ETAPPE 2:
ÖSTERREICH, SLOWAKEI UND UNGARN
Die Donau in Österreich, Slowakei und Ungarn habe ich in zwei Etappen befahren. Die erste Hälfte ab Passau war sehr zäh wegen Niedrigwasser. Mir kam es vor, als ob ich nur auf komplett stehendem Gewässer gepaddelt bin. Bei der zweiten Hälfte ab Pöchlarn war das Gegenteil der Fall. Abfließendes Hochwasser, also flotte Strömung, dafür kaum Kiesbänke, und es war schwer, gute Lagerplätze zu finden. Dafür gab es Stechmücken en masse. Die Donau ist in Österreich zu einem stattlichen Fluss gewachsen und hat schon eine imposante Breite. Landschaftlich ist der Großteil von Österreich sehr schön anzuschauen. Wie in Deutschland ist aber auch hier der Fluss totgestaut. Highlights in Österreich sind die Schlögener Schlinge, die Wachau und die Hainburger Aue.

Die Donau entsteht am Rande des Schwarzwalds aus den beiden Quellflüssen Brigach und Breg, fliesst ca. 2800km ostwärts und mündet im Gebiet von Rumänien und der Ukraine in einem riesigen Delta ins Schwarze Meer. Auf ihrer langen Reise durchstreift sie 10 Länder, sie ist der internationalste Fluss der Erde. Grafik von Daniel Ullrich (Threedots), CC BY-SA 3.0
Tag 12
Passau – Schlögener Schlinge
36km 22 Grad

Im Herbst 2023 hatte ich noch ein paar Tage frei und habe die Fahrt von Passau aus fortgesetzt. Nach 6-stündiger Anfahrt mit verpasstem Anschluss der Deutschen Bahn bin ich dann angekommen, als es bereits dunkel war. Dann ging es erst mal zum Stadtstrand von Passau-Innstadt und ich habe mich schlafen gelegt. Am nächsten Morgen gab es ordentlichen Nebel.

Passau-Innstadt hat einen sehr schönen Stadtstrand, ich habe während der Radtour hier auch schon gecampt. Man muss zwar eine lange Strecke vom Bahnhof hierher laufen, aber es lohnt sich. Ich wollte einen sicheren, unkomplizierten Ort zum Schlafen und morgens entspannt das Boot aufbauen. Das ist ein idealer Platz dafür, hier hat man seine Ruhe und die Sicht auf Passau ist grandios.

Passau ist meiner Meinung nach die schönste Stadt Bayerns. Auf dem Bild sieht man den Inn von links und die Donau von rechts zusammenfließen. Der Inn ist am Zusammenfluss wasserreicher als die Donau selbst und wäre ihr Hauptstrang, wenn die Donau insgesamt nicht länger wäre.

Morgens gab es fast täglich eine Stunde Nebel mit Sichtweite bis unter 50 m. Ich bin relativ nah am Ufer gefahren und dann geht das schon klar. Wichtig ist es vor allem auf das niederschwellige Geräusch der Schiffsdiesel zu hören die von hinten kommen. Mit der Zeit entwickelt man dafür ein Gehör.

Tagsüber hatte dafür traumhaftes Wetter. Die ersten Kilometer nach der Innmündung war noch spürbar Strömung vorhanden, das sollte sich bald ändern.

An der Mündung des großen Kösselbachs habe ich eine Pause gemacht.

In Obernzell bei der Fähre habe ich angelegt, pausiert und den nah gelegenen Supermarkt besucht.

Eine ankernde Schubleichtereinheit. Die können gigantisch werden wenn sich mehrere zusammenschliessen. Es gibt Schubleichter-Verbände von bis zu 6 Leichtern, die sind so groß dass sie wie eine schwimmende Stadt aussehen.

Das Kraftwerk Jochenstein ist schon eine ganze Dimension größer als seine Vorgänger. Hier hält man sich ganz rechts bis kurz vor dem Kraftwerk und bootet dann über eine Rampe aus. Bootswagen sind vorhanden, falls man keinen dabei hat. Der Umtragweg ist ca. 300 Meter und es geht wieder über eine Rampe ins Unterwasser. Schleusen ist auch für Paddler möglich, in Österreich aber nur mit Schwimmweste, da ein Paddler vor Jahren in einer Schleuse ertrunken ist.

