Die Altmühl ist ein kleiner, beschaulicher Fluss im fränkischen Bayern und ein bekannter Paddelklassiker. Die Fluss ist 230km lang, davon sind ca. 180 km mit dem Boot befahrbar. Landschaftlich abwechslungsreich, sehr idyllisch und trotz der insgesamt 20 Umtragungen bis zur Mündung absolut lohnenswert. Eigentlich wollte ich eine Komplettbefahrung ab Herrieden machen, Ich hatte aber bei meiner Befahrung Anfang Oktober 2026 so einen niedrigen Wasserstand, dass das nicht möglich war. Als Referenzpegel habe ich mich am Pegel von Aha orientiert. 138cm waren es, viel zu wenig. Ab 150 sollte es keine Grundberührungen geben, aber ich hatte keine andere Wahl. Warum habe ich das überhaupt gemacht? Geplant war der Po, von Piacenza bis zur Mündung. Einen Tag zuvor hat sich der Flixbusfahrer geweigert, mich und mein Faltboot mitzunehmen, obwohl ich Sperrgepäck gebucht hatte. Er hat mich vor die Wahl gestellt: Ich und Faltboot, aber ohne Bootswagen, dann würde er mich mitnehmen. Was für ein Witzbold. Was soll ich denn ohne Bootswagen mit dem Faltboot machen? Spazieren tragen? Ich bin schon oft in Europa mit dem Faltboot unterwegs gewesen, aber noch nie gab es wegen des Bootswagens Probleme. Wie auch immer, er hat mich nicht mitgenommen und so ist es eine Flusstour in Süddeutschland geworden. Warum die Altmühl? Es ist einer der wenigen Flüsse in Süddeutschland, auf dem man eine mehrtägige Kajaktour machen kann und der bei mir noch auf der To-Do-Liste stand.
Tag 1
Streudorf bis Treuchtlingen
35km 21 Grad

Gestartet habe ich meine Altmühlbefahrung direkt nach dem Wehr von Streudorf oberhalb des Altmühlsees. Weiter im Oberlauf war zu wenig Wasser. Hier gibt es einen kostenfreien Parkplatz, an dem man das Auto für einige Tage stehen lassen kann. Die Temperatur war in der Früh noch im einstelligen Bereich, aber ich hatte strahlenden Sonnenschein und es sollte ein schöner Herbsttag werden.

Dann ging es immer der Sonne entgegen vom Altmühlzuleiter direkt auf den See. Der Altmühlsee wurde in den 80er Jahren künstlich angelegt, ist ca. 4 km lang und sehr schön. Man darf nur am Westufer entlangfahren, da der Bereich in der Mitte Vogelschutzgebiet ist. Am Ende des Sees fährt man in Richtung Südufer und erreicht direkt die Umtragestelle in die Altmühl. Die Treppen lagen wegen des Niedrigwassers frei und viele grobe, große Steine ragten aus dem Wasser. Bei diesem Wasserstand mit Faltboot eine beschwerliche Umtragung.

Am Ende des Altmühlsees umträgt man in einen kleinen Bach, der nach wenigen Metern wieder in die Altmühl mündet.

Auch hier wieder keine Strömung.

Dann folgt im Ortsgebiet von Gunzenhausen ein Steinwurfwehr, das nicht in der Karte verzeichnet war. Vielleicht ist es bei höherem Wasserstand fahrbar. Wahrscheinlich bei Hochwasser. Bei meinem Wasserstand konnte man es überheben.

Ein paar hundert Meter danach kommt das Stadtwehr. Rechts umtragen ca. 80m

Nach dem Ortsausgang von Gunzenhausen fängt die Renaturierungsstrecke an, die fast bis nach Treuchtlingen geht. Ab hier wird der Fluss schmaler und es ist minimale Strömung vorhanden.

Ich war schon gespannt und habe gehört, dass man die Strecke nicht mit Seekajak oder langem Boot machen kann. Beim Planen habe ich mir den Verlauf auf dem Satellitenbild angeschaut. Es sah stellenweise sehr schmal aus, aber meiner Meinung nach machbar.

Reste eines alten Wehrs.

Schilf, Schilf und nochmal Schilf, Dschungelfeeling kommt auf und es ist ein kleines Abenteuer, hier durchzufahren. Die Steueranlage war bei diesem kurvenreichen Flussverlauf sehr hilfreich. Diese Drecksperren mit fließenden Schilfinseln haben einige Male die Fahrt zum Stillstand gebracht. Meine Taktik war meistens, ein Stück rückwärts fahren und dann mit Anlauf und Vollgas so weit wie möglich durch. Das hat gut funktioniert.

