Abenteuer Donau: 1400 km mit dem Faltboot Teil 1

48 Minuten

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Die Komplettbefahrung der Donau mit dem Faltboot ist mittlerweile mein absolutes Leidenschaftsprojekt geworden, aber wie kam es dazu? Nachdem ich den Donauradweg von Quelle bis Mündung geradelt bin habe ich gemerkt: „Donau macht süchtig“. Die Radreise war spannend und aufregend, lange Strecken bin ich aber weit ab vom Fluss gefahren und mir hat oft die Nähe gefehlt. Ich wollte unbedingt mehr Fluss erleben und vor allem das Delta. Die ideale Art, einen Fluss intensiv kennenzulernen, ist natürlich auf dem Wasser. Der Einklang mit der Natur, die Stille und Abgeschiedenheit und die Verbindung mit den Elementen sind unvergleichlich. Wer schon einmal eine Expedition mit dem Kajak gemacht hat, weiß, wovon ich spreche.

Ich bin die gesamte Strecke über einen Zeitraum von mehreren Jahren gefahren, habe beim ersten Mal aber den deutschen Teil nicht wirklich dokumentiert. Deshalb bin ich ihn ein zweites Mal gefahren, der Vollständigkeit halber. Obwohl die Zeiträume unterschiedlich sind, ist der Artikel natürlich in der richtigen Reihenfolge, der Sinnhaftigkeit wegen. Manche Strecken sind umfangreich und manche weniger umfangreich dokumentiert. So wie es meine freie Zeit und mein Gesundheitszustand zulässt, geht die Reise weiter …

Die Donau entsteht am Rande des Schwarzwalds aus den beiden Quellflüssen Brigach und Breg, fliesst ca. 2800km ostwärts und mündet im Gebiet von Rumänien und der Ukraine in einem riesigen Delta ins Schwarze Meer. Auf ihrer langen Reise durchstreift sie 10 Länder, sie ist der internationalste Fluss der Erde. Grafik von Daniel Ullrich (Threedots), CC BY-SA 3.0

ETAPPE 1:

DEUTSCHLAND

Das tolle an der Donau ist dass es ein Fluß ist den man wirklich komplett von Beginn bis Mündung fahren kann. Einschränkungen gibt es nur bei der Versickerung die 1/3 des Jahres nicht fahrbar ist und die 14km nach Mühlheim bis Beuron die für alle ganzjährig aus Naturschutzgründen gesperrt sind. Ein guter Start für die Tour ist der Parkplatz an der Stadionstraße in Donaueschingen. Das ist ein freier Parkplatz, ideal für Start und Bootsaufbau. Der Einstieg ist dann nur ein paar Meter vom Parkplatz entfernt. Man setzt in die Brigach ein und ist nach wenigen hundert Metern am Zusammenfluss. Für die Obere Donau ist es vor allem mit dem Falter essentiell, den Wasserstand zu checken. Ein guter Pegel ist der von Kirchen-Hausen, er sollte wenigstens 95 cm betragen, besser sind Wasserstände über einem Meter. Ab Ulm ist die Befahrung das ganze Jahr mit allen Bootstypen kein Problem. Es gibt auf der Strecke in Deutschland sehr viele Hindernisse, insgesamt 59, die aber meiner Meinung nach das Gesamterlebnis nicht beeinträchtigen. Die Kraftwerke und Wehre sind zum Teil sehr alt und der Mensch hat ja schon in frühen Zeiten versucht, sich den Fluss nutzbar zu machen. Das ist mit den meisten Flüssen in Europa so. Ich habe schon lange meinen Frieden damit geschlossen, man lebt ja schließlich in der Zivilisation, und es gehört einfach dazu. Die Donau hat unglaublich viele verschiedene Landschaften zu bieten und trotz der vielen Veränderungen durch den Menschen ihre Schönheit bewahrt. Highlights in Deutschland sind „Der schwäbische Grand Canyon“vor Sigmaringen und und die Weltenburger Enge.

Tag 1

Donaueschingen bis Mühlheim an der Donau

November 2025

42km 12 Grad

Um Punkt 7 bei 2 Grad ging es los, die Sonne ging gerade auf und es war eiskalt. Um warm zu werden bin ich eine Runde gelaufen und habe den letzten Kilometerstein gesucht.

2779 km to go. Die Donau wird flussaufwärts gezählt, der offizielle Nullpunkt liegt bei der Mündung ins Schwarze Meer bei Sulina (KM 0).

Brigach und Breg bringen die Donau zu Weg. Ab diesem Punkt heißt der Fluss offiziell Donau und ab hier beginnt meine Reise.

Der frühe Morgen hat jedes Mal etwas ganz Besonderes auf dem Fluss. Die Strömung auf dieser Etappe ist üblicherweise eher mittelmäßig bis schwach wegen der vielen Wehre und Kraftwerke. Ich hatte bei meiner Fahrt einen höheren Wasserstand, der das etwas beschleunigt hat.

Dann kommt das erste Hindernis auf der Strecke, das Wehr in Neudingen. Der Ausstieg ist links kurz vor dem Wehr, eine offizielle Ausstiegsstelle gibt es nicht, man muss schauen, ob man was Brauchbares findet. 50m nach dem Wehr kommt man wieder rein. Eher schlecht als recht. Generell ist dieser Abschnitt nicht gerade einfach was die Umtragungen betrifft. Sie sind alle umständlich und nicht paddlerfreundlich.

Der Herbst in den letzten Zügen. Wie immer war es ein Genuß in Stille und Einsamkeit wieder auf der Donau zu sein.

Es folgt das Wehr Geisingen Stadtmühle. Zum Umtragen links in den Wehrkanal fahren fahren und nach dem schmalen Wehrablauf auf der rechten Seite aussetzen.

Ein klassisches Schrägwehr, das eine sehr lange Wehrkrone hat, es ist nur bei hohen Wasserständen überspült.

Man muss dann linkerhand über ein Privatgrundstück vom Bauer durch Büsche und Gestrüpp und ist dann wieder am Unterwasser.

Kurz darauf kommt das Pegelwehr von Kirchen-Hausen im Ortsgebiet von Geisingen. Der Ausstieg sah anstrengend aus und war verschlammt. Ich bin relativ nah herangefahren und habe mir den Höhenunterschied angeschaut, der Rücklauf war passabel. Ich bin dann kurzerhand das Wehr gefahren, mit Anlauf schnell in der Mitte durch. Das ging voll klar, allerdings hatte ich meine Spritzdecke zu Hause vergessen. Danach hatte ich ordentlich Wasser im Boot. Trotzdem rate ich davon ab, bitte nicht nachmachen. Der DKV-Führer spricht hier von Lebensgefahr.

Historische Holzbrücke bei Immendingen-Zimmern: Diese Brücke gibt es schon seit 250 Jahren, sie wurde aber immer wieder zerstört und im gleichen Stil neu aufgebaut.

Es stand die Umtragung des Stadtwehrs Immendingen an. Hier gibt es 2 Möglichkeiten, je nach Wasserstand.

Ich habe Folgendes gemacht: Unter die Brücke und dann ganz rechts halten bis kurz vor die Wehrkrone und an die Mauer heranfahren. Als ich da war, hatte ich einen perfekten Wasserstand und konnte direkt auf der schmalen Mauer aussteigen. Bei Hoch- oder Niedrigwasser ist diese Ausstiegsmöglichkeit eher schwierig bis unmöglich. Dann am besten 100m vor der Brücke rechts an den Steinstufen raus. Die sind aber oft zugewachsen und verschlammt.

Dann kann man das Boot entspannt aus dem Wasser über die Mauer heben und 100m abwärts links vor der Fußgängerbrücke wieder einsetzen.

Es dauert nicht mal 5 Minuten und es kommt das Pegelwehr von Immendingen, kurz vor der Versickerung. Das sollte man auf keinen Fall fahren. Der Rücklauf sieht übel aus. Rechts davor raus und kurz danach wieder rein.

Kurz vor den Versickerungsstellen. Die Donauversickerung bzw. korrekt Donauversinkung genannt beginnt meistens unmittelbar nach dem Biwakplatz bei der ersten Kurve. Ab da ist 1/3 vom Jahr kein Wasser mehr im Fluss. Es versickert und kommt in der Aachquelle 14 km südlich wieder ans Tageslicht, fließt dann in der Radolfzeller Aach in den Bodensee und damit in den Rhein und dadurch in die Nordsee.