Kurz vor der Schlögener Schlinge wurde es bereits dunkel und ich musste mir Gedanken um einen Schlafplatz machen. Es gab zwar den Campingplatz in Schlögen, aber wenn es nicht unbedingt sein muss dann versuche ich das zu vermeiden. Leider war lange nichts Brauchbares zu finden. Ich bin dann am linken Ufer raus und habe das Boot ein paar hundert Meter auf dem Donauradweg bis zu einem Abzweig gerollt und da einen schön versteckten Platz gefunden.
Tag 13
Schlögener Schlinge bis Ottensheim
41km 14 Grad

Die Einstiegsstelle am nächsten Morgen habe ich mir nicht besonders gut ausgesucht, aber andere Möglichkeiten hatte ich gar nicht weil alle Ufer mit groben Steinen befestigt waren. Das Wasser war so seicht und schlammig dass ich mich mit halbem Paddel erst mal herausstaken musste.

Morgens kurz vor Schlögen, leichter Nieselregen und obwohl das Kraftwerk Jochenstein nicht weit hinter mir lag war die Donau gefühlt ein See, keine Strömung und jeder Meter war ein Kraftakt, vielleicht lag das aber auch daran dass ich nicht hunderprozentig fit war…

Ich schaue den Schiffen immer gerne zu, kann mir wiederum nicht vorstellen, auf so einer Flusskreuzfahrt mitzufahren. Aber wer weiß, sag niemals nie, wenn ich alt bin und mich nicht mehr bewegen kann, gönne ich mir vielleicht doch sowas, aber nur, wenn es auch ins Delta fährt …

Die Donau ohne Bootswagen wäre für mich ein No-Go. Der Beach Rolly von Ekla ist zwar relativ groß und sperrig, hat aber so viele Vorteile, dass er mittlerweile auf keiner meiner Touren mehr fehlen darf. Die Kombination aus Transportwagen, Umtragewagen und gemütlichem Stuhl ist unschlagbar. Respekt an Daniel Weißbrodt der die Donau Komplettbefahrung ab Regensburg ohne Bootswagen gemacht hat.

Burg Neuhaus thront auf einer Anhöhe. Das Mühlviertel ist landschaftlich wirklich sehr schön, wäre die Strömung nur etwas vorhanden…

Dann folgt das nächste Kraftwerk, die Staustufe Aschach. Links umtragen,ab jetzt ändert sich wieder die Landschaft und es folgt Flachland.

Nach Aschach sind es kaum 10 km zum Kraftwerk Ottensheim und ich habe unterwegs keine Fotos mehr gemacht. Hier bootet man an einer Rampe links aus und umträgt in einen Altarm der bereits das Level des Unterwassers hat. Eigentlich wollte ich an der Mündung des Innbachs übernachten, ich kannte den Platz schon von der Donauradtour. Aber es wurde immer dunkler und bei der Umtragung des Kraftwerks Ottenheim habe ich rechts im Altarm neben der Regattastrecke einen brauchbaren Platz gefunden.
Tag 14
Ottensheim bis Langenstein
31km 21 Grad

Ich steh voll auf Nebel, trotzdem habe ich vernünftigerweise etwas abgewartet da sich so eine schlechte Sicht mit Schiffsverkehr nicht gut verträgt.

Als der Nebel sich dann gelichtet hatte, ging es los durch die Regattastrecke der Ruderer, vorbei an Schloss Ottensheim wieder in den Hauptstrom.

Dann war Linz in Sicht. Der Rückstau vom Kraftwerk Abwinden-Asten war hier schon zu spüren.

Linz fand ich vom Wasser aus nicht besonders anziehend.

Kraftwerk Abwinden-Asten: Die Staustufen werden immer gigantischer und die Donau immer breiter. Der Ausstieg ist links, die Umtragung in den niedrigeren Altarm, so wie in Ottensheim.

Maßstäbe

Traumhafter Paddler-Rastplatz kurz vor Mauthausen. Durch die Feuchtigkeit und das Kondenswasser im Herbst war immer alles durchnässt und ich hatte Probleme, meine Sachen trocken zu bekommen. Hier habe ich mal die Möglichkeit genutzt und alles zum Trocknen aufgehängt.
Tag 15
Langenstein bis Krenn
47 km 25 Grad

Und pünktlich zum Sonnenaufgang ging es raus aus den Federn. Für Anfang Oktober hatte ich unglaublich gutes Wetter. Mir ist es schwergefallen diesen Platz wieder zu verlassen. Hier hätte ich glatt ein paar Tage verbringen können.

Nach etlichen Kilometern strömungslosem Paddeln folgte dann das Kraftwerk Wallsee-Mitterkirchen. Hier bootet man rechts aus und umträgt in den Atarm. Als ich unten war, habe ich gleich gemerkt, dass es wegen des Niedrigwassers viel zu seicht war. Ich bin wieder zurück und den Radweg ca. 2km entlang der Donau gelaufen, dann über die Brücke rechts und am Stadtstrand von Wallsee konnte ich dann gut einsetzen.

