Ich bin von der Donau fasziniert seit ich als Kind in den 80er-Jahren auf einer Bootstour mit der Schulklasse war. Damals habe ich mich gefragt, wo sie wohl hinfließt. Wie sind die Länder und die Menschen, die an dem Fluss leben? Wie sieht der Fluss in Bulgarien aus? Wie hören sich die Sprachen an, die da gesprochen werden? Wie groß ist das Donaudelta?
Als Kind findet man das alles total spannend und mysteriös und will das mit seinen eigenen Augen sehen. Für eine lange Zeit ist dieser Gedanke in den Hintergrund geraten. Schließlich haben mich zwei schwere Krankheitsphasen 2019 und 2021 davon überzeugt, nicht ewig zu warten, sondern das in die Realität umzusetzen. Ende Mai 2023 machte ich mich auf den Weg – von Donaueschingen bis zur Mündung in Sulina.


Die Donau entsteht am Rande des Schwarzwalds aus den beiden Quellflüssen Brigach und Breg, fliesst ca. 2800km ostwärts und mündet im Grenzgebiet von Rumänien und der Ukraine in einem riesigen Delta ins Schwarze Meer. Auf ihrer langen Reise durchstreift sie 10 Länder, sie ist der internationalste Fluss der Erde. Grafik von Daniel Ullrich (Threedots), CC BY-SA 3.0
ETAPPE 1: DEUTSCHLAND
Tag 1
Anreise & Donaueschingen bis Immendingen
26 km 18 Grad

Nach tagelangen Vorbereitungen ging es mit dem Zug zum Ausgangspunkt: dem Zusammenfluss von Brigach und Breg in Donaueschingen. Ich habe bereits viele Touren an Flüssen gemacht, immer von Source to Sea, also von der Quelle bis zur Mündung. Von der Donau-Radreise habe ich lange geträumt, aber sie als unrealistisch abgetan. Zu lange, zu viele Kilometer, zu wenig Urlaub. Aber wenn man immer so denkt, dann wird das nie etwas. Ab Herbst 2022 hatte ich es mir fest vorgenommen und mit der Planung begonnen. Das Wichtigste: Urlaub lange im Voraus ankündigen, Kartenmaterial besorgen und einstudieren, und die Familie darauf einstimmen.
Der erste Tag war geprägt von Nervosität, Unsicherheit, aber auch Vorfreude. Egal wie routiniert man ist, man denkt immer: Habe ich etwas vergessen? Habe ich zu viel dabei? Das gibt sich aber alles im Laufe der Fahrt. Das ferne Ziel, das Donau-Delta, war zunächst völlig irreal. Jetzt ging es wirklich los.

Über die Gesamtlänge gibt es verschiedene Angaben, fahren werde ich schlussendlich deutlich mehr..

Die „Donauquelle“ in Donaueschingen

Hinten links im Bild kann man eine Brücke erkennen. Genau an dieser Stelle ist der Zusammenfluss von Brigach und Breg. Näher kommt man leider nicht ran, ausser man fährt mit dem Rad auf die Bundesstraße. Hier entsteht die Donau, aber darüber kann man sich streiten …

Das ist die Donauversinkung bei Immendingen. Dieser Ort ist für mich besonders interessant da ich mit dem Kajak bei Hochwasser im Winter hier vorbeigefahren bin, ebenso aber auch Im Sommer durch das trockene Flussbett gewandert. Ca. 160Tage im Jahr fließt hier gar nichts mehr, da alles versickert und in der Aachquelle wieder austritt, von da aus geht es in den Bodensee, und damit in den Rhein und in die Nordsee.Allein diese Tatsache ist schon schon super spannend.

Erstes Camp der Tour am Biwakplatz von Immendingen.
Tag 2
Immendingen bis Emeringen
112 km 19 Grad

Kurz vor Mühlheim, Top-Radweg, passable Temperatur von ca. 18 Grad, dafür leider relativ starker Gegenwind von konstanten 15km/h der mich die ersten 1000km bis Ungarn begleiten wird.

Das obere Donautal ist Idylle pur, hier beim Jägerhaus bei Friedingen.

Das Donautal am Südhang der Schwäbischen Alb kenne ich sehr gut von vielen Touren mit Rad & Boot. Hier ist die Donau noch sehr schmal und seicht. Irre , wenn man bedenkt wie gross die Donau später noch wird, in Rumänien vor dem Delta gibt es Stellen wo sie 1km breit ist..



Kloster Beuron


St Maurus Kapelle bei Beuron

Schrägwehr bei Gutenstein, bei gutem Wasserstand macht es hier richtig Spaß mit dem Kajak runterzufahren.

Kurz vor Daugendorf, wunderschöner flutender Wasserhahnenfuss. Ich habe als Campspot Zwiefaltendorf unter der Brücke angepeilt, da habe ich auf einer früheren Tour schon mal übernachtet. Als ich ankam war da aber noch eine Menge los, also bin ich den Berg hoch Richtung Emeringen. Da habe ich neben einem Spielplatz mit Grillstelle mich erst mal ins weiche Gras gelegt, entspannt und danach mein Zelt aufgebaut.
Tag 3
Emeringen bis Höchstädt
111 km 22 Grad

Am nächsten Morgen ging es einen steilen Downhill bergab an der Braunsel entlang, das ist der kürzeste Donauzufluss, 900 m lang, aus ca. 30 Karstquellen. Kurz danach war ich schon wieder dem Donauradweg.

Wasser schöpfen in Rechtenstein. Ich habe auf der Tour nie Wasser in Flaschen gekauft um den Kunststoffmüll zu vermeiden. Es gibt genug Brunnen, Friedhöfe und Tankstellen wo man Wasser auffüllen kann. Zur Not kann man auch einfach mal Menschen auf dem Weg ansprechen. Wobei ich hatte leicht reden. Ich hatte eine Filterflasche dabei die es mir relativ leicht gemacht hat Wasser zu besorgen.

Die erste „Ländergrenze“

Campspot direkt am Stauwehr Höchstädt. Wenn es möglich war, dann wollte ich Abends immer in der Nähe des Flusses einen Schlafplatz finden. Man fährt oft abseits, und mir ging es vor allem darum, den Fluss so nah wie möglich zu begleiten und ihn intensiv zu erleben. Hier habe ich leider feststellen müssen, dass ich mein Headlight in Emeringen beim letzten Schlafplatz liegen gelassen habe, blöd, aber verkraftbar, da es zu dieser Jahreszeit sehr lang hell war und ich sowieso nicht bis in die Dunkelheit reinfahre.
Tag 4
Höchstädt bis Vohburg
99km 23 Grad

Mein morgendlicher Blick beim Aufstehen, der natürliche Rhythmus auf der Radreise setzt langsam ein.

Neuburg an der Donau

Staub, Staub und nochmal Staub. Viel Schotter auf dem bayrischen Radweg. Am Abend habe ich erneut die Nähe des Flusses gesucht und da es am Vorabend an der Staustufe in Höchstadt so einfach war habe ich das gleiche in Vohburg gemacht.
Tag 5
Vohburg bis Straubing
121 km 23 Grad

Durch die Weltenburger Enge bin ich schon mehrfach mit dem Kajak gefahren, ein Traum die Strecke. Diesmal mit Fahrrad auf dem Fährkahn bis Kelheim.


Die steinerne Brücke in Regensburg, älteste erhaltene Brücke in Deutschland. „Berüchtigt“ für Kajakfahrer wegen den Wirbeln hinter den Pfeilern, aber eigentlich harmlos, wenn kein Schiffsverkehr.

Straubing, im Hintergrund der Bayrische Wald


Nach einer langen Tagesetappe habe ich dann diesen schönen Campspot in Straubing gefunden, ein Stechmückenparadies, aber idyllisch gelegen.
Tag 6
Straubing bis Passau
105 km 23 Grad

Der Inn bringt in Passau mehr Wasser in den Fluss als die Donau selbst, ist aber über 100 km kürzer. Deshalb Donau und nicht Inn.

Links der wasserreichere Inn mit der typischen Farbe eines Alpenflusses, rechts die Donau mit dem blaugrauen Wasser und ganz rechts die Ilz mit sehr dunklem Moorwasser. Hier kommt so viel Wasser zusammen, dass es kein Wunder ist, dass Passau oft von Hochwasser heimgesucht wird. Foto von Wikipedia.

Erstes Land und erste Etappe von 590 km geschafft. Fazit zu der deutschen Etappe: Besonders der Durchbruch südlich der Schwäbischen Alb bei Beuron und die Weltenburger Enge sind wunderschöne Strecken. Was nicht so schön war, war der stetige Gegenwind. Direkt hier an der Grenze bei dem Foto habe ich Speichenbruch am Hinterrad festgestellt und war dementsprechend schlecht gelaunt. Bin erst mal zurück zum Donauufer und habe eine Nacht darüber geschlafen.

Eine Messerspeiche vom Hinterrad ist gebrochen, das ist wohl in der Altstadt von Passau passiert, schätze mal das war zu viel des Guten auf den riesigen Pflastersteinen mit dem schwer beladenen Fahrrad. Morgens habe ich mich direkt an die Reparatur gemacht, ich dachte ich hätte dafür alles dabei, leider war das nicht so. In der Felge war der Zugang zur Speiche so tief, dass dafür ein Spezialwerkzeug nötig war. Also wieder alles zusammenbauen, 2 km nach Passau schieben, Werkstatt suchen.
Erst der dritte Radladen hatte das passende Werkzeug. Die freundlichen Mechaniker von denk bike + outdoor haben mir dann geholfen, die Speiche einzusetzen und das Rad wieder zu zentrieren. Das Ganze hat mich fast einen halben Tag gekostet, hat mich aber auch zum Nachdenken angeregt, und daraufhin habe ich beschlossen, einen Teil des Equipments, das ich nicht brauche, nach Hause zu schicken. So habe ich ca. 3–5 kg Gesamtgewicht abgespeckt und das Hinterrad entlastet. Ebenso habe ich mich nach mittlerweile über 600km entschlossen, mir eine besser gepolsterte Radhose zu kaufen. Nachdem ich alles Nötige in Passau erledigt hatte, ging es weiter in die nächste Etappe.
ETAPPE 2: ÖSTERREICH
Tag 7
Passau bis Ottensheim
95 km 20 Grad

Sehr schöner Sandstrand am Ende von Passau

Eines meiner Lieblingsmotive. Schiffe. Ich kann nicht genug davon bekommen. Die erzeugen bei mir immer Fernweh.

