer ganz schön anstrengend.

Tag 29

Bezdan bis Bogojevo

60km 41 Grad

Ankernder Frachter bei Sonnenaufgang, es ist einfach herrlich mit so einem Ausblick am Fluß aufzuwachen.

Die morgendliche Kühle wollte ich nutzen um Kilometer zu machen und um die Mittagszeit zu pausieren. Um 9 Uhr hatte es dann bereits 35 Grad.

Eines der wenigen Kreuzfahrtschiffe die ich gesehen habe. Die Donau hatte extremes Niedrigwasser wie ich später erfahren habe.

Das Niedrigwasser hat unglaublich schöne Formationen von Sandbänken hervorgebracht.

Die Flußlandschaft wird ab hier sehr einsam. Auf einer Strecke von 50km gibt es nur einen größeren Ort, Apatin. Bis dahin bin ich am Stück durchgepaddelt. Hier wollte ich die Sim Karte aufladen die mir mein serbischer Nachbar in Deutschland vorsorglich besorgt hatte.

Angekommen in Apatin lag der Ponton des Kanuclubs wegen des Niedrigwassers so tief, dass es keine Chance gab, das Boot ans Ufer zu heben. Ich habe es sicher am Ponton vertäut, eigentlich mag ich das gar nicht wegen der Wellen der Schiffe und Motorbootfahrer, aber ich hatte keine andere Wahl.

Oben am Gebäude des Kanuclubs habe ich jemanden gesehen und mich schon auf einen serbischen Paddelkollegen gefreut. Er hatte aber mit dem Verein gar nichts zu tun, war aber sehr erfreut, mich zu sehen. Aleksander mein Namensvetter, sichtlich angetrunken, machte alleine Party mit seinem Soundsystem vor dem Club. Er wollte, dass ich unbedingt bei ihm bleibe und ihm Gesellschaft leiste aber ich musste in die Stadt, meine SIM-Karte aufladen und registrieren.

Die Kirche der heiligen Apostel von Apatin. Nach etlichen Malen Durchfragen habe ich im Zentrum einen Kiosk gefunden, bei dem ich die Karte aufladen konnte. Leider hat die nette Frau weder Englisch, noch Deutsch noch Russisch gesprochen. Sie hat mich dann telefonisch mit einem Bekannten verbunden, der das auf Russisch mit mir geklärt hat. Nachdem die Telefonkarte registriert und mit genügend Guthaben aufgeladen war, bin ich wieder zurück.

Nachdem ich zufrieden wieder beim Kanuclub war, ist mir aufgefallen, dass der Zip-Beutel mit meiner deutschen SIM offen und leer war. Schock und Panik. Ich erinnerte mich, dass ich meine Sachen am Kiosk auf die Zeitungsablage gelegt hatte. Da könnte sie herausgefallen sein. Hoffentlich. Sofort wieder zurück ins Zentrum zum Kiosk. Die Dame hat gelacht und sich gewundert, warum ich schon wieder vor ihr stehe. Erst habe ich sie nicht gefunden und war schon deprimiert am Aufgeben, ich habe sie dann zum Glück auf dem Boden vor dem Kiosk wiedergefunden. So eine Micro-SIM ist auch schwer zu finden. Glücklich und erleichtert bin ich dann wieder zum Bootshaus zurück. So bin ich mal kurz auf 4km Fußmarsch gekommen, kann auch nicht schaden, wenn man den ganzen Tag im Boot sitzt.

Je weiter man kam desto größer wurden die Flussmuscheln.

Auf dem Bild nicht wirklich zu erkennen: die Mündung der Drau. Ein 750 km langer linker Nebenfluss der Donau, der aus den Alpen vom Toblacher Feld aus Österreich kommt. Oberhalb der Mündung ist die Landschaft sehr dünn besiedelt und es erstreckt sich ein riesiges Sumpfgebiet, das als „Amazon of Europe“ bezeichnet wird. In Zeiten von Hochwasser ist diese Region absolut stechmückenverseucht. Vor 3 Jahren habe ich mit dem Fahrrad ein Teilstück davon erkundet und es ist wunderschön, einsam und lohnenswert.

Erdut, auf kroatischer Seite.

Der zweite Campspot war wie am Vorabend wieder hinter einer Brücke. Direkt nach Bogojevo habe ich diesen leicht erhöhten Platz gefunden, schräg, aber mittlerweile bin ich routiniert um mit der Schaufel einen ebene Fläche für das Zelt zu graben. Und ich war immer noch erstaunt dass es so gut wie keine Stechmücken gab. Den Thermacell Verdampfer inklusive zusätzlicher Gaskartusche und ein Kopfnetz hatte ich wohl umsonst mitgenommen.