Es war wenig Wasser im Fluß wie hier auf dem Bild gut zu sehen ist. Allen die die österreichische Donau fahren wollen empfehle ich: Unbedingt bei Hochwasser oder abfliessendem Hochwasser fahren sonst ist das eine Plackerei ohne Ende.

Grein mit Schloß Greinburg, hier habe ich meine Vorräte für die nächsten Tage aufgefüllt.

St.Nikola an der Donau

Die gesamte Strecke vor dem Kraftwerk Ybbs-Persenbeug war an beiden Uferseiten gesäumt vom Donauradweg, und ich habe mal wieder über lange Zeit keinen Campspot finden können. Da ich ziemlich fertig und es schon fast dunkel war, habe ich dann notgedrungen auf dem Campingplatz von Krenn übernachtet.
Tag 16
Krenn bis Pöchlarn
23km 21 Grad

Kraftwerk Ybbs-Persenbeug, eine klassische Umtragung ohne einen Altarm. Rechts ausbooten über einen kleinen Ponton-Steg. Der Einstieg danach ist nicht besonders paddlerfreundlich, zumindest nicht für Boote mit Expeditionsgepäck, da es einige steile Stufen runtergeht. Ein Radfahrer hat mir geholfen, das Boot ins Wasser zu bringen.

Dieser markante Granitsteinbruch ist der Beginn des Nibelungengaus.

Das Kloster Melk ist schon in Sicht. Da meine Erkältung immer stärker wurde, habe ich mich entschlossen, in Pöchlarn die Tour zu beenden, bevor ich richtig krank werde.

Es wurde auf der Rückfahrt so spät, dass es leider keine Verbindung mehr nach Stuttgart gab, und ich musste notgedrungen in Neu-Ulm am Bahnhof neben einem defekten Fahrstuhlschacht übernachten. Um 4 Uhr in der Früh gab es dann die nächste Verbindung und ich bin dann direkt zur Arbeit gefahren …
Tag 17
Pöchlarn bis Aggsbach
16 km 30 Grad

Im Juli 2024 ging es weiter. Der erste Tag hat Anreise, Bootsaufbau und Packen in Anspruch genommen, dann kam noch ein Gewitter dazwischen, das ich am Ufer unter der Platform des Skateparks ausgesessen habe. Es war schon Abend, bis ich losgekommen bin.

Dann stand erst mal die Umtragung der Staustufe Melk an. Hier geht es links an einer Rampe raus und dann mal wieder in einen Altarm. Dieser Altarm war sehr schön und es gab ein Strandbad mit schwimmender Platform an der ich erst mal angelegt habe und ein paar mal ins Wasser gesprungen bin. Es war sehr heiss.

Am Ende des Altarm musste ich natürlich nochmal umtragen.

Als ich bei Schloss Schönbühel vorbeigekommen bin hat sich der Himmel dann wieder zugezogen und es gewitterte schon wieder leicht.

Es dämmerte schon und kurz nach Schönbühel bin ich auf der rechten Seite in einen wunderschönen Altarm abgebogen, um Ausschau nach einem Lagerplatz zu halten. Hier ist mir der enorme Wasserstand das erste Mal richtig bewusst geworden. Es war abfließendes Hochwasser. Ganz am Ende des Altarms habe ich dann einen brauchbaren Lagerplatz gefunden, der Ausstieg war zwar komplett verschlammt aber auf der Anhöhe war der Boden dann fest genug.

Diese Tour hatte ich so eigentlich nicht geplant. Ursprünglich wollte ich eine Radtour um die Ostsee machen, dann ist mir im Mai eine schwere Lungenentzündung dazwischengekommen. Während des Krankenhausaufenthaltes hatte ich eine Lungen-CT und es gab verdächtige Stellen. Die Ärzte hatten Bedenken, dass der Krebs vielleicht zurück ist. Nach einer Biopsie hat sich dieser Verdacht zum Glück nicht erhärtet und ich konnte wieder nach Hause. Durch diese Geschichte hat sich die Länge meines Urlaubs leider verkürzt und ich habe beschlossen, wieder mal ein Stück auf der Donau weiterzufahren. Das war eine gute Entscheidung, die Ruhe, Stille und Einsamkeit waren genau das Richtige nach dieser Krankheitsphase.
Tag 18
Aggsbach bis Zwentendorf
53 km 33 Grad

Am nächsten Morgen ging es durch die Wachau , darauf habe ich mich besonders gefreut. Sie ist neben dem Nationalpark Donauauen Österreichs letzte freifließende Donaustrecke und landschaftlich sehr schön.