Die Kraftwerke werden immer größer, hier Jochenstein

Die Schlögener Schlinge,der größte Zwangsmäander Europas.

Österreich hat wohl die besten Radwege Europas, alles perfekt betoniert, traumhafte Landschaften und super ausgebaut. Es gab auf dieser Strecke sehr viele schöne Biwakplätze mit Feuerstellen an denen man offiziell übernachten darf. Ich wollte aber noch Kilometer machen und es war noch zu früh für mich, so bin ich das ganze Tal gefahren.

Die Flusskilometer werden an der Donau aufwärts gezählt, die Mündung in Sulina ist 0, hier habe ich noch 2175km vor mir.

Das hier war einer der schönsten Campspots der Tour, direkt an der Mündung des Innbachs. Ab diesem Abend sind die Stechmücken augetaucht und je weiter es nach Osten ging desto mehr wurden es.
Tag 8
Ottensheim bis Ebersdorf
115 km 24 Grad

Morgenstimmung, gegenüber Schloss Ottensheim.

Ein sehr idyllischer kleiner Nebenfluss der Donau, der Innbach.

Linz
Tag 9
Ebersdorf bis Greifenstein
105 km 26 Grad

Tag 10
Greifenstein bis Bratislava
101 km 26 Grad

Bei Krems habe ich Justus, einen Radreisenden aus Hamburg kennengelernt, der auf dem Weg nach Griechenland war, und wir haben beschlossen, eine Zeit lang zusammen zu fahren. Wien ist in Sichtweite.

Am Donaukanal

In Wien haben sich unsere Wege dann wieder getrennt. Er wollte sich noch die Stadt anschauen. Ich war schon mehrfach da und wollte weiter.

Der „wilde“ Osten kommt näher…

Nach Wien ging es auf der linken Uferseite weiter auf einem endlosen Damm Richtung Bratislava. Gefühlte 50 km immer geradeaus…

Und die nächste Ländergrenze
ETAPPE 3: SLOVAKEI
Tag 11
Bratislava bis Komarom
120 km 22 Grad

Campspot am Stadtstrand von Bratislava mit Feuerstelle. Der Ostwind war leider so heftig, dass Feuer machen keine Option war.

Auch in der Slowakei noch Top-Radwege

Geparkte Schubleichter an der Staustufe Gabčíkovo

Unendlich langer Radweg am Schifffahrtskanal von Gabčíkovo Richtung Gönyű, rechts neben der Straße liegt versteckt die alte Donau.



Ein Radweg der einfach mal abrupt durch einen tiefen Graben getrennt ist.

Ich konnte auf slowakischer Seite keinen guten Schlafplatz finden und auf der rechten ungarischen Seite habe ich einen schönen Strand entdeckt der relativ flach war. So bin ich für einen Abend ins dritte Land gewechselt.

Es war gar nicht so leicht an dieses Ufer zu kommen, ich musste durch ein Wohngebiet und dann das Rad über steile Stufen die komplett zugewachsen waren runter tragen. Der Aufwand hat sich aber gelohnt, ich hatte den ganzen Strand für mich allein.

Der Strand war hier vollständig aus Muscheln statt Sand.

<3

Der natürliche Tagesrythmus auf der Radreise: Aufstehen mit Sonnenaufgang, den ganzen lieben Tag Radfahren und abends bei Sonnenuntergang ins Bett.
Tag 12
Komarno bis Szentendre
127 km 21 Grad

Die Maria-Valeria-Brücke verbindet Ungarn mit der Slovakei, die Basilika von Esztergom ist schon zu sehen
ETAPPE 4: UNGARN

Ab hier begann dann definitiv meine Ungarn Etappe.

Esztergom, die ehemalige Haupstadt Ungarns

Campspot direkt am Stadtrand von Szentendre. Ursprünglich wollte ich auf der Szentendre Insel übernachten, aber da habe ich mich verfahren und bin in einem riesigen Naturschutzgebiet gelandet. Außer Wasserwerke gab es da nichts und ich bin etwas naiv durch eine Absperrung gefahren. Nach ein paar Kilometern habe ich dann gemerkt, dass mir ein Auto langsam folgt. Es war der Sicherheitsdienst des Wasserwerks. Die haben mich abgefangen und waren ziemlich sauer, dass ich durch die Absperrung gefahren bin. Höflich, aber streng haben sie mich zurechtgewiesen und mir den Weg zurück erklärt. Das waren dann bestimmt 10 km nochmal die gleiche Strecke. Auf die letzte Minute habe ich dann noch eine Fähre nach Szentendre bekommen.
Tag 13
Szentendre bis Solt
124 km 25 Grad

Die Raupe einer Kupferglucke sieht einem hellen Zweig täuschend ähnlich.

Budapest ist schon in Sicht. Die Donau fließt ab der Szentendre Insel nach Süden, der starke Ostwind hat nachgelassen und durch die Richtungsänderung ist es bedeutend angenehmer zu fahren.

Budapest ist mit 1,7 Millionen Einwohner die größte Stadt an der Donau, es ist schon ein Erlebnis hier durchzufahren.

Das Parlamentsgebäude von Budapest.

Die Freiheitsbrücke, zerstört im zweiten Weltkrieg und wieder originalgetreu aufgebaut.

Warum hier der Ortsname auch noch auf Bulgarisch stand, konnte ich nicht herausfinden. Meiner Meinung nach ist Ungarisch die anspruchsvollste europäische Sprache. Ich habe versucht vor der Tour etwas zu lernen, habe es aber vorerst aufgegeben da die Grammatik sehr komplex ist.

Südlich von Budapest ist es dann vorbei mit den Radwegen, ab hier geht es fast nur noch auf Landstraßen bis nach Rumänien. Die Oberflächenqualität der Straßen in Ungarn war leider miserabel. Aufmerksamkeit ist hier gefragt, um nicht mit dem schwer beladenen Tourenrad in eins von unzähligen Löchern zu geraten. Die Löcher und ausgefahren Mulden waren natürlich immer knapp links vom Straßenrand wo man sich als Fahrradfahrer nun mal hauptsächlich aufhält.

Die EUROVELO6 Schilder waren zum Teil nicht mehr erkennbar und wurden immer seltener. Dieses hier war eines der letzten Brauchbaren, die ich gesehen habe. Da ich auf dieser Tour einem Fluss gefolgt bin, war das mit der Beschilderung nicht so wichtig.

Das war anscheinend mal ein Dorf der Donauschwaben.

Dieser Pfad hier war ein Teil des offiziellen EUROVELO6 Radwegs, für mein schmal bereiftes und schweres Tourenrad aber keine Option.

Ich habe mich für kurze Zeit einer Gruppe aus drei Franzosen und einer deutschen Französischlehrerin angeschlossen, die fast die gleiche Route fuhren wie ich. Sie hatten aber viel mehr Zeit eingeplant und fuhren einen anderen Rhythmus. Deshalb sind wir nicht lange zusammen unterwegs gewesen. Hier auf dem Foto ist Jean-Luc zu sehen. Wir sind eine längere Zeit zusammengefahren und er sprach Deutsch, das war angenehm für mich, da meine Französischkenntnisse sich auf 10 Wörter beschränken.
Am Abend haben wir uns dann alle wiedergetroffen und ich hatte schon einen Campspot im Auge. Der Rest der Gruppe war nicht so begeistert, weil es direkt an der Donau war und dadurch die Stechmücken reichlich vorhanden waren. Bei unserer Ankunft hat es dann stark geregnet und immerhin gab es dadurch weniger von den Biestern.
Tag 14
Solt bis Izsakpusta
68 km 22 Grad

Unser Campspot bei Solt, Südungarn, am Morgen, hier gab es reichlich Platz für unsere Gruppe mit 5 Zelten und einen Shelter zum Unterstellen. Am Abend zuvor standen wir beim Essen im Regen beisammen und haben über die Donau philosophiert, und ich sprach darüber, wie es wäre auf dem Fluss mit dem Kajak zu fahren. Ein Jahr später sollte ich genau hier mit dem Kajak vorbeifahren.

Mein erster Platten der Tour, ein Schleicher, ich habe erst am frühen Morgen gemerkt, dass Luft entweicht. Kaffee kochen & Reifen flicken im Regen. Zum Glück gab es hier einen kleinen Unterstand unter einem Förderband für Frachtschiffe. Ab hier hatte ich eine Pechsträhne mit Platten und meinen Pedalen, die sich bis nach Serbien ziehen sollte.

Zusammen in einer Gruppe zu fahren war für eine kurze Zeit eine angenehme Abwechslung. Ich ziehe es aber vor alleine unterwegs zu sein. Man kann sein Tempo und die Länge der Tagesetappen selber bestimmen und ist unabhängig. Vor allem aber ist es im Ausland besonders spannend da die Menschen gegenüber Solo-Reisenden bedeutend kontaktfreudiger und aufgeschlossener sind als einer Gruppe.

Kurz darauf habe ich die Gruppe verloren, weil ich zu lange Pause gemacht habe, aber später wird man sich wiedersehen.

Unwetter im Anmarsch

In dieser Bushaltestelle habe ich mehrere Stunden ausgeharrt, es hätte keinen Sinn mehr gemacht weiterzufahren. Der Regen war einfach zu stark.

Irgendwann hatte ich keine Geduld mehr und bin im strömenden Regen weitergefahren und habe dann diesen Shelter bei Izsákpuszta gefunden bei dem ich mich erst mal weiter untergestellt habe. Der Regen wollte einfach nicht aufhören, ich habe mich dann schon am späten Nachmittag entschlossen, gleich hier mein Camp aufzuschlagen und den Regen auszusitzen. Später kam noch ein Ungar mit dem Auto vorbei, hat sich Sorgen um mich gemacht, und mir den Weg erklärt zu mehreren Hotels und Unterkünften. Er konnte es einfach nicht verstehen dass ich hier draußen übernachten will und wollte mich sogar zu den Unterkünften hinfahren, aber ich habe dankend abgelehnt.
Tag 15
Izsakpusta bis Bezdan
118 km 24 Grad

Eine von unzähligen Landschildkröten denen ich über die Straße geholfen habe.

Baja, schönes Städtchen, mit Kanälen die sich durch die Stadt ziehen. Vor Baja habe ich es tatsächlich geschafft 18 km in die falsche Richtung zu fahren. Und auch noch in die Gegenrichtung. Zum Glück war das ein perfekt asphaltierter Radweg und mit Rückenwind zurück ging das recht schnell. Dann habe ich die Franzosen wiedergetroffen und bin noch ein Stück mit ihnen gefahren.