Tag 30

Bogojevo bis Backa Palanka

62km 38 Grad

Dass es so wenig Stechmücken gab, kam mir sehr entgegen, da die Reißverschlüsse meines Zeltes, die schon länger kaputt waren, nun vollends hinüber sind. Sie ließen sich nicht mehr vollständig schließen.

Dalj auf kroatischer Seite versteckt sich hinter einem hohen Damm.

Wunderschön anzuschauen sind diese Sandbänke. Bei normalem Wasserstand sind sie bestimmt überspült. Für Paddler traumhafte Pausen- und Campspots, für die Schifffahrt und den Energiesektor katastrophal, wie ich später mitbekommen habe. In Ungarn gab es eine Teilabschaltung des Atomkraftwerks Pecs und in Rumänien haben sie versucht, durch eine Sprengung den Pegel zu erhöhen, da der Wasserstand so niedrig war, dass die Pumpen der Kraftwerke kein Donauwasser mehr zum Kühlen fördern konnten.

Vukovar auf kroatischer Seite mit dem bekannten Wasserturm, im Gegenlicht sind die Einschusslöchern vom Jugoslawienkrieg nicht zu sehen. Er wurde als Mahnmal nicht abgerissen.

Mit diesen Karten habe ich navigiert: Donau-Radweg ab Budapest 2, 3 und 4. Meine Version war schon etwas älter, aber immer noch brauchbar. Mit denen bin ich mit dem Fahrrad bis ans Schwarze Meer gefahren. Es ist nichts Vergleichbares vorhanden, da in Ungarn und den Balkanstaaten der Kanusport nicht so populär ist. Die Jübermann-Karten gibt es nur bis Ende Österreich.

Manchmal hat die Position der Inseln nicht ganz gestimmt, aber dafür, dass es eine Fahrradkarte ist, ist die Darstellung des Flusses und der Insel ziemlich genau. Das Wichtigste: Die Karten haben eine Flußkilometrierung.

In meinem Lieblingselement: Wasser. Wenn man mich fragen würde, warum ich das mache oder was das Schönste am Paddeln ist, würde ich sagen: „Die Stille“,und ein einsamer Campspot auf einer Sand- oder Kiesbank mit dem obligatorischen Sonnenuntergang.

Es war mal wieder nötig, meine Vorräte aufzufüllen. Dafür habe ich in Backa Novo Selo angelegt. Der Supermarkt war winzig, die Verkäuferin aber sehr nett, und als sie gemerkt hat, dass ich Deutsch spreche, hat sie die Chance genutzt, um ihre Sprachkenntnisse zu beweisen.

Mitten auf dem Fluss ankerte ein beeindruckender Schubleichter-Verband,bestehend aus 6 gekoppelten Leichtern.

Nach 62 Kilometern habe ich den Tag gut sein lassen und auf der linken Uferseite kurz vor Backa Palanka diesen traumhaften Platz gefunden, einsam und von aussen schwer zugänglich, dachte ich zuerst.

20 m rechts von meinem Platz war ein Biberbau und ich konnte denen noch Abends beim Schwimmen zuschauen.

Dann kam kurz vor der Dämmerung noch ein Fischer, das war wohl sein Stammplatz und obwohl der Raum hier knapp war hat er trotzdem ungestört geangelt. Laku Noc.

Tag 31

Backa Palanka bis Petro Varadin

52km 38 Grad

Und am nächsten Morgen wieder ein Fischer. Er hat um das Boot herum gleich mehrere Ruten aufgebaut, war aber sehr nett und hat mir geholfen dass Boot ins Wasser zu heben.

Morgenstimmung vorerst ohne Gegenwind.

Ilok auf kroatischer Seite. Bei dem Haus ganz rechts unter dem Vordach habe ich während eines Gewitters auf der Donau-Radtour vor 3 Jahren übernachtet. Kurz danach fließt die Donau vollständig auf serbischem Gebiet.

Veternik, ein Vorort von Novi Sad, heisst wortwörtlich „windig“. Zu recht, ich hatte von mittags an den ganzen Tag mit konstantem Gegenwind von ca. 15 km/h zu kämpfen.

Meine Landkarten waren schon älter, aber ab Novi Sad habe ich mich gewundert, wie viele Brücken und Bahnlinien an der Donau nicht eingezeichnet waren. Alles neu. Es wird viel gebaut, chinesische Firmen investieren hier massiv in Infrastruktur, alles im Rahmen des Projekts „Neue Seidenstraße“

Alles liegt auf dem Trockenen. Der Zugang zum Kajak Club „Liman“ auch, der ist direkt dahinter.