Die vielen Burgen und Ruinen erinnern an das Rheintal ab Bingen.

Dürnstein

Die Strömung war durch die freifließende Strecke und das Hochwasser irre schnell und das schöne Tal war ruckzuck vorbei.

Bei Krems gab es einen Meilenstein. Noch 2000 km bis zum Schwarzen Meer.

Die Landschaft wurde wieder flacher und die nächste Staustufe war in Sicht. Kraftwerk und Schleuse Altenwörth, Umtragung auf der linken Seite in einen Altarm und am Ende nochmal umtragen .

Die graue Farbe der Donau kommt durch den hohen Wasserstand, viele Sedimente und Schwebstoffe werden dann mitgeführt.

Es war schon spät am Abend, und direkt hinter dem nie in Betrieb gegangenen Kernkraftwerk Zwentendorf habe ich am gegenüberliegenden Ufer einen brauchbaren Campspot gefunden.

Ab und zu habe ich auch andere Paddler gesehen, bei der schnellen Strömung ist es aber oft gar nicht so leicht, ins Gespräch zu kommen. Wanderpaddler habe ich auf diesem Tourabschnitt keinen einzigen gesehen. Zu zweit oder in der Gruppe zu reisen, hat viele Vorteile, zum Beispiel Logistik und Einkaufen. Vor allem wenn man in unsicheren Gegenden unterwegs ist. Ich bin generell dafür offen, aber auf der anderen Seite kann man alleine das Reisetempo und die Etappenlänge selber bestimmen und muss sich nicht absprechen.
Tag 19
Zwentendorf bis Fischamend
65 km 34 Grad

Am nächten Morgen hatte ich für eine lange Strecke einen blinden Passagier, der sich erst während der Fahrt gezeigt hat. Sie kroch ein paar mal das Boot rauf und runter bis ich sie bei der nächsten Staustufe abgesetzt habe.

Umtragung der Staustufe Greifenstein, die letzte vor Wien. Hier ging es runter zum Altarm, der wirklich sehr schön ist. Unten beim Einstieg ist ein FKK-Bereich mit vielen kleinen Buchten zum Entspannen, und passend zur extremen Hitze konnte ich endlich mal wieder frei und ohne Kleidung ins Wasser. Danach ging es bis zum Ende des Altarms und da musste ich nochmal umtragen. Auf der anderen Seite ist der Club Kanu Union Greifenstein. Ob man da zelten kann, habe ich nicht herausfinden können.

Kurz vor dem Stadtgebiet von Wien kam urplötzlich ein irrer Gegenwind auf, in einer Stärke, die ich noch nie erlebt habe. Innerhalb kürzester Zeit waren die Wellen bis einen Meter hoch und ich bin fast gekentert. So schnell wie der Wind kam, ging er auch wieder. Am Anfang des Stadtgebiets von Wien teilt sich die Donau auf. Links fließt die neue Donau, kanalisiert und strömungslos. Rechts geht es im Donaukanal, schmal und mit schneller Strömung, durch die Innenstadt von Wien.

Hier bin ich bei der Umtragung am Wehr und Schleuse Nussdorf, schick im Jugendstil erbaut. Kurz vor dem Wehr befinden sich große Treppen, die einen bequemen Ausstieg ermöglichen. Bei meiner Ankunft war vom Hochwasser ein Drittel der Treppen von Wasser und Schlamm bedeckt. Die Umtragung ist bis zur Treppe beim Einstieg kein Problem, als Solopaddler wurde es dann sehr anstrengend. Es gehen lange Doppelstufen runter, das schwer beladene Faltboot da herunterschleifen wollte ich nicht. Das Boot zu entladen, war auch keine Option, da ich es eilig hatte. Ich habe meine Fahrzeit exakt nach dem Twin City Liner gerichtet. Also habe ich mich an den Donauradweg gestellt, der hier direkt verläuft, und versucht, Leute anzuhalten. Entweder muss ich einen zwielichtigen Eindruck gemacht haben oder der Wiener an sich ist nicht hilfsbereit. Es kamen eine Menge Leute vorbei, aber irgendwie hatte keiner Lust zu helfen. Nach knapp 10 min hat sich dann einer erbarmt, der das Boot mit mir zusammen heruntergetragen hat. Im Endeffekt hat das so lange gedauert, ich hätte es auch einfach alleine machen können …

Direkt nach dem Einstieg kam plötzlich wieder eine stürmische Böe und mir hat es die Cap vom Kopf gerissen. Erstmal ist sie in den Fluten verschwunden, aber nach 50 Metern wieder neben mir in der Strömung aufgetaucht, so konnte ich sie wieder greifen. Glück gehabt.