Es hat nicht lange gedauert bis wieder jemand einen Platten hatte. Es war eine ziemliche Sauerei da versucht wurde den Tubeless Reifen mit Dichtmilch zu flicken. Schlussendlich wurde wieder ein normaler Schlauch eingebaut.

Hier bin ich schon wieder alleine unterwegs und jetzt war ich an der Reihe. Der nächste Platten, kurz vor der serbischen Grenze. Die ungarische Grenzpolizei kam vorbei, war sehr nett und witzelte, warum ich denn ein Fahrrad und keinen Mercedes fahren würde, da ich ja aus Stuttgart bin.

Die Raupe eines Osterluzeifalters

Im Hintergrund ist die serbische Grenze zu sehen, hier ging es raus aus der EU. Es war verlockend auf dem super geteerten Radweg direkt weiterzufahren, das Gate war offen. Aber es gab Stacheldraht und Kameras, ich wollte nichts riskieren und wollte sowieso noch Proviant einkaufen und meine letzten ungarischen Forint ausgeben. In der Grenzstadt Hercegszántó habe ich dann noch einen kleinen Tanta Emma Laden gefunden mit der unfreundlichsten Mitarbeiterin die ich auf dieser Tour hatte. Auf jede noch so freundliche Frage hat sie forsch und ablehnend reagiert. Sie hatte wohl einen schlechten Tag.

So hat mich Serbien erwartet

Der Ausflug nach Serbien war erst mal nur ein kurzer, da ich auch eine Etappe durch Kroatien fahren wollte. Der günstigste Übergang dafür war Batina, also bin ich erst mal von Bački Breg nach Batina gefahren.

Serbien tut einiges für den Radtourismus, die Beschilderung der Route ist sehr gut und im Vergleich zu Ungarn gibt es Top-Radwege und sehr gut asphaltierte Landstraßen.

Campspot in Serbien bei Bezdan an einem Lost Place, ein ehemaliges Restaurant und Hotel. Den Tipp habe ich von einem serbischen Radfahrer bekommen, der mich von der Grenze aus begleitet und mir den Platz gezeigt hat. Er konnte sehr gut Englisch und wir haben auf dem Weg über das ehemalige Jugoslawien diskutiert.

Von der Terasse des ehemaligen Restaurants hatte ich Abends einen traumhaften Ausblick auf die Donau.
ETAPPE 5 :KROATIEN
Tag 16
Bezdan bis Ilok
140km 24 Grad

Grenzbrücke über die Donau von Bezdan nach Batina in mystischer Nebelstimmung.

Land Nr. 5

Robinien und Götterbäume ohne Ende. Irre wie die sich hier ausbreiten. Bei uns werden die als invasiv angesehen aber hier scheint es keinen zu kümmern.
Nach relativ kurzer Zeit kam eine Abzweigung nach rechts mit dem Schild „Amazon of Europe„. Auf meiner Karte war er auch als Radweg eingezeichnet, also bin ich der Route gefolgt. Vorerst war das ein gut geschotterter Weg, der hauptsächlich auf einem Damm verläuft. Leider wurde er immer schlechter, je weiter ich fuhr, und irgendwann war es mit meinem voll beladenen Rennrad nicht mehr möglich und ich musste eine lange Strecke schieben. Bei Zlatna Greda habe ich die Route verlassen und bin endlich wieder auf ordentlichem Untergrund gefahren. Wie ich später herausgefunden habe, ist das ein großes zusammenhängendes Gebiet der Flüsse Mur, Drau und Donau. Ich war auf dem letzten Teilstück unterwegs, genau neben der Donau/Drau-Mündung. Diese Strecke ist auf jeden Fall sehr lohnenswert,ein Fahrrad mit breiten Reifen bzw. ein Mountainbike ist für diese Strecke empfehlenswert. Ich habe innerhalb kürzester Zeit am helllichten Tag eine Familie Wildschweine, einen Hirsch und einige andere Tiere gesehen. Ein wahres Naturparadies.

Osijek, kurz vor der Mündung der Drau/Drava in die Donau. Hier habe ich mich von meinen französischen Freunden ein drittes Mal getrennt und auch nicht mehr wiedergesehen. Grüße gehen raus an die Franzosen aus Paris/Straßburg und Lotta aus Hamburg.

Zerstörtes Gebäude als Mahnmal des Jugoslawienkriegs, überall sind noch Einschusslöcher zu sehen.

Noch ein Mahnmal, der zerschossene Wasserturm von Vokuvar

Beeindruckendes Wendemanöver eines Passagierschiffs, wohl knapp 100 m lang. Die Donau hat hier immer noch gut Strömung, Respekt an den Kapitän.

Wieder mal ein Gewitter im Anmarsch

Campspot in Ilok, kurz vor dem serbischen Grenzübergang. Wieder ein Lost Place, ein ehemaliges Fischrestaurant. Die Promenade war noch belebt aber es gab auf die Schnelle keine Alternative da ein starkes Gewitter aufzog.
ETAPPE 5 :SERBIEN
Tag 17
Ilok bis Belgrad
159 km 27 Grad

Ein zweites mal serbischer Grenzübergang, hier ging ebenso alles schnell und problemlos. Man braucht auch keinen „Aufenthaltsschein“ wie ich in älteren Berichten gelesen oder gehört habe.

Novi Sad, die Boote scheinen tatsächlich noch in Betrieb zu sein…

Bei Novi Sad habe ich mal wieder die Uferseite gewechselt.

Orthodoxe Kirche im russischen Stil bei Banstol

Word

Entnervt von den extrem befahrenen Landstraßen in den Vororten von Belgrad bin ich auf einen Seitenweg direkt an der Donau ausgewichen. Ich wollte endlich Ruhe und die Überholmanöver der Autos haben mich fertiggemacht. Ich hätte besser weiterfahren sollen. Der Weg war vorerst sehr schön, direkt an der Donau und kaum besiedelt. Je weiter ich kam, desto schlechter wurden die Verhältnisse. Erst schön geteert, dann Kies, dann folgten grobe Steine mit riesigen Mulden und dann kam der Schlamm. Ich war mittlerweile so weit und es war auch schon spät, ich hatte keinen Bock mehr auf Umdrehen, und ich wollte einen Schlafplatz an der Donau finden.
Die Krönung kam jetzt: Es war klar, dass ich in dieser Situation eine Reifenpanne bekommen musste. So habe ich das Rad mit plattem Hinterreifen im Schlamm den Weg weitergeschoben. Als ob das nicht schon genug wäre, kamen noch die Stechmücken raus. Dann habe ich eine Wiese entdeckt, die relativ eben war, perfekt für Zelt und Reifenflicken. Es stand aber ein Auto in der Nähe, und wie sich herausstellte, war es der Besitzer von dem Stück Land. Ich fragte ihn höflich, ob das klargeht, er hatte nichts dagegen, hat mir aber klargemacht, dass er mich unbedingt zu einem Campingplatz fahren wollte.
Das wollte ich erst mal nicht, aber er hat mich dann weichgekocht und ich habe erst mal das Rad vom Schlamm befreit, die Taschen und Laufräder demontiert, damit es ins Auto passte. Dann ging es erst mal zu einem Gemüsehändler, den der Mann belieferte. Danach hat er mich zum Campingplatz gefahren. Camp Dunav, direkt oberhalb der Donau. Dieses Erlebnis war das erste von vielen Beispielen grenzenloser Hilfsbereitschaft in Serbien. Im Endeffekt war das Ganze okay, ich habe seit zwei Wochen mal wieder eine Dusche genossen, die Kleider halbwegs gewaschen, das Fahrrad gereinigt und geflickt.
Tag 18
Belgrad bis Dubovac
87 km 26 Grad

In Belgrad habe ich mich gnadenlos verfahren, bis ich wieder herausgefunden habe ist ne Menge Zeit vergangen. Das ist der Preis, wenn man ohne Navi und mit analogen Landkarten navigiert. Nichtsdestotrotz ziehe ich das vor. Ich kann mir nichts Langweiligeres vorstellen, als dass ein Programm einem eine Route vorschlägt, der man dann blind folgt. Langweile pur. Mit Landkarten lernt man die Landschaft, die Länder und vor allem die Ortschaften richtig kennen, man erinnert sich auch noch nach der Reise wo man war und es bleiben keine „Namenlose Dörfer“ im Gedächtnis.
Auf jeden Fall musste ich dann über die Brücke nach Pancevo. 2-spurig, Autos so schnell wie auf der Autobahn und keine Radwege, die Autofahrer dachten wohl ich hatte einen Todeswunsch. Generell ist Radfahren in Serbien so ne Sache. Auf den Landstraßen stehen alle paar km am Straßenrand unzählige prächtig verzierte und gepflegte Gedenktafeln, mit Namen und Fotos der Verstorbenen. Ich habe aus Respekt vor den Toten keine Fotos davon gemacht, aber man könnte damit locker in kürzester Zeit ein Bildband daraus machen. Wenn so viele Menschen hier beim Autofahren ums Leben kommen, dann wird einem als Radfahrer schon mulmig zumute …

Skatepark von Belgrad, direkt an der Save, hatte mein Board aber leider nicht dabei.