Von Versickerung war an diesem Tag keine Spur. Genau an dieser Stelle auf dem Bild führt ein Übergang aus großen Blöcken über die Donau. Die waren gerade so überspült und dadurch war die Durchfahrt kein Problem, ich bin genau zwischen 2 Blöcken durchgefahren. Für mich ist diese Stelle etwas ganz Besonderes, wenn nicht sogar magisch. Ich war hier sehr oft und bin durch das trockene Flussbett gelaufen.

Die Versickerungsstrecke ist nur kurz und schon kommt das nächste Hindernis. Ein Pegelwehr, das man ebenfalls wie das vorige unter keinen Umständen fahren sollte. Ganz rechts sieht es so aus, dass es möglich wäre, evtl. mit einem Wildwasser- oder PE-Boot, aber ich würde es nicht riskieren. Aus- und Einsetzen nur auf der linken Seite möglich, da das ganze rechte Ufer eine Steilböschung ist.

Es gab immer wieder schöne Uferabruchböschungen zu sehen. Insgesamt war die Strecke sehr abwechslungsreich.

Spitz-Messwehr bei Möhringen, die Warnschilder sagen Lebensgefahr. Anlanden nach der Brücke rechts und Einsetzen dann wieder hinter dem Wehr. Man hätte es bei dem Wasserstand auch easy fahren können, ich bin raus, um es zu besichtigen, und habe dann gleich eine Pause gemacht.

Zwischen Möhringen und Tuttlingen teilt sich die Donau in zwei kleine, schmale Arme auf. Die sind sehr ursprünglich und verwachsen, es ist ein kleines Abenteuer, hier durchzufahren. Hier auf dem Foto muss man sich entscheiden, wohin es gehen soll. Ich habe den rechten Arm genommen.

Das ist die Mündung der Elta, ein kleiner und schöner Nebenfluss der südlichen Schwäbischen Alb.

Schöne überdachte Fußgängerbrücke in Tuttlingen. Die Durchfahrt durch die Stadt ist relativ seicht und man sollte auf große Steine im Fluss aufpassen.

Das Stadtwehr von Tuttlingen. Die Schützen waren geöffnet, man hätte locker durchfahren können, aber die Warn- bzw. Verbotsschilder haben eine eindeutige Sprache gesprochen. Aussetzen links und dann ca. 300m hinter der Brücke rechts wieder einsetzen.

Dieser markant schöne Herbstbaum kündigt das Kraftwerk Ludwigstal an.

Wasserkraftwerk Ludwigstal, laut DKV-Führer Umtragung rechts. Ich habe es mir davor auch auf der Karte angeschaut und dachte, das wird schon passen. Hat es aber nicht. Ich bin rechts angelandet, ca. 50m davor, alles war verschlammt, steil und zugewachsen, ich bin beim Ausstieg am Uferhang ausgerutscht und stand bis zu den Knien im Wasser. Zum Glück hatte ich meine dicken Neoprenstiefel an. Dann habe ich die Lage gecheckt. Oben war ein Wanderweg, es war aber alles zugewachsen, dornig und steil. Das wollte ich dem beladenen Faltboot und mir nicht antun. Also wieder ins Wasser und mit größter Vorsicht näher ans Wehr, der Sog war stark. Dann konnte ich an dem Kieshang relativ problemlos anlanden. Auf dem Bild sichtbar ist die erste Stufe, die hätte man bestimmt easy fahren können, aber kurz danach kommt ein Abfall mit tödlichem Rücklauf. Das Problem hier war nun, dass ich mich auf einem eingezäunten und abgeschlossenen Kraftwerksgelände befand. Ich habe das Boot auf den Bootswagen gepackt, bin durch das Werksgelände bis zum Tor und habe das Ganze und mich über den Zaun gehievt. Zum Glück gab es keinen Stacheldraht. Das war wohl die beschissenste Umtragung auf der ganzen Strecke. Paddlerunfreundlicher geht es wohl nicht mehr.

Bei Mühlheim an der Donau, kurz vor der Brücke, habe ich die Fahrt beendet. Es war schon so gut wie dunkel aber hier an diesem Fußgängerweg gab es Straßenbeleuchtung, ideal zum Abbauen. Ab hier ist die Strecke für 14km ganzjährig für alle gesperrt. Erst ab Kloster Beuron darf man wieder weiterfahren. Aber nur als DKVler. Offiziell ab Hausen.

Tag 2

Hausen im Tal bis Riedlingen

52km 17 Grad

Freud und Leid liegen manchmal nah beieinander. So war das bei dieser Tagesetappe, aber später mehr dazu. Los ging es in Hausen im Tal. Man kann auch in Beuron starten, wenn man DKV‑Mitglied ist, was ich aber nicht bin. Ansonsten ist dies hier der frühstmögliche Wiedereinstieg nach der gesperrten Versickerungsstrecke ab Mühlheim. Der Pegel am Vortag ist durch 2 Tage Regen auf 78cm angestiegen, das wäre passabel gewesen, leider ist er aber wieder genauso schnell gesunken. 61cm waren es an diesem Morgen, nicht gerade ideal.

Ich bin um 9 Uhr los, ziemlich spät, aber es war nicht anders möglich, da die Befahrung des Oberen Donautals streng reglementiert ist und es auch Parkranger gibt, die das überprüfen. Es gelten mehrere Voraussetzungen für diese Strecke: 1. Zeitraum, 2. Pegel 3. Befahrungsschein nach Kontingent. Diese ganzen Faktoren machen eine Befahrung nicht gerade einfach. Alle Infos dazu findet man hier: Naturpark Obere Donau.

Dafür gibt es hier eine grandiose Landschaft zu bewundern. Es geht durch den Schwäbischen „Grand Canyon“, der zusammen mit der Weltenburger Enge meiner Meinung nach die spektakulärsten Landschaften der Donau in Deutschland sind.

Und es war wieder mal eine gute Entscheidung, das werktags zu machen. Dies ist nämlich die absolute Touristrecke der Donau. Hier ist am Wochenende in der Saison die Hölle los und es ist dann nix mehr mit Idylle.

Eine brütende Schwanendame direkt am Ufer, das Männchen war nicht zu sehen. Den Platz hat sie nicht besonders gut gewählt. Die ganzen Bootsfahrer am Wochenende und die Bahnlinie auf der anderen Seite bringen Unruhe.

Dann folgt das Wehr Neumühle. Hier wird ein großer Teil des Wassers links in einen Triebwerkskanal geleitet und es wird danach sehr seicht. Bei Niedrigwasser ist hier Treideln angsagt.

Vor dem Wehr ist der Ausstieg rechts komfortabel über eine schmale Rampe. Der Einstieg ist dann nach 100 Meter und für Faltboote nicht ideal.

Die Landschaft ist nach wie vor großartig.

Von solchen Felsen kann ich nicht genug bekommen.

Man kann schon erahnen wie wenig Wasser im Fluss war.

Hochwassermarke von 1858, direkt vor dem Wehr Gutenstein. Wenn es das Wehr damals noch nicht gab, war das ein unglaublich heftiges Hochwasser, wenn doch, dann immer noch gewaltig.

Die Umtragung des Wehrs ist für Faltboote irre mühselig. Der Umtrageweg ist sehr schmal, am Ende kommen Stufen und Felsen und man muss das Boot die letzten 20m tragen.

Dabei kann man das Wehr bei fast allen Wasserständen fahren und das macht richtig Spaß. Ich habe das vor ein paar Jahren mit einem PE-Seekajak gemacht. Einfach ganz rechts, kurz vor der Mauer, auf die Wehrkrone fahren, dann sitzt man kurz auf, mit den Händen kann man sich dann abstoßen und dann geht’s runter. Spritzdecke sollte man dabei anhaben.

Es dauert nicht lange und schon ist man im Rückstau vom Wehr bei Dietfurt.

Die Umtragung bei Dietfurt ist die einfachste dieser Etappe. Einfach vor dem Wehr links raus, 50 Meter über eine Wiese und dann wieder rechts rein.

Direkt nach der Burgruine gibt es rechts eine Gaststätte, bei der man gut anlegen und einkehren kann.

Die spektakuläre Teufelsbrücke bei Inzigkofen. Es folgt die letzte Felsschlucht, ein kurzes, aber sehr schönes Stück, es ist der letzte Ausläufer der Felsenformationen. Danach wird die Landschaft flacher.

Direkt voraus der Amalienfelsen. Auf dem Bild gut zu sehen ist der flutende Wasserhahnenfuß. Der ist auf der oberen Donau bis Ulm fast überall vertreten, eine wunderschöne Pflanze, vor allem wenn sie blüht.

Im Hochsommer gibt es Passagen, wo es fast kein Durchkommen mehr gibt. Für Faltbootfahrer ist diese Pflanze von Vorteil, da sie bei seichten Stellen das Boot über die Steine rutschen lässt und größere Beschädigungen verhindert.