Dann ging es für einige Kilometer Richtung Zentrum unter vielen Brücken und durch ein paar Unterführungen.

Bei der Fahrt durch Wien habe ich bewusst den Donaukanal gewählt, Er ist 17 km lang, hat eine schnelle Strömung, führt mitten durch die Stadt und ist eine willkommene Abwechslung zur kanalisierten Donau, die relativ weit und ohne Strömung an der Stadt vorbeifließt. Man sollte aber auf die Fahrzeiten des Twin City Liners achten, das ist ein Schnellkatamaran, der zwischen Wien und Bratislava pendelt. Er hat einen Jetantrieb und verursacht dadurch heftige Wellen und Verwirbelungen. Den möchte man in dem schmalen Kanal nur ungern begegnen. Ich habe ihn dann später nach der Fahrt durch Wien direkt auf dem Hauptstrom getroffen, er ist bis zu 60 km/h schnell. Selbst das „kleine“ Ausflugsschiff auf dem Bild links hat enorme Wellen gemacht und man muss beim Paddeln aufpassen.

Ab dem Schwedenplatz ist Vorsicht geboten, von hier aus pendelt der Twin City Liner. Direkt dahinter mündet von rechts die Wien, ein kleiner Nebenfluss in dem man sich verstecken kann bis er vorbeigefahren ist.

Die Uferbefestigung im Donaukanal lässt selten Pausen zu. Wenn man unbedingt mal raus muss, dann kann man das Boot auf die Uferfelsen hinaufziehen, vorausgesetzt, man hat nicht viel Gepäck dabei.

Auf den letzten Kilometern des Donaukanals sind einige der sogenannten Daubelhütten zu sehen. So wie ich gelesen habe, werden die aber eher als Wochenendhaus zum Feiern statt zum Fischfang genutzt.

Diese Daubelhütte hat dem Hochwasser leider nicht standgehalten. Es muss echt heftig gewesen sein.

Der Twin City Liner auf dem Hauptstrom, aus sicherer Entferung.

Es war schon wieder spät und nach der Mündung in den Hauptstrom bin ich zur linken Uferseite gewechselt und habe Ausschau nach Lagerplätzen gehalten. Das Wasser ging bis kurz vor die Auwälder, keine Kiesbänke weit und breit, und es war gar nicht so leicht, etwas zu finden. Gegenüber des Wiener Flughafens bei Fischamend habe ich dann einen brauchbaren Platz entdeckt. Der Wahnsinn, wie viele Stechmücken es hier gab. Es war fast an der Grenze des Erträglichen. Trotzdem wollte ich mich abends nicht ins Zelt verkriechen.
Tag 20
Fischamend bis Dunakilti
67 km 25 Grad

Malerische Morgenstimmung. Allein für solche Momente lohnt es sich früh aufzustehen. Die Fliessgeschwindigkeit zwischen Wien und Bratislave ist enorm, stellenweise wie auf dem Rhein, bis zu 10 km/h.

Der Braunsberg ist in Sicht, dieser kleine Berg markiert die Thebener Pforte und ist ein geologisches Bindeglied zwischen Alpen und Karpaten. Am Fuße liegt Hainburg, die östlichste Stadt Österreichs. Links von Hainburg war in den 80er Jahren eine Große Staustufe mit Kraftwerk geplant, die wurde zum Glück durch Proteste der Bevölkerung verhindert. Dadurch ist der Nationalpark Donauen entstanden.

Hainburg, letzte österreichische Stadt vor der Slowakei. Es gibt einen Supermarkt nur ein paar hundert Meter entfernt von dieser Rampe. Ideal, um Vorräte aufzufüllen. Und der Bahnhof ist auch nicht weit.
ETAPPE 3:
SLOWAKEI
Die Fliessstrecke der Donau in der Slowakei ist relativ kurz und fast immer Grenzfluss zu Ungarn. Es gibt nur zwei Hindernisse. Die Staustufe Gabcikovo und die Sohlschwelle Dunakiliti. Es ist sehr schöne Strecke, fern von Städten und Zivilsation. Es gibt hier mehr Möglichkeiten Lagerplätze zu finden da die Ufer nicht so stark reguliert sind wie in Österreich.

Die Festung Devon mit der Mündung der March. Hier verlief früher der Eiserne Vorhang.

Auf gehts in den wilden Osten.