Wenn man an Ortschaften vorbeikommt, gibt es immer wieder Ein- und Ausstiege, an denen man auch pausieren kann. Dazwischen gibt es so gut wie keine Möglichkeiten, anzulanden. Ab und zu hat man sogar freie Sicht auf die Landschaft. Hier auf Gundelfingen.

Wasser-Knöterich blüht sogar noch im Herbst.

An dieser Stelle wurde es irre anstrengend. Schwimmende Schilfinseln mit Wurzeln haben die Durchfahrt blockiert. Das Ganze hat an Erzählungen aus dem Donaudelta erinnert, nur eine Spur kleiner. Ich musste aussteigen und das Boot mit Gewalt durchschieben. Da die Wassertiefe hier zwischen 30 und 50 cm beträgt, war das kein Problem. Der Flussgrund ist in diesem Bereich fast vollständig aus Sand, also angenehm zu laufen. Trotz der Mühen ist die Strecke aber absolut empfehlenswert.

Anlanden ist über lange Zeit fast unmöglich, aber ab und zu gibt es Stellen, an denen man pausieren kann. Es herrscht zwar Uferbetretungsverbot, aber come on, man sollte nicht auf Blüten treten oder Äste umknicken, dann geht das schon klar. Meistens sind es Tierpfade, die bis ans Wasser führen, die man nutzen kann.

Nachdem man für etliche Kilometer im Schilfwirrwarr unterwegs war, wird die Altmühl wieder breiter und es sind die Hügel der Fränkischen Alb zu sehen. Im Ortsgebiet von Treuchtlingen folgen kurz nacheinander zwei Wehre, die ich gleich zusammen umtragen habe. Das zweite Wehr ist eine Pegelschwelle und mit Festboot problemlos fahrbar. Beim Festplatz dahinter habe ich wieder eingesetzt, bin noch ein paar hundert Meter weiter und habe mir den Bootsrastplatz angeschaut, der laut Internet nicht geöffnet war.

Der Platz war offiziell geschlossen, aber mir war das in dem Moment egal. Die langsame Strömung und der Kampf durch den Schilfdjungel haben den ganzen Nachmittag in Anspruch genommen. Ich hatte keine Lust und Kraft mehr weiterzufahren. Abgesehen davon war es schon fast dunkel. Es war hier sehr idyllisch, keine Menschenseele, genau nach meinem Geschmack. Es gab ganz hinten an der Mündung des Mohrenbachs einen Holztisch und eine Bank und 100 Meter weiter war eine Baustelle mit Dixie-WC, also alles vorhanden. Ich bin hier geblieben und habe mein Lager aufgebaut.
Tag 2
Treuchtlingen bis Wasserzell
39km 20 Grad

Guten Morgen

Wunderbare Morgenstimmung auf dem Fluss, der hier sehr seicht ist. Direkt nach dem Einbooten war so wenig Wasser im Fluss, dass ich etliche Male aussteigen und das Boot schieben oder treideln musste. Es war verdammt wenig Wasser im Fluss, aber ich wusste ja, worauf ich mich einlasse. Wichtig war es für mich, zu entschleunigen und von meinem Anspruch herunterzukommen, am Tag mindestens 50 km zu machen. Das ist auf so einem Fluss nicht möglich.

Baumhindernisse gab es auch, aber man kam immer durch.

Der Zeltplatz von Pappenheim ist in Sicht und kurz danach kommt das Wehr. Der Vorteil der vielen Hindernisse war, dass durch das Aufstauen ein paar Kilometer vor den Wehren wieder genug Wasser im Fluss war und ich dadurch zumindest in diesen Bereichen keine Grundberührungen hatte.

Das Wehr in Pappenheim hat den kürzesten Umtrageweg der Tour. Ich musste trotzdem den Bootswagen benutzen, da ich es alleine nicht frei tragen konnte. Nach dem Einstieg ist es bis zum Zusammenfluss des Triebwerkskanals sehr seicht.

Dieser Ein-/Ausstieg ist entweder falsch konstruiert worden oder der Wasserstand ist extrem niedrig.

Die Landschaft ähnelt der Schwäbischen Alb. Wacholderhänge und Kalksteinformationen.

Nach nur wenigen Kilometern folgt das Wehr in Zimmern.

Der Ausstieg ist rechts und nach 40 m Umtragen kann man schon wieder einsetzen.