Der Amalienfelsen ist Ausgang und Ende des Felsentals der Schwäbischen Alb.

Die Bootsgasse von Laiz ist eine wahre Freude für Paddler: schmal im Vergleich zu den bayerischen, aber genauso komfortabel. Kurz vor der Ampel gibt es einen Schalter den man drücken muss. Dann öffnet sich die Klappe und wenn genug Wasser drinnen ist, geht es los.

Das ist kein Schaum, sondern wunderschöner Pappelschnee.

Direkt unterhalb des Hohenzollernschlosses rechts befinden sich Treppen, um das Wehr von Sigmaringen zu umtragen. Es sind dann ca. 300 m, bis man wieder einsetzen kann. Danach ist der Fluss für einige hundert Meter sehr seicht und ich musste treideln.

Der Abschnitt von Sigmaringen nach Sigmaringendorf ist sehr naturbelassen, die Donau mäandert hier stark und hat einen natürlichen Lauf.

Kurz vor Sigmaringendorf kam dann diese Sohlschwelle, die nicht im Jübermann eingezeichnet war. Die Umtragung war auch wieder nicht so einfach: steile Treppen rauf und runter.

Dann ging es nach Scheer. Dort gab es in einer Schleife gleich 2 Wehre zu umtragen. Ich kannte die ja schon von der letzten Befahrung, aber das war mit Plastikboot und ordentlich Wasser. Beim ersten Wehr war die „offizielle“ Umtragungsstelle komplett verschlammt und mit Brennnesseln zugewachsen. Ich habe erst mal mein Outfit gewechselt, lange Hose und Neoprensocken angezogen, um das Boot durch die Brennnesseln zu ziehen. Zuerst habe ich den Weg gecheckt, aber gleich gemerkt, dass nach ein paar Metern kein Durchkommen möglich war. Zumindest nicht mit Bootswagen. Ich hätte das Boot komplett entladen und rübertragen können, aber das war mir zu dumm. Also wieder mit dem Boot ins Wasser und bis zur Wehrkrone gefahren. Dort habe ich eine Stelle gefunden, an der ich überheben konnte.

Danach ging es in einer großen Schleife um Scheer herum zum zweiten Wehr. Laut Jübermann-Karte gibt es an diesem Hindernis eine längere Treidelstrecke bei Niedrigwasser. Die wollte ich mir sparen und bin gleich den ganzen Weg bis zum Ende des Triebwerkkanals gelaufen, um da wieder einzubooten. Wenn ich gewusst hätte, wie bescheiden dieser „Einstieg“ war hätte ich lieber getreidelt. Bei einer verfallenen Fabrik musste ich noch über Felder und dann ging es zwischen Büschen steil runter. Ich habe das Boot vorsichtig mit einer Leine heruntergelassen, und als ob das nicht schon genug war, hat es sich dummerweise unten im Wasser in einem Baum verheddert. Mit größter Mühe habe ich es wieder freibekommen und es konnte weitergehen.

Kaum erholt von den beiden stressigen Umtragungen in Scheer kam das Wehr und Kraftwerk Jakobstal. Links wird ein großer Teil des Donauwassers in einen Triebwerkskanal geleitet. Auf der Karte war die Möglichkeit eingezeichnet, dass man in den Kanal einfahren kann, unter dem Schütz ganz links. Aber keine Chance, es war viel zu niedrig. Also umtragen, und dann hat der Wahnsinn angefangen. Es folgten unzählige mit Faltboot unfahrbare Sohlschwellen.

Das hier war noch ein niedlicher kleiner Absatz, mit einem PE‑Boot kein Problem, einfach drüber. Aber mit dem Faltboot, keine Chance.

Es hat gar nicht mehr aufgehört, alle 300 Meter kam eine Sohlschwelle. Ich bin gar nicht mehr ins Boot gestiegen und habe nur noch getreidelt. Eine andere kleine Sohlschwelle sah fahrbar aus. Ich bin wieder ins Boot eingestiegen und habe es direkt versucht. Natürlich war es zu seicht und ich bin aufgesessen und langsam unter einen Baum getrieben. Dort hat sich das Boot mit der Steueranlage so unglücklich verheddert, dass ich wieder raus bin. Es hat eine Menge Kraft gekostet, das Boot wieder freizubekommen.

Dafür war dieser Abschnitt sehr natürlich und es waren viele große, ausgewaschene Felsplatten im Fluss, das sah wunderbar aus. An dieser schönen Stelle habe ich Pause gemacht und realisiert, dass es eine ziemlich blöde Idee von mir war, mit dem Faltboot diese Strecke bei diesem Wasserstand zu fahren.

Nach einer gefühlten Ewigkeit mündete der Triebwerkskanal und es war endlich wieder mehr Wasser im Fluss. Laut Karte sollten es nur noch 4 Hindernisse bis Riedlingen geben. Mit sportlichem Paddeln hätte ich das vielleicht noch schaffen können, wenn ich bis ins Halbdunkel gepaddelt wäre. Die ganzen umständlichen Umtragungen und das Treideln haben Stunden an Zeit gekostet und es ist schon spät geworden. Dann kam eine Abzweigung, bei der man nur links fahren darf, und direkt danach folgt eine größere Sohlschwelle. Weit und breit kein Ausstieg in Sicht. Hier habe ich fast die Nerven verloren und erkannt: STOP, runterkommen, innehalten, loslassen. Manchmal soll es halt einfach nicht sein. Es kamen danach noch 2 größere absolut unfahrbare Sohlschwellen, und die waren nicht mal in der Karte vermerkt. Bei der letzten Sohlschwelle kurz vor Hundersingen hat mir ein freundlicher Angler geholfen, das Boot durch das Unterholz zu tragen. Hier war dann wirklich meine mentale Belastungsgrenze erreicht, nachdem ich gemerkt hatte, dass ich eine essenzielle Stellschraube vom Bootswagen verloren hatte.

In Hundersingen angekommen ist mir bei der Umtragung der Sohlschwellen eine Parkbank aufgefallen. Als ich davor stand, erinnerte ich mich plötzlich: Hier war ich schon mal! Bei der Donau-Radtour habe ich an dieser Stelle eine Pause gemacht, erschöpft vom Radeln im Gegenwind. Wahrscheinlich hat mir dieser Ort gesagt: „Jetzt reicht’s.“ Es war bereits einsetzende Dämmerung und es waren zu viele Hindernisse und ich musste eingestehen, dass jetzt hier einfach Ende ist. Die restlichen 10 km bis Riedlingen hole ich nach oder lasse sie einfach, ich bin sie ja eh schon gefahren. Nach Abbau und Packen habe ich auf Nachfragen von Spaziergängern erfahren, dass kein Bus mehr fährt. OK, dann laufe ich eben zum Bahnhof Herbertingen. Dort angekommen musste ich feststellen, dass keine Züge mehr fahren. Es ging mit dem Schienenersatzverkehr bzw. Bus nach Sigmaringen und logischerweise habe ich die letzte Chance verpasst, um nach Hausen im Tal zu kommen. Jetzt hatte ich die Möglichkeit, die ganze Nacht bei 4 Grad am Bahnhof zu verbringen oder nach Hause zu fahren, um 4 Stunden zu schlafen. Ich habe mich für die letzte Variante entschieden, so war ich wenigstens in einem warmen Zug. Das Auto musste ich dann umständlicherweise am nächsten Morgen holen.

Fazit dieses Tages: 2 Löcher im Boot, Stellschraube vom Bootswagen verloren, überall Schrammen und Narben von den Umtragungen durch Dornengebüsch. Zu guter Letzt habe ich beim Zerlegen des Bootes noch den Splint fürs Kielrohr verloren. Das war definitiv nicht mein Tag gewesen, aber solche Erfahrungen gehören eben auch dazu. Falls ihr mal auf die Idee kommt, diese Strecke mit dem Faltboot bei so einem Pegel zu fahren, macht es nicht!

Tag 3

Riedlingen bis Erbach

52km 11 Grad

Morgens um 8 bei frischen 5 Grad und dichtem Nebel in Riedlingen am Stadtwehr. Das Wehr war überspült und das ist ein Zeichen für guten Wasserstand . Der Abschnitt zwischen Riedlingen und Munderkingen ist einer der schönsten der Oberen Donau. Die Strecke bin ich wohl am häufigsten gefahren, auch mehrfach mit meinen Kids.

Die Sicht war grenzwertig aber ich wollte nicht länger warten, abgesehen davon gibt es hier ausser umgestürzten Bäumen keine Hindernisse denen man rechtzeitig ausweichen muss.