Dobuvac, im Hintergrund sind schon die Ausläufer der Karpaten zu sehen. 50 Kilometer zuvor habe ich zu allem Überfluss meine Brille verloren, bzw. an einem Rastplatz liegen gelassen. Ich bin weitsichtig und brauche sie eigentlich hauptsächlich bei schlechtem Licht und essenziell in der Nacht. Ich bin aber nicht zurückgefahren, um sie zu suchen, und habe die Gruppe der Franzosen, die hinter mir war, gefragt, ob sie an den von mir vermuteten Orten schauen können. Sie war aber nicht mehr da, sei’s drum. Leicht genervt und erschöpft von den andauernden Reifenpannen und dem Knacken in den Pedallagern wollte ich wieder auf einen Campingplatz. Der auf meiner Karte eingezeichnete Campingplatz existierte aber nicht mehr. Während der Suche haben mich dann Goran und seine Nachbarn zu sich eingeladen. Goran hat ein Grundstück mit einem Ferienhaus direkt an der Donau und mich in seinem Garten zelten lassen.
Kurz bevor ich schlafen wollte kam dann die ganze Nachbarschaft, und mit Rakia, serbischer Volksmusik und einer Menge guter Laune ging die Nacht noch sehr lange. Meine Russischkenntnisse haben mir nicht so viel geholfen wie gedacht, aber irgendwie kann man sich immer verständigen … Falls ihr mal eine Unterkunft kurz vor dem Eisernen Tor braucht, checkt: Goxi Apartments

Diese gesellige Runde mit Goran und seiner Nachbarschaft hat mich mental wieder aufgebaut .
Tag 19
Dobovac bis Golubac
93 km 25 Grad

Хвала пуно, Горане

Hier verläuft der Tisa-Kanal, der bei Stara Palanka in die Donau mündet. Als ich vorbeifuhr, war eine Menge los, Angler so weit das Auge reicht. Wenn man hier nach Rumänien einreisen will, dann kann man vor Stara Palanka einfach die Landstraße weiterfahren bis zum Grenzübergang Kaluđerovo. Ich würde aber immer auf der serbischen Seite fahren, die Strecke ist höher gelegen und man hat eine wunderbare Aussicht auf das „Eiserne Tor“, Abgesehen davon ist so gut wie kein Verkehr auf der serbischen Strecke.

Auf der Fähre von Stara Palanka nach Ram, hier traf ich einen anderen Radreisen aus Deutschland, Stefan aus Bautzen, der sichtlich erschöpft und ausgepowert war. Wir haben unser Leid ausgetauscht, er ohne Kraft und Motivation, und ich mit meiner Plattenphase und den kaputten Pedallagern. Wir sind aber erst mal nicht zusammen weitergefahren da er schneller loswollte und ich mir noch Ram angeschaut habe.

Ab Ram wurde die Strecke immer schöner, der Rückstau vom Kraftwerk Djerdap1 war schon zu spüren. Die Donau ist hier sehr breit und auf der linken Uferseite ist bereits Rumänien. Obwohl ich auf Landstraßen fuhr, war der Verkehr so gut wie nicht vorhanden. Ab hier hat die Sache mit den Straßenhunden angefangen, von Berichten anderer Radreisenden gewarnt hatte ich vorsorglich ein Pfefferspray dabei. Ich musste es auf der Tour aber kein einziges Mal einsetzen. Schnelles Wegradeln bei einem Angriff bringt nichts, mit dem schwerbeladenen Tourenbike holen Sie dich auf jeden Fall ein.
Nach ein paar dieser Begegnungen mit anschließenden Verfolgungsjagden habe ich dann die Taktik geändert: Sobald die Meute aggressiv kläffend auf einen zugerast kommt, stoppen, vom Rad absteigen, weiterschieben und wenn möglich das Rad zwischen sich und die Hunde nehmen. Diese Methode nimmt ihnen ihren Jagdtrieb, dann verziehen sie sich. Das hat für den Rest der Tour sehr gut funktioniert.

Gefühlt wurde das Knacken in den Pedalen immer lauter. Vielleicht habe ich mich da aber auch reingesteigert? Als ich in Golubac angekommen bin, habe ich auf Nachfrage im örtlichen Lebensmittelladen die Info bekommen, dass es hier gar kein Fahrradgeschäft gab. Das war ein ganz schöner Downer, und vor dem Laden habe ich Leute gefragt, wo denn der nächste wäre. Ein Serbe hat mich dann ein paar Straßen weiter zu einem Verwandten gebracht. Der sollte Ersatzteile haben, aber er war leider nicht zu Hause. Also wieder zurück zum Dorfladen. So langsam war die halbe Dorfgemeinde auf mein Problem aufmerksam geworden, und jeder wollte mir helfen. Hier kennt jeder jeden, und schnell war eine Lösung organisiert.
Ich soll 20km zurück bis nach Veliko Gradište fahren, dort gibt es einen Gemischtwarenladen der Pedale hat. Das hat ein netter Serbe für mich organisiert, er hat dort angerufen und das letzte Paar Pedale für mich reservieren lassen. In der Menge war zufällig ein deutscher Radreisender der das Ganze mitbekommen hat, und er hat mich eingeladen, zu ihm in seine Ferienwohnung zu kommen. Es war ein deutsches Pärchen aus Tübingen, das ebenfalls den Donauradweg fuhr.
Die Tübinger haben mir noch zum Trost Flicken mitgegeben, Nachdem wir uns eine Weile unterhalten haben und dann habe ich mich im strömenden Regen auf den Weg zurück nach Veliko Gradiste gemacht. Angekommen am Store stellte ich fest, dass das eher ein Handwerkerladen war, aber im Endeffekt vollkommen egal. Er hatte genau noch ein paar Billig-Pedale aus Kunststoff da. Kauf und Montage gingen dann auch ohne Englischkenntnisse bei ihm. Dann bin ich wieder Richtung Golubac, hatte auf dem Weg natürlich noch einen Platten und zwei Hundeangriffe. Wieder angekommen in Golubac habe ich auf einem zuvor gescouteten Campspot direkt an der Donau übernachtet.

Blick von meinem Campspot, auf der linken Seite ist bereits Rumänien, das rechte Ufer noch Serbien. Ganz hinten im Bild ist die Festung von Golubac zu sehen, das ist der Anfang der Schluchtstrecke, auf die habe ich mich besonders gefreut. Leider sah die Wettervorhersage für den nächsten Tag mies aus.

Campspot kurz vor Golubac, hier hat meine Serie der Reifenpannen ein Ende gefunden. Die Ufer waren von Müll übersät, das war nicht schön anzuschauen, hat mir hier aber geholfen. Ich fand einen Kunststoffeimer, der ideal war, um meinen letzten Platten zu flicken. 7 waren es insgesamt. Ich habe meine Felgen jedes Mal genau untersucht, konnte aber keine scharfkantigen Stellen entdecken. Bis zum Schwarzen Meer war dann Ruhe.
Tag 20
Golubac bis Dobra
28 km 18 Grad

Am nächsten Morgen sah das Wetter immer noch nicht gut aus. Immerhin hat es zum Abbau nur leicht genieselt.

Trotz Landstraße war die Strecke am Eisernen Tour super angenehm zu fahren. Es waren so gut wie keine Fahrrzeuge unterwegs. Wahrscheinlich weil ich ausserhalb der Ferienzeit, und unter der Woche unterwegs war.

Die Festung von Golubac, ab hier fängt die Schluchtstrecke an, unter anderem mit den 6 berüchtigten unbeleuchteten Tunnels.

Trotz des permanenten Regens war die Strecke super zu fahren. Wenn es zu viele Niederschläge gab, dann gab es immer wieder Möglichkeiten sich unterzustellen.

An der Farbe der Donau konnte man gut erkennen, wie viele Niederschläge es in den letzten Tagen gegeben hatte. Leider war mir das andauernde Unterstellen und Regen auszusitzen zu nervig, und ich wollte diese Strecke mehr genießen und hier nicht einfach durchheizen. Nach nur 28 km habe ich mich schon am Nachmittag entschlossen, in Dobra auf einem Biwakplatz einzukehren. Das war eine gute Entscheidung, der nächste Tag sollte wieder schöner werden und ich habe auf dem Platz noch einen Radreisenden getroffen, mit dem ich den restlichen Abend verbracht habe.
Tag 21
Dobra bis Ljubičevac
125 km 16 Grad

Der nächste Morgen sah schon mal vielversprechend aus, es war zwar immer noch zugezogen und bedeutend kühler, aber es trocknete bereits. Hier habe ich mich vorbereitet für die Fahrt durch die komplett unbeleuchteten Tunnel, die zum Teil bis 600m lang sind.

Der Eingang zur Hölle. Manche Tunnel gingen sogar bergauf. Sobald Geräusche von Autos oder Lastwagen zu hören waren, bekam man Gänsehaut. Ein sehr unangenehmes Gefühl da durchzufahren. Empfehlenswert ist Vollgas und so schnell wie möglich durch. Es gibt auch eine Möglichkeit einen Teil davon zu umfahren über die alte Passstraße, die ist bestimmt auch schön, aber ich wollte direkt an der Donau entlang.

Einen Seitenstreifen sucht man hier vergebens.

Nett gemeint, aber es hat nicht wirklich funktioniert. Man drückt den Knopf und auf beiden Seiten des Tunnels sollte dann eine Anzeige signalisieren, dass sich drinnen ein Radfahrer befindet.

Auf dieser Abfahrt hatte ich eine der größten Adrenalinausschüttungen der Tour. Direkt nachdem ich dieses Foto gemacht und die Kamera eingepackt hatte, schossen ohne Ankündigung ein paar Straßenhunde von links auf die Straße, ungefähr da, wo auf dem Bild der gelbe Zaun anfing. Wenn auf der Gegenspur Autos gewesen wären, dann wären die wohl direkt überfahren worden. Krass, wie der Jagdinstinkt bei diesen Tieren anschlägt. Normalerweise hätte ich angehalten, aber ich war schnell genug und habe noch etwas Gas gegeben, um die Viecher abzuhängen. Das war einer von vielen Momenten voll Adrenalin mit den Straßenhunden auf dieser Tour.

Trotz aller Schönheit der Schluchtstrecke des Eisernen Tors: Die Donau fließt hier schon länger nicht mehr natürlich, das Kraftwerk Djerdap1 hat den Fluss auf 150 km aufgestaut. Ende der 60er Jahre wurde das Kraftwerk fertiggestellt und viele Dörfer wurden geflutet. Ebenso die einzigartige Insel Ada Kaleh. Früher gab es hier gefährliche Stromschnellen, die für die Berufsschifffahrt oft zum Verhängnis wurde. Da die Strömung damals so schnell war, gab es eine „Treidellokomotive„. Eine Zugmaschine die Schiffe vom Ufer aus gegen die Strömung hochgezogen hat. Einige von den Loks stehen anscheinend wie die Bahnlinie und Dörfer auf dem Grund des Stausees. Bei Niedrigwasser schauen die Spitzen der Bäume aus dem Wasser, die wurden zum Teil gar nicht gefällt.

Kloster Macronia, Rumänien. Trotz des schlechten Wetters ist die Strecke ein Traum . Einfach nur wunderschön.

Am Ende der Schluchtstrecke kommt dann Djerdap1, das größte Kraftwerk an der Donau. Es hat 2 Schleusenstufen und ist fast 40 m hoch. Kurz zuvor habe ich Stefan wiedergetroffen, und wir sind noch ein paar km bis Kladovo zusammen gefahren.