Zwischen Zimmern und Solnhofen sind es nur wenige Kilometer.

Dann erreicht man das Wehr in Solnhofen. Hier fährt man rechts in den Triebwerkskanal an der Wehrinsel ein und bootet links an den Treppen aus.

Die Umtragestrecke ist hier wieder kurz, nur 25 m. Alle Treppen an den Ein- und Ausstiegen der Altmühl haben Holzkanten, so kann man sorglos das Faltboot herunterrutschen lassen.

Dann wurde es kurz vor Eßlingen sehr seicht und ich musste mal wieder aussteigen.

Zwischen Pappenheim und Eßlingen erscheinen dann auf der linken Seite die Felsformationen der 12 Apostel.

Die Felsformationen erinnern an die Obere Donau bei Beuron, nur eine Nummer kleiner.

Pause am Wehr Hammermühle, im Hintergrund die Bootsrutsche. Dieses und das nächste Wehr sind mit einem Festboot immer befahrbar. Bei dem niedrigen Wasserstand war das für mein Faltboot keine Option. Also links umtragen ca. 50m

Es sind nur wenige Kilometer und schon ist man im Rückstau vom Wehr Hagenacker.

Auch in Hagenacker gibt es eine Bootsrutsche. Wie zuvor war das für mich keine Option. Ausstieg links, umtragen 40m.

In Dollnstein gibt es ausnahmsweise kein Wehr. Das Tal wird breiter, vor Tausenden von Jahren ist in diesem Tal die Donau geflossen.

Immer wieder treten die Felsen ganz nah an den Fluss.

Es war ziemlich oft seicht und ich musste treideln. Ich habe es als willkommene Abwechslung empfunden. Wenn man den ganzen Tag im Boot sitzt, kann etwas Laufen nicht schaden. Abgesehen davon wollte ich meinem Faltboot nicht zu viele Grundberührungen zumuten.

Das letzte Wehr für diesen Tag, Bubenrother Mühle.

Ausstieg links und Umtrageweg 50 m

Unterspülte Felsen bei Obereichstätt.

In einer renaturierten Schleife vor Wasserzell habe ich am rechten Ufer einen Anglerplatz gefunden. Der kam wie gerufen, ich hatte nämlich keine Power mehr. Und so bin ich doch noch zum Wildcampen gekommen. Zur Planung und Navigation der Tour habe ich wie immer die sehr detaillierten und hilfreichen Jübermann Karten verwendet.
Tag 3
Wasserzell bis Kinding
40km 24 Grad

Guten Morgen

Ein wunderschöner Platz, den ich sauberer verlassen habe, als ich ihn vorgefunden habe.

Und wieder traumhafte Morgenstimmung.

Vor der großen Flusschleife um Eichstätt kommt das Wehr Rebdorf. Die Burg Eichstätt ist schon zu sehen. Der Ausstieg ist rechts und der Umtrageweg 70m.

Wunderbare Herbststimmung

So ein Häusle mit Boot direkt am Wasser hätte ich auch gerne.

Das erste Wehr in Eichstätt hat einen sehr kurzen Umtrageweg von nur 20 m. Ich musste trotz des kurzen Weges den Bootswagen benutzen. Das vollgepackte Faltboot ist einfach zu schwer, um es alleine zu tragen.

Dann kommt die Stadtdurchfahrt von Eichstätt, eine sehr schöne Stadt, zumindest vom Wasser aus gesehen.

Nach der Stadtdurchfahrt erreicht man das zweite Wehr, Aumühle. Links umtragen, ca. 70 m.

Bei Pfünz neben der historischen Brücke gab es einen neuen Pausenplatz.

Hier habe ich erstmal bei strahlendem Sonnenschein Kaffepause gemacht. Danach bin ich unter der Brücke im Schwall direkt aufgesessen und musste treideln.

Ein paar Kilometer später folgt das Wehr Walting.

Ab dem Wehr von Walting verändert die Altmühl ihren Charakter. Ab hier kann man den Fluss frei fließend und mit genug Wasser für 30 Kilometer genießen. Kein Umtragen und keine lästigen Treidelpassagen.

Auf diesem Abschnitt war der Fluss sehr fischreich. Ich kenne mich nicht aus, aber riesige Exemplare sind in Scharen darin herumgeschwommen und der flutende Wasserhahnenfuß bestimmte über lange Strecken die Wasseroberfläche.