Kurz vor Daugendorf. Der Wasserstand war sehr gut, bis zur Hochwassergrenze hat nicht viel gefehlt, so war die Strömung bis Munderkingen noch schneller als üblich. Ein höherer Wasserstand ist auf der Oberen Donau auf jeden Fall zu empfehlen wenn man mit dem Faltboot unterwegs ist. Im Sommer ist es viel zu seicht.

Ich ziehe es vor meine Touren bei hohen Temperaturen zu machen aber diese Herbsstimmung hat auch etwas mystisches. Die Temperatur morgens war gerade so dass man ohne Handschuhe fahren konnte.

Zwiefaltendorf hat einen sehr schönen Pausenplatz unter der Brücke. Hier habe ich bei einer anderen Tour schon mal gecampt. Im Sommer ist hier viel los da es eine beliebte Badestelle bei den Einheimischen ist.

Es hat die Tage zuvor viel geregnet und es gab einige umgekippte Bäume im Fluß.

Der Nebel hat sich gelichtet und die Sonne kam wieder raus, die Temperatur lag Mittags dann bei akzeptablen 11 Grad. Der beeindruckende Hochwartfelsen kurz vor Rechtenstein ist zu allen Jahreszeiten schön anzuschauen.

Ich war an einem Werktag im Spätherbst und ausserhalb der Saison unterwegs, so hatte ich an diesem Tag den Fluss für mich alleine.

Ausbooten kann man in Rechtenstein vor dem Kraftwerk rechts, dann ca. 300m umtragen und links wieder über Treppen rein. Da die obere Donau hier noch ein kleines, beschauliches Flüsschen und gut für den Kanutourismus ausgebaut ist, sind die Umtragestellen relativ komfortabel und unkompliziert.

Nach Rechtenstein sind es nur ein paar Kilometer zum nächsten Wehr.

Umtragen des Schrägwehr Obermarchtal links ausbooten und dann wieder rechts rein ins Unterwasser.

Dann bin ich an der Großen Lauter vorbeigekommen und spaßeshalber mal flussaufwärts gefahren. Auf diesem kleinen Fluss der Schwäbischen Alb bin ich unzählige Male mit Rad und Boot unterwegs gewesen. Die Mündung war diesmal frei, weit gekommen bin ich aber nicht.

Nach ein paar Hundert Metern gab es einen Biberdamm, hier war dann Endstation.

Dann ging es in einer langen, einsamen Schleife um den Hügel von Algershofen. Kleiner Roman Tipp an dieser Stelle: Die Venus aus dem Eis. Die Geschichte spielt am Ende der letzten Eiszeit und beschreibt das Leben der Steinzeitmenschen auf der Schwäbischen Alb. Das Spannende an der Geschichte ist, dass die Neandertaler auf Homo sapiens treffen, deren Stamm besessen davon ist, die Quelle der Donau zu finden. In diesem Wissenschaftsroman wird unter anderem erzählt, wie sie über etliche Generationen vom Schwarzen Meer her immer weiter den Fluss hinaufgewandert sind, um den „Ursprungsort“ zu finden.

Am Ortsanfang von Munderkingen an diesem Wehr unbedingt mit Abstand vorbeifahren. Hier gab es schon einen tödlichen Unfall. Etwa 100 m danach folgt dann der Ausstieg auf der linken Seite.

Der Ausstieg ist hier komfortabel möglich über eine kleine Rampe oder Treppen, leider kann man mit Booten über 5,20 m Länge nicht seitlich anlanden.

Direkt bei der Umtragestelle ist auch ein Kanuverein, der VFL Munderkingen, jedoch ohne Zeltplatz.

Wenige Kilometer danach folgt das Schrägwehr von Rottenacker. Der Ausstieg dafür ist ungefähr 200 Meter davor an den Sportanlagen und kann nicht verfehlt werden, er ist ausgeschildert. Dann geht es über den Parkplatz bis auf den Fußweg, nach 50m dann rechts über die Wiese und die Treppen runter. Diese Umtragung hat die Besonderheit, dass man in einen kleinen Nebenfluss, dem Stehbach, einsetzt, um das Wehr bis zum Unterwasser zu umfahren.

Vor Ehingen gibt es 2 Sohlschwellen die bei gutem Wasserstand mit dem Falter problemlos befahren werden können. Sie werden per Schilder angekündigt und es gibt einen Durchlass auf der rechten Seite.

Beim Kraftwerk Öpfingen links halten, die Schützen sind meist offen, die Durchfahrtshöhe ist knapp, aber ok. Im Kanal hat man dann zwei Möglichkeiten zur Weiterfahrt. Geradaus bis zum Stausee der zum nächsten Kraftwerk führt oder gleich rechts in das Restwasser einsetzen. Im Endeffekt kommt das aufs gleiche raus. Da das Umsetzen vom Stauseekanal in die Restwasserdonau umständlich ist bin ich einfach weiter auf den Stausee gefahren.

Am Ende des Stausees kann man kurz vor dem Kraftwerk über Treppen ausbooten, und dahinter links wieder rein. Nach der Untragung hat es zu regnen angefangen und es wurde ungemütlicher.

Der Regen hatte zum Glück wieder aufgehört und es galt, das letzte Hindernis für diesen Tag zu umtragen. Das Wehr Ersingen. Manchmal ist hier das Schütz zum Stausee offen, ich bin relativ nah herangefahren, um zu schauen, ob das geht, aber durch den hohen Wasserstand war es zu niedrig, ich musste gegen die relativ starke Strömung wieder zurückpaddeln und davor aussetzen.

Dann geht es über die Brücke und hier gibt es auch zwei Möglichkeiten zur Weiterfahrt: Links geht es zu steilen, langen Treppen in die „Restdonau“ oder man setzt rechts in den Stausee ein, der den Großteil des Wassers führt und auch eine Vogelschutzstätte ist. Dafür gibt es hier nochmal zwei Umtragungen. Da es schon dämmerte und es wieder regnen sollte, war ich unter Zeitdruck und bin links die „Restdonau“ gefahren da ich die Strecke schon kannte.

Es war zwar erst 5, aber es wurde bereits dunkel und ich wurde langsam panisch, weil ich es unbedingt vermeiden wollte, in der Dunkelheit auf so einem schmalen Fluss zu paddeln. Hinter der zweiten Brücke in Erbach war mein geplanter Ausstieg, leider war die Ausstiegsmöglichkeit, die bei Google Maps angegeben war, nicht vorhanden. Man darf einfach nicht alles glauben was da drin steht. Ich bin dann gegen die Strömung zurückgefahren, habe aber auch oberhalb keine passende Stelle gefunden. In völliger Dunkelheit bin ich dann unter der Brücke links raus. Dort konnte ich gerade so mit größter Mühe aussteigen und das Boot durch Büsche auf einen Fahrradweg ziehen. Danach war ich total erledigt, aber trotz der Kälte war mir jetzt warm und ich habe noch eine betonierte Fläche gefunden, um das Boot in Ruhe zu zerlegen.

Nachdem ich das Boot zerlegt und gepackt hatte, hat es dann noch angefangen zu regnen, und ich habe es gerade rechtzeitig zum Bahnhof nach Erbach geschafft. Von da aus ging es wieder nach Riedlingen mit dem Zug zurück und dann mit dem Auto nach Hause.

Tag 4

Erbach bis Günzburg 

36 km 15 Grad

Ende Februar 2026 waren für 3 Tage am Stück an der Bayerischen Donau im Schnitt 15 Grad tagsüber vorhergesagt, die Chance musste ich nutzen, also 2 Tage Urlaub für ein verlängertes Wochenende genommen und los ging es. Das Boot packen hat wieder ne Menge Zeit in Anspruch genommen, so bin ich erst um halb 11 losgekommen. Ich habe die Fahrt wie immer an der gleichen Stelle fortgesetzt, wo ich das letzte Mal aufgehört habe, diesmal aber auf der anderen Flussseite. Hier ist bei normalem Wasserstand eine schöne große Kiesbank, die war an diesem Tag komplett überflutet, der Einstieg war trotzdem kein Problem.

Der Wasserstand war hoch. Es war abfliessendes Hochwasser. Als Pegelreferenz für diese Strecke empfehle ich Wiblingen/Iller und Donau Neu Ulm

Dann kam das erste Hinderniss, das Stauwehr Ulm-Wiblingen. Ausbooten auf der linken Seite über Stufen. Bei diesem Wehr habe ich gleich gemerkt auf was ich mich die nächsten Tage einstellen kann.

Alle Schützen waren geöffnet so war das Unterwasser eine tosende Hölle. Der Einstieg sah erst mal schwierig aus.