Serbien neigt sich dem Ende zu und die bulgarische Grenze nähert sich. Ich finde es immer wieder spannend und erfrischend, in ein neues Land einzureisen und das Gewohnte wieder ablegen zu müssen. Unterschiedliche Sprachen, Währungen, Kulturen usw. lassen die Reise wieder aufs Neue spannend werden.

Nach der wunderschönen Strecke vom eisernen Tor haben wir uns dann in Kladovo getrennt und ich habe mich so langsam auf die Suche nach einem Campspot gemacht. Ich wollte unbedingt mal wieder direkt an der Donau übernachten, und bei Ljubicevac habe ich auf der Karte einen Campingplatz gesehen, der direkt am Ufer liegen sollte.
Kurze Zeit später saß ich mit dem Besitzer des Campingplatzes auf seiner Terrasse und musste zur Begrüßung erst mal ein paar Kurze mit ihm trinken. Wie immer kam die Familie zusammen an den Tisch und es wurden viele Fragen gestellt, die ich mit Russisch halbwegs beantworten konnte. Das war eine sehr nette Runde, so viele freundliche interessierte Menschen. Irgendwann war ich dann zu müde, habe mich verabschiedet und nachdem das Zelt aufgebaut war, habe ich den Abend noch direkt am Ufer der Donau verbracht.
Tag 22
Ljubičevac bis Dobri Dol
155 km 24 Grad
ETAPPE 6 :BULGARIEN

Bregovo, mit der Brücke über den Grenzfluss Timok. Ich bin erst mal am bulgarischen Donauufer weitergefahren. Erstens wollte ich auch dieses Land kennenlernen, und anscheinend soll das südliche Donauufer landschaftlich interessanter sein als die flachere rumänische Seite. Hier gab es einige Höhenmeter zu überwinden. Schade, dass die Strecke meistens viele Kilometer vom Fluss entfernt war. Man hat wenig von der Donau gesehen. Bulgarien und Rumänien sind jetzt auch schon in der nächsten Zeitzone. Also die Uhr eine Stunde vorstellen.

Diese Brücke sah weder von oben noch von unten vertrauenswürdig aus. Trotzdem sind schwere Laster darübergefahren. Hier fehlt das Geld an allen Ecken und Enden um zu sanieren. Man spürt deutlich dass Bulgarien eines der ärmsten Länder der EU ist.

Die mittelalterliche Festung Baba Vida, direkt am Donauufer

Vidin, Blick von der Festung Baba Vida aus stromabwärts

An dieser Abzweigung habe ich mich mal wieder verfahren. Wege die einfach aufhören. Wege die in eine Schnellstraße münden.Wie schon erwähnt macht mir das nichts aus, im Gegenteil. Man lernt Leute kennen und kommt ins Gespräch beim Weg erfragen. Analog = Abenteuer. Nur nicht vergessen: Hier bedeutet Kopfschütteln Ja, und Nicken Nein.

Es gab auf dieser Strecke einige Höhenmeter und es ging zum Teil weit weg von der Donau. Ich wurde während ein paar steilen Anstiegen von bulgarischen Familien angefeuert, die mich aus ihren Gärten aus beobachtet hatten. Auch hier wieder viele freundliche Menschen. Nach einer langen Tagesetappe mit überwiegend Regen habe ich mir, nachdem ich mal wieder keine brauchbaren Campspots gefunden hatte, das erste Mal eine Unterkunft gegönnt. Direkt an der Route bin ich an einer Herberge mit dem Namen „Motel Werner Ertl“ vorbeigekommen. Hier bin ich dann eingekehrt und habe den Betreiber kennengelernt, einen Deutschen, der mit seiner Mutter, einer Bulgarin, hierhergezogen ist und dieses Motel/Restaurant betreibt. Wieder sehr nette Menschen. Morgens gab es dann ein ausgiebiges Frühstück und ein Gespräch mit der Mutter auf Russisch. Gut gestärkt und ohne Regen ging es in den nächsten Tag.
Tag 23
Dobri Dol bis Călărași
125 km 23 Grad

Überall Verfall und Lost Places ohne Ende.

България, сбогом – Bulgarien, auf Wiedersehen. Es ging jetzt geht es nach Rumänien, ich hoffte auf besseres Wetter da es die zwei Tage in Bulgarien fast geregnet hatte.

Übersetzen im strömenden Regen mit der Fähre von Orjachovo nach Bechet/Rumänien. Die war ganz schön groß, 30 Laster waren mit dabei. Wenn man die Fähre sieht, glaubt man erst mal nicht, dass das funktioniert. Die Lotsen haben mit den Lastern Tetris gespielt und dann hat alles gepasst. Während der Wartezeit habe ich mich mit einem Fährmann unterhalten, der war total begeistert dass ich nach Sulina fahren will. Er fährt jedes Jahr mit seiner Familie ins Donaudelta und hat davon geschwärmt. Vor den Mücken sollte ich mich jedoch in Acht nehmen.

Wenn man mal wieder AUF der Donau ist, wird einem bewusst, was für ein gigantischer Strom sie geworden ist. Hier einen Kilometer breit.
ETAPPE 7 : RUMÄNIEN

Und finally im letzten Land meiner Reise, Nr. 8 …

Ein Casino in Calarasi, Mein erster Schlafplatz in Rumänien, es hat gleich mal verrückt angefangen.
Tag 24
Călărași bis Năvodari
99 km 31 Grad

Dani aus Călărași, mein Lieblingsrumäne. Geldwechsler & Casinobetreiber. Erst misstraute ich ihm, da ich dachte, er will mich mit falschem Wechselkurs abzocken, aber das war total unbegründet. Meine Rumänischkentnisse waren einfach nicht ausreichend genug und er sprach kein Wort Englisch. Nachdem wir die Sache geklärt hatten, habe ich nach guten Campspots gefragt und er hat mich aus der Wechselstube zum Nebengebäude geführt, ein noch nicht ganz eingerichtetes Casino. Ich habe erst mal nicht verstanden was er mir zeigen will. Er hat mir dann klargemacht, dass ich da drin übernachten soll.
Danach hat er mich mit seinem BMW SUV durch die Stadt gefahren und mich zum Essen eingeladen. Die Kommunikation hat seine Tochter per Videoanruf aus den Niederlanden für uns übernommen. Am nächsten Morgen hat er mich beim Abschied noch eine kurze Zeit mit seinem E-Bike begleitet auf dass er sichtlich stolz war. Kein Wunder, ich habe auf meiner gesamten Strecke in Rumänien auch kein anderes gesehen. Auf jeden Fall immer wieder spannend wie man solche interessanten Begegnungen auch ohne Sprachkentnisse mach kann.Super Typ. Danke dir, Dani für deine Gastfreunschaft.

Auch hier ist viel Verfall und Armut zu sehen. Ich kann aber nichts Negatives zu den rumänischen Straßen sagen, im Gegenteil. Die waren wirklich fast die besten der Tour. Hier sind die Gelder der EU gut angekommen. Besonders in der Dobrudscha, vor dem Delta, waren die Straßen fast alle neu asphaltiert.

Mittlerweile waren die Temparaturen täglich um die 30 Grad und je weiter ich Richtung Delta kam desto heißer wurde es.

Bei Corabia habe ich an einer Tankstelle gestoppt, um meinen Wasservorrat aufzufüllen. Ich habe einen Wasserhahn gesehen der gerade zur Bewässerung benutzt wurde. Der nette Tankstellenbesitzer hat mich dann auf ein Bier eingeladen. Innerhalb kürzester Zeit waren Nachbarn und Freunde am Start, und mir wurden Fragen ohne Ende gestellt. Mein Rumänisch war dann relativ schnell am Ende um eine brauchbare Konversation zu führen.
Die wollten mich aber nicht gehen lassen und aus einem Bier wurden 3, als ich dann definitiv loswollte, meinten sie, ich soll noch kurz warten und einer der Jungs kam dann mit dem Auto wieder und hat mir eine riesige Tüte mit mehreren Kilo Tomaten (Roșii) in die Hand gedrückt. Mulțumesc mult. Die nächsten Tage gab es dann öfters Tomatensalat, das konnte ich aber nach ein paar Tagen nicht mehr sehen, und mir war das auch zu viel Gewicht. Habe den Rest dann einem Romakind weitergegeben.

Olt, ein sehr schöner Nebenfluss aus den Karpaten, kurz vor der Mündung in die Donau. Die 3 Bier und 35 Grad haben mir zu schaffen gemacht, und ich bin ein paar Stunden hier geblieben und habe mich abgekühlt.

Der Olt ist der längste rumänische Nebenfluss der Donau. Er enspringt in den Ostkarpaten und schlängelt sich ziemlich gerade nach Süden bis er bei Turnu Magurele in die Donau mündet.
Der restliche Tag verlief eher zäh und bei Navodari hatte ich keine Power mehr, ich brauchte einen Campspot.

Meine Übernachtung am nächsten Abend war komplett das Gegenteil. Nachdem ich einen Schäfer gefragt habe, ob ich auf seiner Weide mein Zelt aufbauen darf, hat er mich eingeladen, in seiner Hütte zu übernachten. Ich habe ihn erst nicht verstanden und seine modernen Hirtensöhne haben mir dann mit Google Translate verständlich gemacht, dass ich ihm folgen soll. In dem Shelter auf dem Foto hat mir die Frau von ihm dann das Bett gemacht. Alles ganz schön heruntergekommen. Mir war das Bett nicht geheuer, aber ich konnte natürlich nicht mehr ablehnen.
Der ältere Sohn kam auch noch auf ein Gespräch vorbei, jedoch ohne Smartphone und Google Translate. Die Unterhaltung kam dann aber schnell ins Stocken, da mein Rumänisch nur rudimentäre Basics beinhaltet. Hier wurde mir bewusst: Sprachen sind der Key. Hier spricht einfach so gut wie niemand Englisch. Ich habe mir fest vorgenommen, für zukünftige Touren mehr und intensiver Sprachen zu lernen. Morgens wurde mir dann noch ein Kaffee in die Hütte gebracht. Mulțumesc mult. Danke, Ioan und deiner Familie!