Der Stadtstrand von Novi-Sad

Die Festung Petrovaradin, hier wurden die Osmanen das letzte mal vernichtend geschlagen. Serbien war lange Zeit vom osmanischen Reich besetzt, wenn man danach sucht kann man den türkischen Einfluss in der Sprache finden wie z.B. „Ada“ = Insel.

Pfeiler einer ehemaligen Eisenbahnbrücke, zerstört im zweiten Weltkrieg.

Argo meets Argo

Auf so einer Reise muss man natürlich standesgemäß die lokalen Köstlichkeiten zu sich nehmen. Apatinskaja Pivo schmeckt sehr gut

An diesem Abend war ich ganz schön gerädert. Der stetige Gegenwind und die 40 Grad Lufttemperatur haben mir zu schaffen gemacht. Ich habe einfach den erstbesten Lagerplatz der mir brauchbar erschien angesteuert, mein Camp aufgebaut und entspannt den Abend genossen.

Tag 32

Petro Varadin bis Belegiš

46km 36 Grad

Dieser Campspot hinter Novi Sad war aufjeden Fall der einsamste der Tour. Nur vom Fluß aus zugänglich.

Guten Morgen

Diese Sau war wirklich riesig.

Von Novi Sad bis Belgrad erstreckt sich die Donau in einem großen Bogen und es wird landschaftlich wieder abwechslungsreicher, das rechte Ufer hat hohe Abbruchböschungen. Es gab wie am Vortag viel Gegenwind und die übliche Hitze.

Dieser „Leuchtturm“ markiert die Mündung der Theiß.

Gegenüber von Stari Slankanem befindet sich die Mündung der Theiß, der längste Nebenfluss der Donau. Sie entspringt in der Ukraine und fliesst zum grössten Teil auf ungarischem Staatsgebiet. Sie ist knapp 1000km lang und bestimmt auch mal eine Reise wert.

Surduk

Nach Novi Sad ändert sich der Untergrund und Sandstrände werden weniger. Der Boden wird härter und besteht zum größten Teil aus hartem Muschelgestein.

Tag 33

Belegiš bis Belgrad

30 km 38 Grad

Ich habe bei meinen letzten Touren schon versucht, ihn zu reparieren, aber das war’s dann wohl. Der Reißverschluss ließ sich einfach nicht mehr schließen, weder Schmierung noch Bearbeiten des Schiffchens mit der Zange haben funktioniert. Ich habe in der Nacht mehr schlecht als recht versucht, die offenen Spalten mit Tape zu schließen. Irgendwann hat alles ein Ende. Ich will mich aber nicht beschweren, dieses „günstige“ Decathlon-Zelt hat ein Top-Packmaß und über die letzten 7 Jahre habe ich wohl ca. 300 Mal darin geschlafen, es hat sich als würdig erwiesen.

Der letzte Campspot vor Belgrad war eigentlich sehr einsam. Surduk und Belegis, die nächsten Orte, waren ein Stück entfernt und es gab keinen sichtbaren Weg runter zum Ufer. Um 5 Uhr in der Früh habe ich dann Bellen gehört, nicht weit vom Zelt entfernt. Erst habe ich mir nichts dabei gedacht. Das Bellen hat nicht nachgelassen und eine halbe Stunde später waren dann zwei Straßenhunde an meinem Zelt. Ich kann mich noch sehr gut an mein Erlebnis in Rumänien erinnern und war dementsprechend auf alles gefasst. Dieses Mal war es aber harmlos. Die beiden Köter haben ein paar Mal empört gebellt und geknurrt und sind dann abgezogen. Als ich aus dem Zelt herausgeschaut habe, waren sie schon ein gutes Stück entfernt und sind auch nicht wiedergekommen. Tagsüber, mit Tageslicht, ist so eine Situation auch weniger bedrohlich als nachts.

Dann ging es los, zur vorerst letzten Tagesetappe nach Belgrad. An dieser Stelle bin ich erst mal in einen Altarm gefahren. Der war zu seicht und ich musste wieder umdrehen und gegen die „Strömung“ einen Kilometer zurück. An diesem Tag standen „nur“ 30 km an. Der Gegenwind war vorerst noch moderat. Es sollten später die anstrengendsten 30 km werden, die ich jemals gepaddelt bin.

Belegiš

Was es hier wohl interessantes oder leckeres gab ?

Die Vororte von Belgrad rücken näher. An dieser Stelle habe ich meine Sonnenbrille versenkt während ich meine Mütze ausgezogen habe als ich mal wieder baden wollte

Die Donau ist vor Belgrad stellenweise bis zu 700 m breit und der Wind hat durch die flache Landschaft viel Angriffsfläche. Es war irre anstrengend. Ich habe an diesem Tag unendlich viele Pausen gemacht. Ich hatte noch nie so viel Gegenwind erlebt. Kurz trinken oder fotografieren war nicht möglich, man wurde sofort zurückgetrieben, wenn man aufhörte, zu paddeln.