Rumänischer Schubleichter aus Galați. Immer wenn ich die sehe, bekomme ich Fernweh und muss an das Das Donau-Delta denken…

Bratislava, die Hauptstadt der Slowakei. Die Strömung ist hier rasant und man ist schneller durch die Stadt als man schauen kann.

Der UFO Tower von Bratislava.

Wenn wir schon mal in Bratislava sind: Ein Roman für alle Donau Fanatiker: Tod auf der Donau von Michal Hvorecky

Nach dem Stadtgebiet von Bratislava hört die Strömung auf und die Donau verbreitert sich seenartig. Ich hatte starken Seitenwind von West, musste ordentlich gegenhalten und habe bereut, dass ich meine Steueranlage nicht installiert hatte. Hier sollte man sich immer nach den Inseln orientieren, so wie auf dem Bild rechts zu sehen, und knapp links an ihnen vorbeifahren. Man kommt ganz am Ende dann zu einer Halbinsel, der Staustufe und Schleuse Gabčíkovo, auf der die Umtragestelle zur alten Donau auf der rechten Seite zu finden ist. Es geht kurz über die Straße, dann ein 300-Meter Stück durch den Wald, bis man wieder einbooten kann. Es hat dann angefangen zu regnen, aber nicht so stark, dass eine Regenjacke notwendig gewesen wäre.

Nachdem ich in die „alte Donau“ umgesetzt habe wurde es richtig einsam. Hier gibt es für knapp 40km keine Siedlungen und Zivilisation, der Fluss bildet die Grenze zwischen der Slowakei und Ungarn.

An dieser Stelle teilt sich die alte Donau. Rechts ist das ehemalige Gemeinschaftskraftwerk Dunakiliti, das fertiggestellt, aber nie in Betrieb gegangen ist, da sich Ungarn und die Slowakei nicht einigen konnten. Hier auf jeden Fall links fahren. Nach ein paar hundert Metern kommt die große Sohlschwelle Dunakiliti, das letzte Hinderniss auf der Donau bis nach Serbien zum eisernen Tor. Kurz vor der Sohlschwelle ist links eine Rampe an der man komfortabel aussetzen kann. Sie ist erst auf die letzten Meter zu erkennen.

Gebänderte Prachtlibelle

Nach einem langen Paddeltag habe ich mich entschlossen, direkt an der Umtragestelle von der Sohlstufe Dunakiliti zu übernachten.

Direkt hinter meinem Zelt habe ich das größte Spinnennetz, das ich jemals gesehen habe, entdeckt. Ein bis Zwei Meter Durchmesser. Ich bin kein Experte, aber so wie das Netz aussah, eine Radnetzspinne. Die Spinne war auch nicht gerade klein. Ich habe versucht, so weit wie möglich weg von ihr mein Lager aufzubauen, um sie so wenig wie möglich zu stören.

Der Platz war ideal, es gab eine Menge Feuerholz und zu meinem Erstaunen kaum Stechmücken. Hier habe ich auch das erste mal wild wachsende Maulbeeren gesehen, leider waren sie noch nicht reif.
Tag 21
Dunakiliti bis Komárno
78 km 24 Grad

Nach der Sohlstufe Dunakiliti geht es über 1000 km hindernissfrei Richtung schwarzes Meer, die Strömung war trotz hohem Wasserstand sehr schwach.
So sah es dann für die nächsten 35 km aus. Ich bin die alte Donau ohne Pause am Stück durchgepaddelt da es eh keine Möglichkeit gab anzulanden. Alle Kiesbänke und Inseln waren überflutet. Die Mitte des Flusses auf der Ich hier fahre ist genau die Grenzlinie zwischen der Slowakei und Ungarn.

Hier vereinigt sich die alte Donau mit dem Schiffahrtskanal von Gabčíkovo und ich war froh hier angekommen zu sein. Ab jetzt strömt es wieder stärker.

Eine kurze Exkursion in die überfluteten Auwälder, das Wasser stand immer noch sehr hoch. An Anlanden war hier aber nicht zu denken, da die Stechmückenschwärme sofort über einen herfielen.