Tag 25
Năvodari bis Oltenița
185 km 29 Grad

Puh, ich war an diesem Morgen so extrem verstochen wie noch nie. Das Zelt mit dem Moskitonetz wäre mir lieber gewesen. Ich hatte schon gestern geahnt dass in dem Bett nicht so oft übernachtet wird und die Bettwäsche auch nicht die frischeste war. Genau so was ist ein idealer Brutplatz für Bettwanzen. Insgesamt hatte ich um die 50 Stiche an den Beinen. Wahrscheinlich eine Mischung aus Stechmücken und Bettwanzen. Stechmücken sind ein Thema für sich. Wer nicht viel im Sommer an Gewässern, vor allem bei abfließendem Hochwasser unterwegs ist, kennt das wahrscheinlich nicht und kann sich das kaum vorstellen.
Sobald die Dämmerung kommt, tauchen plötzlich Millionen von den Viechern auf, manchmal auch schon Nachmittags, wenn Schatten in der Nähe ist und sie hungrig sind. Ich bin viel mit dem Kajak unterwegs und Campieren am Flussufer gewohnt, dadurch dementsprechend abgehärtet. Meine empfohlene Vorgehensweise: Sobald ein brauchbarer Camp Spot gefunden ist, sich sofort komplett ausziehen, AUTAN o.ä. auftragen, wieder anziehen. Je nach Temperatur lange Hose und Longsleeve oder kurz wenn man mutig ist. Dann kann man entspannt Zelt aufbauen und Essen machen. Die Stechmücken bleiben zwar, nähern sich aber auf höchstens 50cm.
Ich will hier aber keine falsche Hoffnungen machen. Gestochen wird man immer, auch mit Schutzmittel. Nach einer gewissen Zeit schließt man Frieden mit diesen Tieren. Wenn möglich, dann ist ein Feuer mit ordentlich Rauch auch eine gute Option. Man sollte sich die schönen Momente am Camp dadurch nicht vermiesen lassen, ich kann mir auf jeden Fall nicht vorstellen deswegen die Zeit Abends am Fluss im Zelt zu verbringen.

Achtung Pferdefuhrwerke

Eine klassische rumänisch-orthodoxe Kirche. Ich erinnere mich noch gut an diesen Ort. Ein typisch rumänisches Dorf: Alle Häuser waren an die Straße gebaut, es gab keinen Gehweg. Wie üblich war nicht viel los in der Mittagshitze. Ich hörte ein Geräusch, das von hinten immer lauter wurde, und plötzlich raste im Dorf ein Motorrad mit geschätzt 80–100 km/h an mir vorbei. Zeitgleich bin ich an einem Polizeiwagen vorbeigefahren. Die Polizisten saßen im Wagen, haben dem Motorrad hinterhergeschaut, aber hatten wohl keinen Bock ihre Vesperpause zu unterbrechen. So etwas wäre in Deutschland unvorstellbar, der Motorradfahrer hätte gleich mal seinen Schein abgeben können, zu Recht. Hier ticken die Leute einfach anders.

Wurstauswahl im rumänischen Supermarkt. Ich habe mich gegen Sissi entschieden. Rumänien hat trotz der hohen Armut und geringen Löhnen fast die gleichen Lebensmittelpreise wie bei uns. Sehr viele Menschen bauen selber Gemüse und Früchte an, um über die Runden zu kommen.

Măgar/Esel, hier stehen so manche Tiere einfach auf der Straße rum. Ganz zu schweigen von den wilden Straßenhunden …

Hier noch ein großes Dankeschön an Robert Dragomir, der mich einfach spontan eingeladen hat, bei sich zu übernachten. Ziemlich erschöpft nach der längsten Tagesetappe von 185 km hatte ich das Zeitgefühl verloren, und es war schon fast dunkel. Bei der Campspot Suche habe ich keinen Zugang zur Donau gefunden und war dann auf der Suche nach einer Unterkunft, aber alles war zu oder belegt. Auf Nachfrage von mir in einem Café in Oltenița nach Locations hat er mich erst mal zu sich an den Tisch eingeladen und dann zu sich nach Hause.
Für alle wohlstandsverwahrlosten Westeuropäer (inklusive mir): Robert ist ein vom rumänischen Staat angestellter Englischlehrer und verdient so wenig, dass er kaum über die Runden kommt. Er hat nicht darüber gesprochen, aber bei ihm zu Hause habe ich gemerkt, dass an allen Ecken und Enden extrem gespart wurde. Am Tag danach habe ich noch eine Weile darüber sinniert, wie es im Vergleich zu ihm, einem staatlichen Lehrer in Deutschland, geht. Der Grundtenor und das Rumgeheule in Deutschland über unsere angeblich so schlechten Zustände sind schon jämmerlich. Danke, Robert, für deine Gastfreundschaft. Mulțumesc mult.
Tag 26
Oltenița bis Ostrov
109 km 30 Grad

Die letzte Fährfahrt, zum südlichen Ufer nach Silistra, jetzt geht es in die Dobrudscha

Sieht gar nicht so schlimm aus, aber das sollte das heftigste Unwetter der ganzen Tour werden

Unter diesem Shelter direkt an der Straße habe ich die erste schwere Phase des Gewitters verbracht. Leider war das Dach nicht dicht und es war nur ein mäßiger Schutz. Es hat wie irre geregnet. Auf der anderen Seite der Straße ist ein Teil der Böschung abgebrochen und hat sich auf dem Asphalt verteilt. In einer kurzen Regenpause bin ich schnell weiter zur nächsten Siedlung, Ostrov, um mir einen besseren Platz zum unterstellen zu suchen.

Ostrov. In dieser ehemaligen Bushaltestelle verbrachte ich einige Stunden, während des heftigsten Gewitters der gesamten Tour. Es hat geregnet wie beim Weltuntergang, und das Wasser ist bis in den Eingang hereingelaufen. Dann wurde es dunkel und ich habe gleich drinnen mein Zelt aufgeschlagen. Mir war nicht ganz so wohl bei der Sache, weil das mitten im Ort war und der Shelter wohl eher als Toilette und Müllhalde gesehen wurde. Später ist es noch richtig laut geworden, da ein paar Häuser entfernt Action in der Dorfdisco angesagt war. Definitiv der übelste Schlafplatz der Reise.
Tag 27
Ostrov bis Hârșova
135 km 26 Grad

Abzweigung von Ion Corvin in Richtung Cernavoda. Das war eine üble Schotterpiste, hier endete die perfekt asphaltierte rumänische Straße. Es wurde ein neuer Abschnitt gebaut. Ab hier Schotter für 20 km und zum Teil mit ordentlicher Steigung. Das Besondere an dieser Strecke: Hier trat das Phänomen der rastlosen țânțari (Stechmücken) auf. Die Biester fallen am helllichten Tag über dich her, wenn dein Schnitt unter 15 km/h liegt. Unglaublich, und habe ich bisher noch nie erlebt.

Das Must-have-Zubehör für den Radreisenden, vor allem in Ländern mit temperamentvollen Autofahrern: Der Rückspiegel
Wirkt klein, reicht aber absolut aus. Die Straßen waren in manchen Ländern so schlecht, dass volle Konzentration beim Fahren gefragt war. Beide Hände an den Lenker, um Schlaglöcher auszugleichen, und der Rückspiegel war sehr vorteilhaft um sich auf die von hinten anfahrenden Fahrzeuge und bevorstehende Nahtoderlebnisse vorzubereiten.
Ohne böses Blut aber hier fahren einige Leute wie die Gestörten. Ebenso sind viele LKW-Fahrer nicht so rücksichtsvoll beim Überholen und fahren manchmal nur 30 cm an dir vorbei. Der Sog dabei ist enorm und stellenweise zieht’s dich direkt nach dem Überholvorgang nach links auf die Straße. Für die Menschen in diesen Ländern ist es einfach sehr ungewöhnlich und unverständlich das Radfahrer auf den Straßen sind. Hier fährt so gut wie niemand Rad. Nur in Rumänien habe ich vereinzelt Radfahrer gesehen. Meistens waren es ältere Männer mit verrosteten 1-Gang Fahrräder auf dem Weg nach Hause vom Einkauf.

Traumhafte Straßen durch die Dobrudscha und wunderschöne Landschaften


Brücke über den Donau-Schwarzmeer Kanal bei Cernavoda

Blick auf die Donau, im Vordergrund der Donau-Schwarzmeer-Kanal. Er verkürzt die Strecke für Schiffe um 270 km und war ein Prestigeobjekt der kommunistischen Diktatur. Häftlinge aus Zwangsarbeitslagern haben den Kanal gebaut und Tausende sind dabei umgekommen.

Capidava, eine antike dakisch-römische Festungsstadt, direkt an der Donau gelegen.

Hârșova, traumhafter Campspot, einsam und direkt am Ufer. Nach der üblichen Routine: Camspot checken – AUTAN – Zelt – Kochen, habe ich mich schlafen gelegt. Zum Einschlafen gab es meine bevorzugte Tourlektüre „Regensburg am Schwarzen Meer“ von Daniel Weißbrodt. Ein Muss für alle Donaureisenden, egal ob mit dem Rad oder Kajak. Etwas später bin ich dann von Knurren aufgewacht. Schnell wurde mir klar, dass ich belagert war, von allen Seiten her hat es geknurrt. Dann wurde mir bewusst, dass ich meinen Campspot im Revier von Straßenhunden aufgeschlagen habe.
Aggressives Knurren und Bellen bei jedem Rascheln oder Bewegungen des Schlafsacks . Geschätzt so um die fünf Hunde. An das Zelt verlassen war nicht zu denken. Ein mulmiges Gefühl, mit dem Bewusstsein, dass zwischen der Meute und dir nur die 1 mm dicke Zeltwand ist. Ich bin dann aber ruhig geblieben, da ich an der Situation eh nichts ändern konnte und wusste, dass die Hunde, wenn ich mich still verhalte, nicht das Zelt einreißen werden. Ich habe mir Kopfhörer aufgesetzt und mich lautlos hingelegt. Einschlafen war dann auch mit den Hunden kein Problem, da die Erschöpfung von täglich bis zu 12 Stunden Rad fahren groß war.
Tag 28
Hârșova bis Izvoarele
98 km 30 Grad

Am nächsten Morgen war alles still und friedlich wie am Abend zuvor. Keine Hunde weit und breit.