Ein Feuerwehrmann, der zufällig vorbeigelaufen ist, hat mir geholfen, das Boot herunterzutragen. Direkt am Einstieg war es mir aber zu wild und ich habe das Boot noch bis zum Ende der Mauer getragen, um einzubooten.

Eigentlich wollte ich an der Illerspitze pausieren um ein Foto vom vermischten Wasser der zwei Flüsse zu machen. Leider habe ich davor nicht richtig auf die Karte geschaut und bin 100 Meter zu früh angelandet. Das war aber nicht die Iller sondern die Mündung vom Donau Kraftwerkskanal Wiblingen, mich hat es schon gewundert warum da so wenig Wasser ankam. Die Illermündung ist nur ein kleines Stück weiter, ich konnte da aber nicht mehr anlanden weil die Strömung zu stark war und bevor ich die Kamera rausgeholt hatte war ich auch schon zu weit weg. Die Iller bringt an Ihrer Mündung mehr Wasser in die Donau als die Donau selber und wäre eigentlich ihr Hauptstrang wenn die Obere Donau nicht insgesamt länger wäre.

Dann ging es durch das Stadtgebiet von Ulm. Direkt nach der Eisenbahnbrücke gibt es auf der rechten Uferseite zwei Kanuvereine bei denen man auch zelten kann. Die Ulmer Kanufahrer und die Ulmer Paddler.

Ulm habe ich ins Herz geschlossen, die Stadt ist mir sehr sympathisch trotz des vielen Nebels, wahrscheinlich weil die Donau direkt durch die Stadt fliesst. So ein Fluß bringt einer Stadt schon einen großen Mehrwert an Lebensqualität, vor allem wenn man so eine schöne Promenade wie Ulm hat. Hier mündet auf der linken Uferseite die Blau in die Donau.

Hier rechts abbiegen in die „kleine Donau“wenn man um die Insel herumfahren will.

Still und idyllisch ist es dann für ein paar Hundert Meter.

Dann ging es in einer langgezogenen Kurve ein paar Kilometer um Ulm herum bis zur Staustufe Böfinger Halde. Das ist die erste von unzähligen Staustufen für fast 150km Flussstrecke, die letzte dieser Bauart ist in Vohburg nach Ingolstadt. Im Schnitt gibt es alle 5–10 Kilometer eine Staustufe. Angeblich soll es hier eine Gegensprechanlage zum Schleusen geben, aber ich habe nichts gefunden und habe umgetragen. Fast alle dieser Staustufen haben paddlerunfreundliche, lange und steile Stufen beim Ein- und Ausstieg. Zumindest für Solofaltbootfahrer. Wenn man zu zweit ist, kann man schleusen, einer kann die Schleuse bedienen und der andere führt die Boote durch die Schleuse. Eine Schleusung dauert im Schnitt 10–15 Minuten. Bei zu hohem Wasserstand sind die Schleusen gesperrt, das kann man an einem orange blinkenden Licht erkennen.

Wie immer ist es ein absolutes Muss hier einen Bootswagen dabei zu haben.

Mit der Zeit entwickelt man ausgefeilte Techniken wie man das schwere Boot mit Tourgepäck heil die Treppen rauf und runter bekommt ohne die Haut zu beschädigen.

Diese Landschaft prägt ab jetzt für viele Kilometer das Bild der Donau. Begradigt und eine Staustufe nach der anderen. Rechts und links eintöniger Auwald. Für mich als Donau-Fanatiker aber kein Problem. Ich bin die Strecke bereits schon vor ein paar Jahren gefahren und für die ordentliche Dokumentation habe ich das gerne ein zweites mal gemacht, auf diesem Fluß fühle ich mich einfach immer zuhause und er wird nie langweilig.

Nach wenigen Kilometern folgt die Staustufe Oberelchingen. Apropos Schleusen: Auf dieser Tour wäre das eh nicht möglich gewesen, da der Wasserstand so hoch war, dass die Schleusen gesperrt waren. Erkennen kann man das, wenn man auf die Stufe zufährt und meistens in der Mitte zwischen den Schützen ein oranges Blinklicht aktiv ist.

So sieht das Bedienelement einer Schleuse aus. Nach der Staustrecke hat mir ein Ingolstädter Vereinsmitglied erzählt, dass er die lokale Schleuse im Alleingang mithilfe eines Seils gemeistert hat. Anscheinend gibt es dort in der Mauer eine Leiter. Die Vorgehensweise wäre dann wie folgt: Schleuse auf Oberwasser bringen, Boot einfahren, anbinden, aussteigen, über die Leiter hochklettern, Schleuse bedienen und auf Unterwasser bringen, Boot ableinen und wieder über die Leiter herunterklettern und weiter geht es. Das Ganze geht logischerweise nur bei Staustufen, die eine Leiter haben, und davon gibt es, glaube ich, nicht viele …

Und weiter immer schön geradaus Richtung Staustufe Leipheim.

Und täglich grüßt das Murmeltier. Monotonie pur. Allen, die gerne abwechslungsreiche und naturbelassene Flussstrecken fahren, empfehle ich, die gesamte Strecke zu skippen und erst wieder ab Vohburg zu starten. Ich bin die Strecke vor einigen Jahren im Sommer bei Niedrigwasser gefahren, mit einem PE-Seekajak, das auch noch 10 kg schwerer als der Argo ist. Das war ganz schön zäh …

Noch einmal schön runterwuchten

Und ein letztes mal Zieleinfahrt für diesen Tag.

Nach der Staustufe Günzburg bin ich gar nicht erst eingebootet und habe mir die Plackerei erspart, ich bin gleich die 800m mit dem Boot zu Fuß zum Kanuclub VfL Günzburg. Da ich den Zeltplatzwart nicht telefonisch erreichen konnte, habe ich mein Camp bereits aufgebaut. Er kam später dann noch spontan vorbei und war erstaunt, dass in der Jahreszeit jemand hier zelten will. Wir haben uns noch eine Weile nett unterhalten bis es zu kalt wurde.

Gute Nacht

Tag 5

Günzburg bis Erlingshofen

43 km 15 Grad

Die Nacht war ganz schön frisch und ich habe nicht besonders gut geschlafen. Es war knapp über dem Gefrierpunkt. Ich hatte zwar einen Daunenschlafsack bis 0 Grad dabei, musste aber noch zusätzlich Kleidung anziehen um warm genug zu bleiben. Direkt nach dem Kanuclub kommt man an der Mündung der Günz vorbei, ein schöner und relativer langer Nebenfluss der aus dem Allgäu kommt. Direkt gegenüber mündet die Nau.

Dann ist man auch schon im Rückstau zur Staustufe Offingen. Kurz vor dieser Brücke ist auf der linken Uferseite noch ein Kanuverein, der Günzburger Kanu Club. Ob man hier übernachten kann habe ich nicht herausfinden können.

Bei Reisenburg

Auf dem Weg zur nächsten Staustufe.

Staustufe Gundelfingen. Von hier aus waren früher immer die zwei markanten Kühltürme des AKW Gundremmingen zu sehen, die wurden letztes Jahr gesprengt und fehlen irgendwie im Landschaftsbild.

Und es dauerte nicht lange und schon ist man auf dem Weg zur Staustufe Faimingen, hier wird die Donau irre breit.

Die Donau ist vor dem Kraftwerk zu einem gigantischen See aufgestaut, der in der Mitte sehr seicht ist. Auch wenn es ein Umweg ist, sollte man dicht am rechten Ufer entlangfahren, sonst sitzt man auf.

Der Einstieg danach war eigentlich unmöglich und richtig gefährlich. Die Treppen waren so nah an den offenen Schützen und das Wasser so unruhig, die Wellen haben regelmäßig gegen die unteren Stufen geklatscht. Ich wollte es trotzdem wagen, aber da hat mich ein aufmerksamer Bauarbeiter, der mich beobachtet hatte, auf einen kleinen Nebenbach hingewiesen.

Er hat mir vorgeschlagen da einzusteigen. Gesagt getan.

Ich hatte zwar ein paar Mal Äste im Gesicht und bin aufgesessen aber mit Sicherheit war das der bessere Weg, so bin ich über den Bach einfach ins Unterwasser der Staustufe gefahren.

Danach habe ich erst mal eine Pause an der Brenzmündung gemacht. Einer meiner Lieblingsflüsse der Schwäbischen Alb. Man kann gut sehen wie sich das dunkle Wasser der Brenz mit dem hellen der Donau vermischt.