Komarno, auf der anderen Seite die ungarische Stadt Komarom

Nach einem sehr langen Paddeltag von 78 Kilometern habe ich direkt nach Komárno, an der Waagmündung am linken Ufer einen perfekten Campspot gefunden, Brennholz war ausreichend vorhanden, so habe ich gleich eine Feuerstelle gebaut. Das war notwendig, denn hier waren die Stechmücken zu Tausenden vorhanden.
ETAPPE 4:
UNGARN
Die Donau in Ungarn hat keinerlei Hindernisse und eine konstant gute Strömung. So wie in der Slowakei gibt es sehr viel unregulierte Ufer und durch die vielen Sand und Kiesstrände kommt Urlaubsfeeling auf. Ich hatte trotz Hochwasser in Ungarn die schönsten Campspots, total abgelegen und einsam. Die Durchfahrt von Budapest ist spektakulär, danach gibt es bis zur serbischen Grenze wenig Zivilisation und Infrastruktur am Ufer.
Tag 22
Komarom bis Zebegeny
63km 24 Grad

Ich bin schon sehr früh von slowakischen Anglern geweckt worden, die ziemlich nah mit ihren Autos an meinem Zelt geparkt haben. Das war mir recht, ich bin ja eh schon Frühaufsteher, aber je früher, desto besser. Die Morgenstimmung auf dem Fluss hat oft etwas ganz Besonderes.

Die Kilometrierung der Donau verläuft verkehrt herum. Das Schild bedeutet: Noch 1728km bis zur Mündung.

Esztergom, die ehemalige Haupstadt Ungarns

Kurz hinter Estergom fliesst die Donau nun vollständig auf ungarischem Staatsgebiet.

Die Strömung ist noch ordentlich vorhanden so wie man hier sehen kann. Einerseits ist es entspannend die Donau ohne Hindernisse zu fahren, andererseits vermisse ich schon wieder die Umtragungen.

Kurz vor Višegrad habe ich dann am rechten Ufer pausiert und mein Smartphone inspiziert. Das hat in letzter Zeit immer mal wieder vertikale Streifen auf dem Bildschirm angezeigt, was mir etwas Sorgen bereitet hat. Es war dann schon spät am Abend und der Platz war so schön, dass ich gleich hiergeblieben bin.
Tag 23
Zebegeny bis Szentendre
42km 26 Grad

Jetzt folgt die kurze Durchbruchstrecke durch das Visegrader Gebirge, direkt danach knickt die Donau gerade nach Süden ab.

Festung Višegrad

Szentendre. Ein unruhiger Tag. Morgens beim losfahren musste ich feststellen dass mein Handy vollends hinüber ist, es zeigte nur noch weiße Streifen an. Ein neues musste her. Bloß woher ? Nach zig Mal durchfragen habe ich in Szentendre einen Shop gefunden. Der Verkäufer könnte mir aber angeblich nur ein Handy mit Jahresvertrag verkaufen und er meinte dass das in Ungarn so üblich ist . Erst Mal enttäuscht diskutierte ich mit ihm über eine Lösung und dann meinte er, er kenne da „jemanden“. Prompt bin ich zu dem dubiosen Händler der super nett war und auch noch gut Deutsch konnte. Er konnte mir dann natürlich ein Handy unlocked verkaufen „aus zweiter Hand“Ich war glücklich und konnte meine Fahrt fortsetzen.

Wegen dem ganzen Trubel habe ich mir dann einen halben Tag Pause am Privatstrand gegönnt, der Platz war einfach traumhaft und ich habe mein Camp gleich hier aufgeschlagen.
Tag 24
Szentendre bis Adony
66 km 29 Grad

Am nächsten Morgen war dann auch Budapest schnell erreicht, die Strömung ist hier recht flott und es sind einige Kreuzfahrtschiffe unterwegs, dadurch ist das Fahrtwasser ganz schön kabbelig und man muss schon aufpassen. Am besten bei der gesamten Stadtdurchfahrt rechts halten.

Das Budapester Parlamentsgebäude. Die Fahrt durch Budapest ist schon einmalig, eine Menge beeindruckender Bauten. Die Strömung im Stadtgebiet ist noch sehr schnell und man sollte auf die vielen Passagierschiffe acht geben.

Die Freiheitsbrücke, 1945 von der Wehrmacht gesprengt und danach wieder originalgetreu aufgebaut. Budapest ist mit 1,7 Millionen Einwohner die größte Stadt an der Donau, es ist schon ein Erlebnis hier durchzufahren.

Der Burgpalast, einer von vielen imposanten Bauwerken direkt am Donauufer. Es ist spannend, durch die Stadt mit dem Boot durchzufahren und alles vom Wasser aus zu sehen, das reicht mir aber auch schon, da ich nicht so der Stadtmensch bin. Die Hektik und die Menschenmassen in Großstädten machen mich fertig, und meistens bin ich froh, wenn es dann wieder ruhiger wird.

Technische und Wirtschaftswissenschaftliche Universität. Nach dem Stadtgebiet kam heftiger Gegenwind auf, der wollte bis Abends kein Ende nehmen. Die Strömung wurde etwas langsamer.