Das Erlebnis in der Nacht zuvor mit den Hunden hat mich gestärkt. Ich fühlte mich abgebrüht und kein Hund konnte mir jetzt Angst machen. Lustigerweise hatte ich die ganze restliche Reise keinen einzigen Hundeangriff mehr. Die Attacken der letzten Woche haben mich aber sehr zum Nachdenken angeregt und ich habe mich etwas mit dem Thema beschäftigt. Mich hat der Gedanke nicht losgelassen, warum das überhaupt so ist, und habe folgenden Artikel einer Tierärztin aus Rumänien gefunden, der das wohl am besten beschreibt: Rumänien – Strassenhunde

Fleckennatter, bestimmt einen Meter lang. Sieht lebendig aus, war sie aber leider nicht. Sie hat bestimmt einen Hitzeschlag bekommen, so wie ich etwas später.

Traian voraus. Im Land tauchen immer wieder Spuren römischer Kultur auf. Für mich als Sprachinteressierten ist Rumänien besonders spannend. Umgeben von slawischen Sprachen ist hier eine Sprachinsel entstanden. Nach Kriegen mit den Dakern haben sich die Römer hier eine Zeit lang niedergelassen und die Sprache ist geblieben. Die rumänische Sprache gilt als eine der archaischsten romanischen Sprachen, hat ca 50% lateinischen Ursprung, 20% slawischen Wortschatz und ungarische Einflüsse.

An diesen Moment kann ich mich noch sehr gut erinnern. Ich war körperlich am Ende. Es ging nichts mehr, ich hielt schnell an und habe mich in den Schatten unter einem Baum gesetzt. Ein neugieriger Streuner hat sich dann zu mir gesellt. Habe mir dann eine Unterkunft in Izvoarele genommen und einen halben Pausentag gegönnt, Schatten und Ruhe. Die täglichen Etappen von 100 bis 150 km bei 30-35 Grad haben mir in letzter Zeit wohl zu schaffen gemacht.

Tag 29
Izvoarele bis Sulina
35 km Rad + 75 km Schiff 30 Grad

Ein letztes Gewitter zog auf, der Wind hat es aber Richtung Schwarzes Meer vor mich her getrieben.


Die letzten km mit dem Rad…
ETAPPE 7 : RUMÄNIEN – DONAUDELTA

In Tulcea habe ich mir dann das Ticket für die Fahrt ins Delta organisiert. Das war einfach und günstig. Ca. 12 € inkl. Fahrrad. Knapp 3 Stunden hat die Fahrt gedauert und es war eine gemütliche Abwechslung mal wieder gefahren zu werden.

Links geht es in den Sulina Arm, geradeaus ist der südlichere Sfântu Gheorghe Arm. Der Hauptarm mit dem meisten Wasser, der Kilja-Arm fließt nördlich, in der Ukraine, ins Schwarze Meer. Aufgrund des Krieges war es leider nicht möglich diese Route zu fahren.

Hochseeschiffe sind schon eine andere Hausnummer als die üblichen Frachter und Passagierschiffe auf der Donau . Der Sulina Arm ist nur etwas mehr als hundert Meter Breit. Da wirken diese Schiffe noch größer

Die linke Uferseite von Sulina ist verwahrlost und so gut wie unbewohnt. Sulina leidet unter massiver Abwanderung und hoher Arbeitslosigkeit, aktuell leben noch 3500 Menschen hier.


In Sulina angekommen hat mich erst mal ein Local abgefangen, er war sehr aufdringlich und wollte mir unbedingt eine Unterkunft vermitteln. Ich hatte aber den Kopf nicht frei, und mir war völlig gleichgültig wo ich übernachte. Ich hatte nur eins im Kopf: Sofort ans Schwarze Meer. Die Vorfreude war riesig.

Geparkte Hochseeschiffe im Hafen von Sulina


Freilebende Rinder direkt an der Küste. Das war schön anzuschauen, hat aber die Campspotsuche erschwert, man möchte ja nicht unbedingt dass so eine Herde einem das Zelt einrennt.

Die Geschichte der Wildpferde im Donaudelta begann im Jahre 1989 mit der rumänischen Revolution und dem Zerfall der sozialistischen Landwirtschaft. Als die Kolchosen schlossen, nahmen Dorfbewohner einige Pferde auf, andere wurden auf den nah gelegenen Wiesen freigelassen. Dadurch gibt es heute eine Menge frei lebender Pferde und auch Rinder. Besonders die Pferde sind offenbar ein Problem für die Umwelt des Deltas geworden.

Im Horizont erkennbar ist der neue Leuchtturm, die Donau hat mittlerweile so viel Sediment angeschwemmt, dass die Mündung sich stetig ins Schwarze Meer verschiebt. Die Grenze der Ukraine ist direkt dahinter. Ca 4km