Das Herzogschloss von Lauingen

Unglaublich aber wahr, es gibt sogar Staustufen mit Rampen. Ab der Staustufe Dillingen bis Donauwörth gibt es 4 Kraftwerke mit Rampen zum Ein-und Ausbooten. Direkt nach der Staustufe auf der linken Uferseite vor der Brücke befindet sich der Verein Kanu Club Dillingen mit Zeltplatz

Die Temperaturen waren nachmittags super, T-Shirt Wetter. An der Staustufe Höchstädt hatte ich ein kleines Deja-Vu: Genau an dieser Stelle habe ich bei meiner Donau Radreise den Abend verbracht und direkt hinter der Staustufe gecampt.

Staustufe Schwenningen. Es wurde langsam dunkel und ich habe beim Kanuclub Donauwörth, wo ich eigentlich übernachten wollte, niemanden erreicht. Abgesehen davon war es bis Donauwörth und zusätzlich noch knapp 2 km die Wörnitz stromaufwärts zu weit, das hätte ich vor der Dunkelheit nicht geschafft. So habe ich am linken Ufer kurz vor Erlingshofen einen schönen Campspot entdeckt, den ich auch gleich in Beschlag genommen habe. Es war zwar schwierig anzulanden wegen steiler und schlammiger Böschung, aber wenn’s sein muss dann geht alles. Der Zeltplatzwart vom KC Donauwörth hat mir am nächsten Tag zurückgeschrieben, dass zelten sowieso nicht möglich gewesen wäre, da wegen des Hochwassers der Platz überflutet war. Auweia

Tag 6

Erlingshofen bis Ingolstadt

63 km 14 Grad

Am Morgen herrschte wunderschöne Nebelstimmung. Als alles gepackt war und es losging, war die Sicht wieder klar. Dann ging es zur nächsten Staustufe Donauwörth die nur ein paar Kilometer entfernt war.

Eigentlich sollte ich in der Stadt meine Wasservorräte auffüllen gehen, aber auf der Karte habe ich gesehen, dass man schlecht anlegen kann. Ich hatte irgendwie keinen Bock auf Stadt. An der Staustufe war die Ausstiegsrampe von einem Angler besetzt, der gleich mehrere Ruten positioniert hatte, und es war gar nicht so leicht anzulegen. Ich habe ihn gefragt, ob er Wasser zu vergeben oder zu verkaufen hatte, damit konnte er aber nicht dienen. Dafür hatte er Spezi kistenweise im Auto und hat mir eine 1,5-l-Flasche mitgegeben. Normalerweise kann ich solche Zuckergetränke nur in kleinen Mengen zu mir nehmen, aber in dem Moment war mir das egal, ich wollte einfach weiter auf dem Fluss ohne Halt in der Stadt. Danke an den netten Angler aus Aalen.

Ab Donauwörth fliesst die Donau ausnahmsweise auf einer Strecke von 20km ohne Staustufen, und diese Strecke ist auch wirklich schön.

Donauwörth war gar nicht wiederzuerkennen, hier wurde viel gebaut. Wobei im Winter, wenn die Bäume kahl sind, alles anders aussieht.

Von links kommt die Wörnitz die zu dem dem Zeitpunkt ordentlich Hochwasser hatte.

Lechsend, kurz vor der Donau-Lech-Spitze.

Die Kilometrierung ist ab Ulm in Schwarz auf grünen Tafeln und die Farbe bedeutet, dass es hier noch keine Schifffahrt gibt.

Ich habe mich mal rückwärts an der Lechmündung vorbei treiben lassen so dass man auf dem Foto die Dimensionen erkennt. Rechts die Donau und von links kommt der Lech. Der Lech gehört zu den grösseren Nebenflüssen der Donau und bringt ordentlich Wasser aus den Alpen mit.

Nach ein paar Kilometern wird die Donau mal wieder zu einem riesigen Stausee vor der Staustufe Bertoldsheim.

Und zur Abwechslung gibt es mal wieder schöne Stufen, als Bonus geht es noch über eine Straße.

Die Strecke zwischen Bertoldsheim und Neuburg ist dafür wieder sehr schön.

Danach kamen leider wieder die ätzenden Stufen beim Ausstieg

3 km nach der Staustufe kommt Neuburg an der Donau. Ein sehr schönes Städtchen.

Die Stadt hat einen Kanuclub, den DRCN mit Zeltplatz. Wenn man da hin will, sollte man in den rechten Donauarm, der durch die Innenstadt führt, einbiegen. Von unten her ist auch möglich, aber da muss man ganz schön gegen die Strömung paddeln. Eigentlich sollte hier das Etappenende sein, aber ich war bereits um halb drei da, also habe ich entschlossen, noch bis Ingolstadt zu fahren. Das war zwar knapp mit dem Tageslicht, aber der Faltbootclub hat einen überdachten Bereich, der auch noch beleuchtet ist. Das war ideal für den Abbau.

Bei der Staustufe Bergheim gab es eine Baustelle und alles war abgesperrt, das war mir aber egal weil es weit und breit keine andere Möglichkeit gab um Einzubooten, und natürlich waren es mal wieder steile lange Treppen.

Ganz hinten am Horizont war die letzte Staustufe Ingolstadt schon zu sehen, die Weitsicht war super an diesem Tag.Es hat sich im Rückstau aber noch lange hingezogen bis ich da war.

Diesen markanten Baum kannte ich schon von der letzten Tour. Die Insel auf der er wächst ist nicht klein, selbst vor der Staustufe war der Wasserstand enorm. Die seenartigen Verbreiterungen der Donau kurz vor den Staustufen sind zwar meist komplett strömungslos aber dadurch dass sie verschlammen bieten sie vor allem vielen Wasservögeln Lebensraum.

Kormorane gab es in Massen. Irgendwie sind das coole Tiere, manchmal tauchen die vor einem ab und bleiben dann ewig unter Wasser um dann wieder 20m weiter vorne vor einem aufzutauchen.

Regen war vorhergesagt hat sich aber immer hinter mir gehalten, ich hatte mal wieder Glück.

Nach der letzten Umtragung ging es nun durch das Stadtgebiet von Ingolstadt bis ans östliche Ende zum Faltbootclub.

Ein Teil der Landesfestung Ingolstadt

Hier an der Rampe des Faltbootclubs endete meine Fahrt für heute. Gerade noch rechtzeitig vor Sonnenuntergang, so hatte ich noch etwas Zeit mein Boot abzubauen und zu packen

Der Faltbootclub Ingolstadt ist legendär, hier startet jedes Jahr im Juni die TID, die Tour International Danubien. Das ist die längste Kajakregatta der Welt und sie verläuft von hier bis zum Schwarzen Meer. Irgendwann möchte ich da auch gerne mitfahren, wenn, dann aber die gesamte Strecke. Der Abbau des Bootes hat inklusive Gesprächen mit Vereinspaddlern dann noch 2 Stunden gedauert. Busfahren war mir zu umständlich, so bin ich die drei Kilometer Fußmarsch zum Ingolstädter Hauptbahnhof gelaufen, und dann mit dem Zug nach Hause.

Tag 7

Ingolstadt bis Sinzing

65km

Zwei Wochen später gab es wieder ein Zeitfenster mit 14 Grad tagsüber, das habe ich genutzt und bin donnerstags nach einem kurzen Arbeitstag direkt nach Ingolstadt. Ich durfte nach Absprache mit dem Vorstand sogar in der Umkleide des Vereins übernachten und habe mir so die erste Nacht um den Gefrierpunkt gespart. Danke!

Am nächsten Morgen musste ich erst mal meinen Körper durch Bewegung warm bekommen und bin noch eine Runde durch die Gegend gelaufen. Das Boot hatte ich gestern schon komplett aufgebaut und gepackt, so ging es dann zum Einstieg. Dort bei der Rampe angekommen, war ich erst mal erstaunt vom starken Nebel. Die Sicht war extrem schlecht. Vielleicht 15m.

Ich bin ja schon oft im Nebel gefahren aber so eine schlechte Sicht hatte ich noch nie. Im Endeffekt aber kein Drama, es gibt in diesem Bereich ja noch keine Schifffahrt und der Fluss ist mittlerweile so breit dass umgekippte Bäume auch kein Problem sind. Wenn ich ehrlich bin sind diese morgendlichen Nebelphasen wunderschön. Mir gefällt dieses Gefühl von“eingehüllt sein“

Es folgen dann parallel an beiden Uferseiten große Rampen der Bundeswehr. Einheiten der Pioniere trainieren hier provisorischen Brückenbau und das Überqueren von Gewässern. Ich bin die Strecke schon ein paar Mal gefahren, habe aber noch nie welche angetroffen. Trotzdem ist Vorsicht geboten.