Abends musste ich noch sehr lange fahren um einen geeigneten Campspot zu finden, auf 15 km Länge konnte ich keinen guten Stelle zum campieren finden. Total erschöpft von dem Gegenwind habe ich dann nach Adony einen kleinen Platz neben einem alten Förderschiff gefunden. Dieser Platz war auf der Tour die Nummer eins der Stechmücken-Hitliste. Der Wahnsinn was da an Population rumflog. Nach Zeltaufbau und Essen habe ich dann klein bei gegeben, ich wollte an diesem Platz kein Feuer machen da es Werksgelände war und zog mich ins Zelt zurück.
Tag 25
Adony bis Harta
51 km 32 Grad

Ab Budapest fließt die Donau straight nach Süden, alles sieht gleich aus und die Ortschaften werden kleiner. Durch den hohen Wasserstand habe ich so gut wie keine Möglichkeiten zum Anlanden gefunden, da alles überflutet war. Es ist sehr einsam und die Infrastruktur ist nicht mehr so gut. Genau mein Gusto: Einsamkeit, Ruhe und Stille.

Nach ein paar gescheiterten Versuchen, anzulanden, um zu pausieren, habe ich mich einfach treiben lassen, währenddessen gegessen und entspannt. Heerscharen von Stechmücken lauerten überall im Unterholz …

Diese Frachter-Verladerampe bei Solt war nichts Spektakuläres, für mich aber sehr bedeutsam. Die Wiese neben dem Häuschen links war Campspot für mich und eine Gruppe Franzosen während meiner Donau-Radreise. Good times.

Auf dieser Tour waren die Lagerplätze einer schöner als der andere. Ich musste wegen dem Hochwasser zwar oft sehr lange suchen, wurde dann aber meistens mit traumhaften, einsamen Plätzen belohnt.
Tag 26
Harta bis Baja
73 km 34 Grad

Camp bei Harta am Morgen.

Hier ist sehr gut zu sehen wie hoch der Pegel war. Obwohl das Hochwasser bereits schwächer wurde bzw seinen Peak schon erreicht hatte waren so gut wie keine Kiesbänke vorhanden. Alles voller Schlamm und ideale Bedingungen zur Brut von Stechmücken.

Kurze Pause zwischen Fischerbooten. Ich habe auf dieser Strecke nicht so viel dokumentiert weil einfach alles gleich aussah. Ab Budapest bis zur serbischen Grenze gab es keine Abwechslung. Irgendwie war die Strömung an diesem Tag gefühlt sehr schwach. Ich habe mich gefragt ob das vielleicht am Rückstau von Djerdap l in Serbien liegen könnte ? So wie ich gehört habe ist der Rückstau maximal bis Novi Sad, also total unlogisch.

Abends ging es noch nach Baja, um Wasser aufzufüllen, ein sehr schönes Städtchen. Man fährt links in den Kanal ein und dann findet man auf der rechten Seite auf dem Damm einen freien Campingplatz mit Sanitäreinrichtungen, den habe ich zufällig entdeckt und bin gleich hiergeblieben.

Beim Anlanden und beim Ausstieg habe ich mich etwas dumm angestellt. Ich habe mein Boot entladen und alles die steile Böschung hochgetragen. Das wäre aber auch anders gegangen, ich hätte einfach nur ein paar Hundert Meter weiter an einer Rampe anlegen können.
Tag 27
Baja bis Mohacs
35 km 34 Grad

Für die letzten 35 km bis nach Mohacs hatte ich den ganzen Tag Zeit. Mit der guten Strömung wäre das schon am Vormittag erledigt gewesen. Da mein Zug nach Budapest erst am nächsten Morgen fuhr, habe ich mir kurz vor der Stadt am linken Ufer einen Strandtag mit Baden und Sonnen gegönnt.

So, hier hört die Reise erst mal auf. Km 1448, ziemlich genau die Hälfte der Gesamtstrecke, habe ich jetzt hinter mir. Die nächsten Etappen werden mühsamer, da weniger Strömung und lange Anfahrtswege.

In Mohacs auf der rechten Seite gibt es eine komfortable Slipanlage zum Ausbooten. Oberhalb der Rampe befindet sich eine Wiese auf der man gut das Boot zerlegen und auch zelten kann. Der Bahnhof ist nur ein paar 100 Meter entfernt. Von da aus ging es mit dem Zug nach Budapest und dann mit dem Flixbus bis nach Stuttgart, bis zum nächsten mal…
FORTSETZUNG FOLGT…