Angekommen. Schwierig das in Worte zu fassen. Ein unglaubliches Gefühl diese Strecke mit der eigenen Körperkraft zurückgelegt zu haben. Direkt hier am Strand habe ich dann zwei Tage verbracht, meinem Körper Ruhe gegönnt, gebadet und mir Sulina angeschaut. Ich habe noch einen Versuch unternommen nach Sfanthu George zu fahren, der Mündung des südlichen Donauarms, aber das habe ich schnell aufgegeben. Mit Mountainbike und ohne Gepäck geht das sicher. Es gibt hier ja keine Straßen, nur Pfade mit grobem Schotter.
Ich möchte mich bedanken bei:
Meiner Gesundheit
Meiner toleranten Familie die so lange ohne mich auskommen musste
Flo, der beste Arbeitskollege den man haben kann
Meinem Fahrrad das trotz der Pannen mich gut ans Ziel gebracht hat.
Goran und seine Nachbarn aus Dubovac
Die Menschen aus Golubac für die Hilfe und Unterstützung
Dani aus Călărași
Ioan, der Schäfer und seine Familie aus Năvodari
Robert Dragomir aus Oltenița
Alina von Atlassib dafür das sie die Busfahrer überredet hat mein Fahrrad auf der Rückreise mitzunehmen
Nach der Tour ist vor der Tour
La revedere
FAZIT
und ein paar Tipps zum selber fahren:
Ich kann jedem sehr empfehlen wenigstens einmal im Leben so eine Tour zu machen. Speziell der Donauradweg ist dafür sehr zu empfehlen, da er verhältnismäßig einfach ist. So eine Reise ist ein unvergessliches Erlebnis, und wird einem lange in Erinnerung bleiben. Kein Strandurlaub auf der Welt kann da mithalten. Nur noch mit dem Kajak AUF dem Fluss kann das toppen.
Kosten: Ich habe für die Reise inklusive der Rückfahrt mit dem Bus 550€ ausgegeben. Siehe da: Man braucht nicht viel Geld für eine Dosis Abenteuer. Das hat locker gereicht für Lebensmittel, Fährtickets, 2 x Unterkunft usw… Gespart habe ich nicht. Bezahlen kann man fast in allen Ländern ohne Probleme mit unseren Debitkarten, in ländlichen Gegenden sollte man das passende Bargeld dabeihaben. Außerhalb der EU, in Serbien, sollte man nach Einreise Geld wechseln, generell wie bei anderen nicht EU Ländern am besten nicht direkt an der Grenze sondern weiter im Inland, da gibt’s einen besseren Wechselkurs.
Wenn man keinen speziellen Tarif hat sollte man Telefonieren und Internet in Serbien vermeiden, das ist ein teurer Spaß. Da ich aber nicht auf Internet und Navigation angewiesen war, stellte das kein großes Problem für mich dar. WLAN gab es in fast allen Supermärkten, Cafés und Tankstellen, das hat ausgereicht.
Übernachten: 22x war ich wildcampen ,4 x bin ich eingeladen worden und 2x habe ich eine Unterkunft genommen.
Ich habe generell nichts gegen Campingplätze, finde es aber einfach nur stressig die Route danach zu richten, man wird unflexibel und ist gebunden an Orte und Zeiten. Abgesehen davon kann ich mir nichts Schöneres vorstellen als direkt am Donauufer zu campieren, und am Abend gemütlich den Schiffen zuzuschauen.
Strecke: Die Donau hat eine Fließlänge von 2811km aber man fährt natürlich nicht auf, sondern neben dem Fluss. Dadurch bin ich auf die Strecke von 3200 km gekommen. Durchschnittliche Tagestappe ca 125 km.
Zeit: Die Reise ist gut in einem Monat machbar. Ich hatte mir 30 Tage + 3 Tage Puffer freigenommen, ich habe 28 Tage ohne Hektik dafür gebraucht. Wer allerdings Städte Sightseeing machen will der sollte sich mehr Zeit einplanen. Ich bin Ende Mai bis Ende Juni gefahren. Dieser Zeitraum ist sehr zu empfehlen, da es noch nicht ganz so heiß ist wie im Juli/August, und vor allem wird es spät dunkel, man kann lange Tagesetappen fahren, und hat noch genug Zeit um schöne Campspots zu finden.
Navigation: Wie schon erwähnt fahre ich analog, ausschliesslich mit gedruckten Karten, um das authentische „Reiseerlebnis“zu haben. Navigiert habe ich mit einem Set der Landkarten Donau Radweg ab Budapest, bestehend aus 8 Einzelkarten, beidseitig bedruckt und detailliert. Man kann sich aber nicht auf alle Infos verlassen. Zum Beispiel stehen da Radläden drinnen, die gar nicht mehr existieren. Zusätzlich noch eine rumänische Karte des Deltas. Bis Budapest ist es eigentlich unmöglich sich zu verfahren, für diesen Abschnitt braucht man keine Karten.
Kommunikation: Empfehlswert ist es eine slawische Sprache zu können oder zumindest die Basics zu beherrschen. Englisch wird fast nur von jungen Leuten gesprochen, und auch da nur lückenhaft und meist in den Städten. Rumänisch ist dem Italienischen und dem spanischen ähnlich, wer eine romanische Sprache beherrscht hat hier natürlich deutlich Vorteile. Bis Ende Ungarn trifft man vereinzelt noch Menschen die Deutsch sprechen.
Generell ist es eine Geste der Höflichkeit zu versuchen in der lokalen Sprache des jeweiligen Landes zu kommunizieren. Die Menschen vor Ort werden erstaunt sein, und sich freuen dass ein Ausländer versucht ihre Sprache zu sprechen. Das ist kein Hexenwerk, die Basics sind schnell erlernt. Einfach ein paar kleine leichte Sprachbücher, z.B. vom Kauderwelsch Verlag der jeweiligen Länder mitnehmen. Das kann auch behilflich sein: Ohnewörterbuch
Hunde & Stechmücken: Ab Serbien braucht man schon gute Nerven, da plötzlich hervorspringene agressive Straßen-oder Hofhunde überall lauern können. Ein Pfefferspray für das Sicherheitsgefühl kann nützlich sein, braucht man aber nicht zwingend. Von Reiseberichten anderer Donauradler vorbelastet, habe ich sogar mit dem Gedanken gespielt mich davor auf Tollwut impfen zu lassen, habe mich aber doch dagegen entschieden. Auf der Tour habe ich gelernt dass da viel übertrieben wird, oder es war einfach falsches Verhalten was ich gelesen oder gesehen habe. Auf keinen Fall versuchen den Hunden zu entkommen, sondern:
Sobald die Meute aggressiv kläffend auf einen zugerast kommt, stoppen, vom Rad absteigen, weiterschieben und wenn möglich das Rad zwischen sich und die Hunde nehmen. Die ersten Male war ich erstaunt, wie plötzlich sich das Verhalten ändert. Sie bellen zwar immer noch agressiv, aber sie versuchen einen nicht mehr direkt zu schnappen. Man nimmt ihnen ihren Jagdtrieb. Meistens schon nach 50 bis 100m ziehen sie sich wieder zurück, je nach Reviergröße. Das hat für den Rest der Tour sehr gut funktioniert. Wie auch immer, man sollte sich von manchen Horrorstories nicht abschrecken lassen. Serbien, Bulgarien und Rumänien, die Länder mit den meisten Straßenhunden, sind wunderschön, die Menschen sehr freundlich und hilfsbereit, auf jeden Fall immer eine Reise wert.
Stechmücken sind ein Thema für sich. Wer nicht viel im Sommer an Gewässern, vor allem bei abfließendem Hochwasser unterwegs ist, kennt das wahrscheinlich nicht und kann sich das kaum vorstellen. Sobald die Dämmerung kommt, tauchen plötzlich Millionen von den Viechern auf, manchmal auch schon Nachmittags, wenn Schatten in der Nähe ist und sie hungrig sind.
Ich bin viel mit dem Kajak unterwegs und Campieren am Flussufer gewohnt, dadurch dementsprechend abgehärtet.
Empfohlene Vorgehensweise: Sobald ein brauchbarer Camp Spot gefunden ist, sich sofort komplett ausziehen, AUTAN o.ä. auftragen, wieder anziehen. Je nach Temperatur lange Hose und Longsleeve oder kurz wenn man mutig ist. Dann kann man entspannt Zelt aufbauen und Essen machen. Die Stechmücken bleiben zwar, nähern sich aber auf höchstens 50cm. Ich will hier aber keine falsche Hoffnungen machen. Gestochen wird man immer, auch mit Schutzmittel. Nach einer gewissen Zeit schließt man Frieden mit diesen Tieren.
Wenn möglich, dann ist ein Feuer mit ordentlich Rauch auch eine gute Option. Man sollte sich die schönen Momente am Camp dadurch nicht vermiesen lassen, ich kann mir auf jeden Fall nicht vorstellen deswegen die Zeit Abends am Fluss im Zelt zu verbringen.
Hygiene: Die Donau und ein Stück biologisch abbaubare Kernseife haben mir gereicht für Kleiderwäsche und Körperhygiene. Für die Toilette empfehle ich eine kleine Schaufel. Zum Kochen und Zähne putzen sollte man abends vor Campsuche aber immer noch ein Backup an Wasser haben. Man braucht keine Angst vor dem Baden in der Donau zu haben, sie ist nicht schmutziger als andere Flüsse.
In meiner Kindheit war an Schwimmen in Rhein oder Donau nicht zu denken. Mittlerweile ist das wieder absolut ok. Flüsse haben eine selbstreinigende Funktion und trotz der Industrieanlagen und Landwirtschaft sind sie in den letzten 40 Jahren bedeutend sauberer geworden. Den großen Beitrag dazu hat das aufkommende Bewusstsein für die Umwelt durch die grüne Bewegung in vielen Ländern geleistet. Gesetze und Vorschriften wurden geändert und umgesetzt, um die Flüsse sauberer zu machen.
Wasserversorgung: Ich kaufe ungerne und nur im Notfall Wasser in Plastikflaschen. Glas ist mir zu schwer. Ich hatte 2 Trinkflaschen a 0,6l für die Lenkradhalterung dabei, und eine Filterflasche Grayl Ultrapress 0,5l um mir Wasser in den südöstlichen Ländern zu filtern. Die passt auch perfekt in die Trinkflaschenhalterung unter die Rahmentasche. Nach ein paar mal filtern war mir das dann aber zu umständlich, und ich habe das Wasser direkt aus dem Hahn genommen. Ich hatte keine Probleme damit, auch nicht auf dem Land.
Möchte das aber nicht verallgemeinern, das trifft ja nicht auf jeden zu, generell kann es nicht schaden so eine Flasche dabeizuhaben. Insgesamt gab es genug Möglichkeiten auf dem Weg um an Wasser ranzukommen: Friedhöfe, Tankstellen, öffentliche Toiletten und wenns mal sein muss, einfach mal Leute vor ihren Häusern ansprechen, ich habe niemanden getroffen der einem Wasser verweigert hat.
Apotheke: Schmerztabletten, mittel und stark, Kohletabletten für evtl. Durchfall, Jodtropfen gegen Bakterien für evtl. Wunden und natürlich Erste Hilfe Set mit Rettungsdecke sollte man schon dabeihaben. Zusätzlich habe ich auf all meinen Touren immer eine Kopie all meiner Karten und Ausweise, sowie Blutgruppe und Notfallnummern auf einem laminierten DINA4 Blatt dabei. Man weiß ja nie. Ach ja, Auslandskrankenversicherung für nicht EU Länder kann nicht schaden.
Kochen: Ein Hobo mit Spirituskocher und insgesamt 1 1/2 Flaschen Spiritus haben gereicht, um täglich ein paar Tassen Kaffee und das Abendessen zuzubereiten. Das ist relativ sauber und rußfrei, hat aber den Nachteil dass man die Flamme nicht regulieren kann. Würde ich bei der nächsten großen Tour wahrscheinlich nicht mehr mitnehmen und dafür auf Gas wechseln. Gegessen habe ich meist Fertiggerichte oder etwas das einfach und schnell zuzubereiten war.
Equipment/Fahrrad: Gefahren bin ich mit einem 12 Jahre alten Gravel/Crossbike von Focus, umgebaut/optimiert als Reiserad. 40mm Gravel Bereifung, Schwalbe G-ONE Allround Reifen, schnell auf Asphalt aber auch auf mittelgroben Schotterwegen eine super Sache. Ich hatte Campagnolo Rennfelgen mit Messerspeichen montiert, absolut nicht zu empfehlen für so eine lange Tour mit zum Teil schlechten Straßen, das habe ich gelernt.
Bei der nächsten Tour werde ich auf Felgen mit Standard Speichen wechseln die leicht und unkompliziert zu wechseln sind. Generell wenn es möglich ist Technik am Rad verwenden die überall leicht ausgetauscht und repariert werden kann. Das ist natürlich jedem selbst überlassen, aber für mich ist es wichtig so autark wie möglich zu sein, und Werkzeuge und Ersatzteile für fast alle Fälle dabei zu haben. Das waren inklusive der Schläuche und Luftpumpe ca 1-1,5 KG, gelagert mittig in der Rahmentasche.
Transportysteme am Fahrrad: Frontroller von Topeak für den Schlafsack
Gabeltaschen für Isomatte, Kopfkissen, Zelt und Küche (Hobo, Topfsystem & Spiritusbrenner )
Wasserdichte Ortlieb Backroller Taschen hinten für Kleidung, Spiritusflasche, Lebensmittel und den Rest
Rahmentasche für Technik, Powerbank , Geldbeutel, Dokumente, Werkzeug
Kleine Satteltasche mit Hygiene, Tabletten, Erstehilfeset usw. Generell ist es eine gute Sache wenn alle Taschen wasserdicht sind. Waren sie auf meiner Tour leider nicht. Während Regen ist die Rahmentasche oft sehr feucht gewesen weil sie nur wasserabweisend war, ebenso wie die Gabeltaschen. Wieder gelernt für die nächste Tour. ALLES muss vollständig wasserdicht sein.
Kleidung: Eine Regenjacke, vor allem zu dieser Jahreszeit ist sehr empfehlenswert, Regenhose nicht unbedingt bei der hohen Temperatur, die Hose habe ich nicht gebraucht, wenn es richtig regnet dann wird eh alles nass. Habe sie einem Fischer in Serbien geschenkt. Habe meine Kleidung während der Reise Schritt für Schritt auf das Minimum reduziert:
Zum Ende der Tour hatte ich noch:
1 Regenjacke, 1 Radlerhose gepolstert, eine kurze Hose, 2 Unterhosen, 2 T-Shirts, 1 Tank Top, 1 superleichte Windjacke und ein schnelltrocknendes Handtuch. Der Hype von Ultra Light ist nicht ganz verkehrt, das Radfahren mit wenig Gepäck macht einfach mehr Spaß.
Stromversorgung: Anker Solarpanel, meins war schon älter mit 21W, hat aber ausgereicht. Das ist auf jeden Fall Must-have, außer man schläft täglich in Unterkünften zum Aufladen. Trotz einiger Regenphasen hat das Solarpanel die Powerbank immer gut geladen. Hatte dadurch nie Probleme mit Stromversorgung. Selbst wenn man das Telefon kaum zur Kommunikation benutzt, zieht das viele Fotografieren doch relativ schnell den Akku leer.
Rückreise: geht einfach mit Flixbus oder mit einer der rumänischen Busgesellschaften ab Constanza/Bukarest . Man sollte den Fahrradtransport aber nicht ausser acht lassen. Das kann bei den rumänischen Busgesellschaften Probleme mit den Fahrern geben. Mir wurde von der Agentur versichert dass der Radtransport natürlich kein Problem sei, aber die Busfahrer haben trotzdem voll den Aufstand gemacht.
Sie haben sich erst geweigert mein Fahrrad mitzunehmen, obwohl ich ihnen erklärt habe dass ich es sehr klein zerlegen kann. Ich hatte mir prophylaktisch schon mal die Nummer der Agenturfrau eingespeichert, die hat dann per Telefon den Fahrer überredet, und es ging dann doch. Per Zug ist die Rückreise natürlich auch von Tulcea aus möglich, aber das braucht länger, bzw muss man öfters umsteigen. Die Busfahrt nach Stuttgart zurück hat knapp 2 Tage gedauert und war nochmal ein Abenteuer für sich…