Ich habe die Fahrt im Nebel richtig genossen und nach einer Stunde hat die Sonne dann ihre Kraft entfaltet. Es hat nicht lange gedauert und der Nebel hat sich sehr schnell wieder aufgelöst.

Als ich bei den markanten Türmen der Raffinerie von Bayernoil vorbeikam, war die Sicht wieder klar und es wurde schlagartig wärmer.

Die Staustufe Vohburg, ein typisches Laufwasserkraftwerk, ist die letzte ihrer Art. Auf dem Bild ist die Konstruktion gut zu sehen. Links ist meistens das Turbinenhaus, rechts die Schützen zur Regulierung des Wasserablaufs und ganz rechts die Sportbootschleuse, auch Kahnschleuse genannt, die man aber nur zu zweit nutzen kann, da sie ja jemand bedienen muss. Man kann natürlich auch auf Passanten warten und fragen, ob jemand Zeit dafür hat. Ich bin für so was aber zu ungeduldig, und ab und zu aus dem Boot zu kommen und die Beine zu vertreten, tut schon gut. Das einzige, was mich an der Umtragerei stört, ist, dass das Faltboot evtl. zu Schaden kommt. Ab Kelheim beginnt die Großschifffahrt und die Staustufen haben andere Dimensionen und sind für Paddler einfacher zu umtragen. Immer mit Rampen, an denen man leicht ein- und ausbooten kann. Eine Schleusung mit der Großschifffahrt ist auch möglich, wenn man die Zeit und Geduld hat.

Ab hier folgt eine Seltenheit, zumindest für deutsche Verhältnisse: Die Donau strömt für 40km frei und ohne Hindernisse. Dieser Abschnitt ist sehr schön und er wird auch nach mehrfachem Befahren nie langweilig. Ein guter Start für diese Strecke ist die Rampe in Vohburg, ca. 1 km nach der Staustufe. Dort gibt es auch einen öffentlichen Campingplatz.

Und es strömt jetzt ziemlich flott.

Die Ufer sind hier nicht so stark reguliert und man findet immer wieder schöne Kiesstrände um zu pausieren.

Die Fähre Eining-Hienheim liegt hier noch am Ufer in der Winterpause direkt an der Mündung der Abens. Während der Saison hat hier ein netter Biergarten geöffnet, ein Stopp lohnt sich. Und etwas Kultur gibt es auch noch, wenn man Zeit hat: Ein paar Hundert Meter stromaufwärts gibt es gleich zwei Römerkastelle zu sehen.

Es folgen nach kurzer Zeit bei Stausacker die ersten Felsformationen der Fränkischen Alb. Die Donau hat hier ein kurzes, aber beeindruckendes Durchbruchstal geschaffen und das Kloster Weltenburg folgt nach der nächsten Kurve.

Ich war ja schon oft da, aber so still und friedlich habe ich Weltenburg noch nicht erlebt. Hier ist in der Saison und vor allem am Wochende die Hölle los.

Drei Jahre zuvor hab ich das exakt gleiche Foto gemacht.

Diese kurze Durchbruchsstrecke ist wirklich sehr schön.

Es geht sehr schnell und schon lässt man die Weltenburger Enge hinter sich und Kelheim ist in Sicht. Die Ausflugsschiffe waren alle noch fest verankert und die Saison fängt erst Ende März an. Markant im Hintergrund zu sehen ist die Befreiungshalle, erbaut auf dem letzten Höhenzug vor dem Zusammenfluss des Main-Donau Kanals mit der Donau. Ich stehe solchen nationalen Prunkbauten eher kritisch gegenüber und finde das überflüssig.

Hier im Rückwärtsgang zu sehen ist die Mündung der Altmühl bzw. des Main-Donau-Kanals. Links die Donau und von rechts kommt der MDK. Durch ihn wurde eine Direktverbindung für die Schifffahrt von Rotterdam bis Constanța möglich. Also Nordsee bis Schwarzes Meer. Und die Donau wird wieder um eine Spur breiter. Für Paddler bedeutet das ab hier Augen und Ohren auf wegen der Grosschifffahrt.

Das war das einzige „Schiff“ das ich bis Regensburg zu Gesicht bekommen habe.

In Bad Abbach, Regensburg und Straubing gibt es Bootsrutschen, auch Borstenpass genannt. Wenn das nur überall so wäre, der Traum.

Nach Bad Abbach dämmerte es langsam und es wurde Zeit, sich nach einem Campspot umzuschauen. Auf der rechten Seite verlief der Donauradweg, und es war aussichtslos, da etwas zu finden, so habe ich mich über eine sehr lange Strecke links gehalten. Es war ewig nichts zu finden, alles Agrarfläche bis dicht an das Ufer und danach Golfplätze. So bin ich im Halbdunkeln an einem flachen Kiesstrand bei Sinzing angelandet. Hier verlief zwar auch direkt ein Weg hinter dem Strand zum Ort, aber das war mir in dem Moment egal. Ich war total erschöpft und wollte nur noch schnell das Zelt aufbauen und etwas essen. 50m weiter hatte sich die Dorfjugend vor einem Feuer mit lauter Musik versammelt. Vorerst hatte ich Bedenken, dass die, sobald ich im Zelt liege und schlafe, aus Jux oder im Delirium mir das Zelt einrennen. Das war aber total unbegründet. Im Gegenteil, manche von ihnen kamen vorbei, während ich gerade beim Abendessen war, und fragten mich, was ich hier mache. Nachdem ich Ihnen erzählt habe, was meine Mission ist, waren sie total begeistert.

Tag 8

Sinzing bis Regensburg 

8km

Kein Nebel beim ersten Blick nach draußen. Die letzte Nacht hatte ich keinen guten Schlaf, das lag aber nicht an der Kälte. Mit zwei Schlafsäcken ist 0 Grad kein Problem. Ich hatte mal wieder Oberschenkel- und Wadenkrämpfe. Die sind manchmal so unangenehm, dass, sobald ich die Füße beim Schlafen anwinkle, sofort Krämpfe bekomme. Das Mittel dagegen ist am besten aufstehen und herumlaufen. Das gestaltet sich aber als schwierig, wenn man in zwei Schlafsäcken liegt. Ein Blick auf die Wettervorhersage ergab nichts gutes, eigentlich wollte ich ja bis Straubing fahren aber es sollte ab Mittag regnen und nur 8 Grad am Nachmittag geben. Die Strecke nach Straubing ist fast nur stehendes Wasser und 50km lang. Das wollte ich mir zumindest bei Regen und Kälte nicht antun. So habe habe ich mich entschieden in Regensburg die Fahrt zu beenden.

Der Platz, den ich gestern Abend im Halbdunkel gefunden habe, entpuppte sich im Tageslicht als sehr schöner Kiesstrand. Ich habe mir noch meinen morgendlichen Kaffee gekocht, währenddessen einem Wanderer, der sich vor mir plötzlich ausgezogen hat und in der Donau baden ging, zugeschaut und habe mich dann auf den Weg gemacht für die restlichen 8 km bis Regensburg.

Ab Kelheim ändern sich die Kilometer Tafeln. Sie sind jetzt Schwarz mit weisser Schrift und für die Binnenschiffahrt besser zu erkennen.

Dann ging es in einer langgezogen S-Kurve nach Regensburg. Hier verkehrt die Fähre Prüfening. Danach folgt von links direkt die Mündung der Naab.

Am Regensburger Kajakclub bin ich ausgebootet und habe meine Fahrt beendet. Während dem Abbau kam noch die Sonne raus und ich war am zweifeln ob das die richtige Enscheidung war. Als ich dann später im Zug saß hat es angefangen zu regnen und ich war beruhigt.

Ich bin nach dem Abbau noch den Fußweg entlang der Donau bis zur Steinernen Brücke gelaufen.

Auf dem Weg hab ich eine Infotafel zum Jahrhunderthochwasser 1998 gelesen. Unglaublich wie hoch das Wasser hier war. Bis zur Oberkante der massiven Dreiecke stand das Wasser.

Die Ausflugsschiffe waren hier schon in Betrieb. Von hier aus habe ich dann einen Bus zum Bahnhof genommen und dann gings wieder nach Hause.

Tag 9

Regensburg – Pfatter

30km 18 Grad

Ende April ging es weiter und ich habe die lange Anfahrt auf mich genommen, um 3 Tage bestes Sonnenwetter zu nutzen. Der Pegel Deggendorf war zwar niedrig (197 cm, fast schon Niedrigwasser), aber ich kann mir meine Zeitfenster nicht nach Belieben aussuchen. Wegen der langen Anfahrt, dem Aufbau und Packen bin ich erst um zwei vom Kajakclub Regensburg losgekommen.