Burg Arnsberg

Es war schon spät und meine Vorräte waren so gut wie verbraucht, daher habe ich mich entschieden, in Kinding auf dem Bootsrastplatz zu übernachten. Der Platz ist direkt unterhalb einer Kreuzung und ziemlich laut, aber dafür ist ein kleiner Supermarkt nur 500m entfernt. Ich war wie schon zuvor in Treuchtlingen der einzige Camper auf dem Platz, aber das war mir gerade recht. Ohrenstöpsel gegen den Verkehrslärm hatte ich dabei, habe sie aber gar nicht gebraucht. Ich habe tief und fest geschlafen.
Tag 4
Kindling bis Riedenburg
55 Km 21 Grad

Nachdem ich einkaufen war, wurde es langsam hell und ich packte meine sieben Sachen. Der Einstieg für beladene Faltboote war nicht besonders ideal.

Morgens gab es mystische Nebelstimmung. Ich bin früh los, weil ich es auf jeden Fall nach Riedenburg schaffen wollte. Dort gibt es einen Zeltplatz an der Sportbootwiese. Das war mein Ziel für diesen Tag.

Umtragung des Wehrs Kratzmühle, Links aussetzen und nach 100m wieder rein.

Zwischen den Wehren

Kottingworther Mühle Links ca 70m umtragen

Der Fluss wird immer breiter und dann ist das letzte Hindernis auf der Altmühl in Sicht.

Das letzte Wehr auf der Altmühl, Töging, ist schon ein Laufwasserkraftwerk und man spürt, dass man kurz vor dem Main-Donau-Kanal ist.

Die Umtragung am Kraftwerk Töging läuft ab wie auf großen Flüssen wie Main, Mosel, Neckar oder Donau, die für die Schifffahrt kanalisiert worden sind. Üblicherweise gibt es komfortable Rampen zum Ausbooten und meistens auch eine Bootsschleppe.

Kurz danach erreicht man die Mündung der „alten“ Altmühl in den Main-Donau-Kanal. Ab hier ist sportliches Paddeln für 35 Kilometer angesagt. Der Kanal hat keinerlei Strömung. Da ich schon um 12 Uhr am MDK angekommen war hatte ich mir vorgenommen komplett bis zur Mündung durchzufahren.

Das war das einzige Schiff, dem ich auf dem Main-Donau-Kanal begegnet bin.

Die Schleuse und das Kraftwerk Riedenburg waren links zu umtragen, ca. 200 m. Es gibt hier keine Bootschleppe, dafür eine Sportbootschleuse. Mir hätte das aber zu lange gedauert.

Riedenburg ist farbenfroh

Burg Prunn

Trotz stehendem Gewässer landschaftlich eine sehr schöne Strecke.

Burgruine Randeck

Kraftwerk und Schleuse Kelheim-Gronsdorf, rechts umtragen ca. 300 m. „Sport“ war an diesem Tag Programm.

Die Befreiungshalle ist schon zu sehen. Es wurde langsam dunkel und ich musste mich beeilen, um noch vor der Dunkelheit an der Mündung und meinem geplanten Schlafplatz zu sein.

Geschafft! Ziemlich erschöpft bin ich bei der Mündung angekommen. Gut auf dem Foto zu sehen: Von links kommt die Donau und von rechts der Main-Donau-Kanal bzw. die Altmühl. Jetzt musste ich nur noch das Boot entladen und auf den Damm hochziehen. Das beladene Boot hätte ich alleine nicht hochtragen können, da die Böschung steil war und unten grobe Steine lagen. Mühsam, aber den Campspot kannte ich schon und der war es wert.

Gerade noch rechtzeitig konnte ich mein Lager aufbauen und den Abschluss der Tour mit Sonnenuntergang genießen.

Hier am nächsten Morgen nochmal schön von oben zu sehen die Mündung des MDK bzw. der Altmühl in die Donau.

Fazit zur Tour: Die Altmühl ist auch bei Niedrigwasser mit dem Faltboot befahrbar und trotz der Mühen absolut lohnenswert. Der Argo hat wieder mal bewiesen, dass es ein robustes Boot ist, und der Kielstreifen hält eine Menge aus! Die Jahreszeit war perfekt für diese Tour und werktags hatte ich den Fluss für mich allein. Trotz der vielen Umtragungen sehr empfehlenswert.
FORTSETZUNG FOLGT…
Warum? Es fehlt für die Komplettbefahrung nämlich noch ein Stück oberhalb des Altmühlsees ab Herrieden. Das war wegen des Niedrigwassers diesmal nicht möglich.



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