Am Kajakclub Smaj in Zemun, einem Vorort von Belgrad, habe ich meine Fahrt spontan beendet, da es in meiner Familie einen Krankheitsfall gab, von dem ich am Vorabend erfahren habe. Von hier aus bin ich mit dem Bus nach Novi Beograd und dann mit Flixbus nach Hause. 19 Stunden Fahrzeit, das geht schon, dachte ich mir. Es sollte mal wieder anders kommen als gedacht. Diesmal aber extrem.

Die Rückreise von dieser Tour hat alle meine Erlebnisse in den Schatten gestellt. Es war die absolute Katastrophe, mein persönlicher Rekord wurde gebrochen.
Nachdem ich am Kajakclub alles gepackt hatte, war ich früh dran und bin schon mal zum Busbahnhof. Dort habe ich es mir auf einer Bank gemütlich gemacht und eine Weile gelesen. Die Abfahrtszeit rückte näher und ich bereitete mich schon langsam darauf vor. Leider hatte der Bus Verspätung, es wurde aber seltsamerweise nicht auf dem Infodisplay angezeigt. Es wurde immer später und später und mittlerweile waren alle Busse am Busbahnhof abgefahren. Unsere Gruppe war die letzte, die einsam auf dem Busbahnhof dastand. Von irgendjemandem kam das Gerücht, dass der Bus einen Motorschaden hat und die Fahrer mit der Reparatur beschäftigt sind. Nach über 2 Stunden hatte ich die Hoffnung aufgegeben und lag bereits auf Isomatte im Schlafsack auf einer Bank. Kurz nachdem ich eingenickt war, kam der Bus dann doch noch. Nach knapp drei Stunden Wartezeit. Logischerweise habe ich durch die Verspätung meinen Anschluss in Ljubljana verpasst. Das wäre aber alles gar nicht so schlimm gewesen, der Horror ging nämlich direkt weiter. Angefangen hat es an der serbischen Grenze. Dort haben die Passkontrollen für den Bus schon mal eine Stunde in Anspruch genommen. Wie nicht anders zu erwarten
wurde der einzige „dunkelhäutige “ Mensch im Bus prompt nach der Ausweiskontrolle einfach mal an der Grenze dabehalten. Dann ging es ein paar Hundert Meter weiter zur kroatischen Grenze und jetzt wurde es noch besser.
Die kroatischen Grenzer haben ein neues digitales System eingeführt, um Grenzkontrollen zu beschleunigen. Das war anscheinend in der Erprobungsphase und funktioniert nicht immer einwandfrei. Da in der Schlange einige Reisebusse standen hat die Fahrt zum Grenzposten (500 m) unglaubliche 7 Stunden gedauert. Das ganze mit NICHT funktionierender Toilette im Bus. Immerhin hat die Klima bei 40 Grad Aussentemperatur funktioniert. WOW. Endlich waren wir soweit und unser Bus stand am Gebäude der Grenzpolizei. Wir wurden alle nacheinander kontrolliert und endlich kam etwas Dynamik in die ganze Situation. Die wurde aber wieder gebremst durch die Tatsache das „arabisch aussehende“ Mitreisende dabei waren, hier wurde besonders streng kontrolliert und siehe da, etwas hat mit ihren Ausweisen nicht gestimmt.

Dann ging es endlich weiter und irgendwann kam der Bus in Zagreb an. Ich habe von Flixbus automatisiert eine alternative Verbindung nach Stuttgart bekommen und die fuhr hier ab. Nach weiteren 2 Stunden Umsteigezeit kam der Bus endlich. Die Busfahrer haben sich aber geweigert, mich mitzunehmen, weil mein Gepäck angeblich zu groß wäre. Ich hatte Sondergepäck gebucht, also habe ich alles richtig gemacht. Nicht mal ein „Trinkgeld“ wollten die annehmen, die sind einfach stur geblieben und ohne mich abgefahren. Jetzt musste ich mir noch mal eine Verbindung nach Stuttgart buchen. Nochmal 2 Stunden warten, dieses Mal hat alles ohne Probleme geklappt und ich saß endlich imBus. Gerädert von den ganzen unglücklichen Umständen war ich einfach nur noch froh, dass ich in einem Bus saß, der einfach nur gefahren ist. Zusammengefasste Rückreisezeit: 18 + 12 = 30 Stunden. Jetzt bin ich auf jeden Fall jetzt abgehärtet, mich bringt nichts mehr aus der Fassung.

Nach der Tour ist vor der Tour

Doviđenja

FORTSETZUNG FOLGT…



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