Dann ging es endlich los und nach ein paar Hundert Metern kam direkt die Bootsgasse von Regensburg.

Einen Kilometer danach folgt das Stadtgebiet und die Steinerne Brücke aus dem 12. Jahrhundert.

Die Durchfahrt wird empfohlen im zweiten Joch von rechts, so habe ich das auch gemacht. Die Wirbel und Strudel nach den Brückenpfeilern fand ich harmlos an diesem Tag. Dahinter haben Ausflugsschiffe gewendet. Die sollte man im Blick haben. Deutlich heftiger fand ich die Durchfahrt unter der Eisernen Brücke direkt danach, da gab es höhere Wellen. Nach dem Stadtgebiet von Regensburg fängt schon der Rückstau von Geisling an und die Donau wird sehr breit. Dann zieht es sich zwei große Flusskurven lang hin und es war mühsam, mit dem starken Gegenwind voranzukommen.

Kurz nach Regensburg habe ich erst mal eine Pause gemacht. Eigentlich gab es keinen Grund zum Beschweren, keine Wolke am Himmel und endlich wieder passable Temperaturen, um draußen zu schlafen. Trotz Staustrecke ist die Donau nach wie vor ein wunderschöner Fluss.

Dann bin ich an der Walhalla vorbeigekommen, wieder so ein imposantes Bauwerk, das meiner Meinung nach aber einen fragwürdigen Hintergrund hat.

Dann wurde der Gegenwind richtig unangenehm und ich habe realisiert, dass ich es mit dieser Geschwindigkeit nicht bis Straubing schaffen würde.

Die Schafe waren eine kurze Abwechslung im Windkanal.

Nach der Umtragung der Staustufe Geisling war es schon spät und mein ambitionierter Plan heute noch bis Straubing zu kommen hat sich als unrealistisch erwiesen.

Bei der Pfatterer Au habe ich als Ausgleich für die Strapazen einen traumhaften Lagerplatz auf der rechten Uferseite gefunden. Nachdem ich gegessen und das Zelt aufgebaut hatte und halb dösend noch meine Tourlektüre „Abenteuer Baikal“ von Detlef Henschel las ist mir eingefallen, dass das Boot noch zu weit unten am Ufer lag. Bevor ich vollends einschlief, habe ich mich noch aufgerafft, das Boot ein paar Meter weiter hochgezogen, sodass es sicher vor den Wellen der Schiffe war, und mich direkt wieder hingelegt. Ich war so fertig und bin gleich in einen tiefen Schlaf gefallen. Nach so einem anstrengenden Tourtag schläft man wie ein Stein.

Tag 10

Pfatter – Winzer

76km 22 Grad

Tief und fest habe ich durchgeschlafen. Beim ersten Blick aus dem Zelt dachte ich: „Irgendwas ist anders. Das Boot lag wieder unten am Ufer, mindestens 4 bis 5 Meter von der Stelle entfernt, wo ich es am Vorabend hochgezogen hatte. Das hat mir wieder ins Gedächtnis gerufen: Boot immer festbinden!

diDann ging es los Richtung Staustufe Straubing. Ich bin früh gestartet, um morgens noch die Windstille auszunutzen. Es dauerte aber nicht lange, bis die Böen aus Ost wieder einsetzten. Es war wirklich zäh und kräftezehrend. Endlich an der Staustufe angekommen habe ich erst mal angelegt, pausiert und gecheckt, ob die Bootsgasse fahrbar ist, und sie sah erst mal frei aus. Ich habe aus der Ferne aber nicht gesehen, dass am Ende Angler saßen, die ihre Ruten direkt in den Auslauf gehängt haben. Diese Bootsgasse ist die längste und wildeste von allen und ich bin ziemlich schnell geworden. In letzter Sekunde habe ich die Angelschnüre gesehen und mich so klein wie möglich gemacht, ich bin gerade so durchgekommen. Ich weiss auch nicht was die Angler sich dabei gedacht haben.

Bogen auf dem Bogenberg. Nach der Staustufe fängt der längste freifließende Abschnitt der Donau in Deutschland an. Endlich wieder Strömung! Für 72 Kilometer keine Hindernisse. Die Strecke war lange Zeit bedroht durch eine geplante Staustufe mit Kraftwerk bei der Mühlhamer Schleife. Vorerst ist das verhindert worden, die Pläne sind aber noch nicht aufgegeben.

Weiter, immer weiter…

Wenn der Damm nicht so hoch war, dann konnte man am Horizont immer den Bayerischen Wald sehen.

Kurz nach der Deggendorfer Autobahnbrücke mündet von rechts die Isar und verleiht der Donau einen gewaltigen Geschwindigkeitsschub. Beim rückwärts an der Mündung vorbeitreiben lassen hatte ich beim Fotografieren plötzlich einen Krampf in der Bauchmuskulatur und konnte kein brauchbares Foto machen. Daher hier ein Foto von Google: CC BY-SA 4.0 by Simon Waldherr. Wenn man genau darauf achtet, kann man das Rauschen der Kieselsteine hören, die die Isar mitbringt, ein wunderbares Geräusch.

Kurz vor der Mühlhamer Schleife war die Strömung immer noch gut und langsam fing es an zu dämmern.

Für diesen Lagerplatz kurz vor Winzer musste ich das Boot ein ganzes Stück das flache Ufer hochziehen. Ich wollte aber sicher sein vor den Wellen der Schiffe, und die freie Fläche mit der weiten Sicht auf den Bayerischen Wald hat mir sehr gut gefallen. Bzgl „Wildcampen“ hatte ich den Eindruck, dass die Menschen in Niederbayern um einiges entspannter sind als in Baden-Württemberg. Überall standen Camper am Ufer. Es wurde an allen Ecken gezeltet und Feuer wurde auch öfters gemacht. Verboten hin oder her, wenn man seinen Platz wieder ordentlich verlässt, ist das doch alles kein Problem.

Der hatte stromaufwärts ganz schön zu kämpfen, er hat ewig gebraucht bis er an mir vorbeifuhr.

Der Mond kam raus in einem wundervollen Orangeton. Keine Kamera kann das in den originalen Farben festhalten.

Tag 11

Winzer – Passau

42km 25 Grad

Am darauffolgenden Morgen wurde ich wieder mit strahlendem Sonnenschein begrüsst. Es sollte bis 26 Grad geben. Der wärmste Tag bis jetzt im Jahr. Es standen an diesem Tag 20km mit und 20km ohne Strömung an.

Der Frachter in der Mitte war stromaufwärts am überholen und hatte ordentlich Schub gegeben. Es muss ein Schiff älterer Bauart gewesen sein, die Heckwellen waren heftig als ich gekreuzt habe. Bei älteren Frachtern entstehen zum Teil hohe Wellen, da sie nicht hydrodynamisch optimiert sind.

In Hofkirchen gab es eine Bäckerei, nur ein paar hundert Meter von dieser Rampe entfernt. Das habe ich genutzt um meine Vorräte aufzufüllen.

Nach der Brücke von Vilshofen hört die Strömung dann vollständig auf und die freifliessende Strecke ist vorbei.

Passend zur Staustrecke hat der Gegenwind wieder eingesetzt. Die letzten 20 Kilometer haben sich in Zeitlupe hingezogen, wenn ich in der Mitte des Flusses gefahren bin dachte ich dass ich auf der Stelle paddle.

Fix und fertig bin ich an der Staustufe Kachlet angekommen.

Die Staustafe Kachlet, kurz vor Passau muss wieder klassisch umtragen werden. Umtragweg ca 600m.

Und es gibt endlich wieder Strömung.

Hier wurde es kurz mal eng und wild. Der Frachter stromaufwärts kam mir genau entgegen als ich an den ankernden Kreuzfahrtschiffen vorbeikam, die haben die Wellen schön reflektiert und zurückgeworfen.

Der Turm vom alten Rathaus, schick im venezianischen Stil.

Die Feste Niederhaus, ein paar Meter danach kommt von links die Ilz, hier kann man einen Kilometer stromaufwärts fahren zum Kanuclub Passau, die haben auch einen Zeltplatz.

Erschöpft aber glücklich bin ich am Ziel, dem Stadtstrand von Passau Innstadt angekommen. Für die geplante Abreise war ich eh zu spät dran, so habe ich gemütlich das Boot zerlegt und verpackt, noch ein Bad in der eiskalten Donau bzw. dem Inn genommen und mich noch ein paar Stunden in den Sand gelegt. Ein besonders schöner Ort mit einer grandiosen Aussicht auf Passau.

Hier geht es weiter mit Teil 2