
Die Intention, den Rhein komplett mit dem Kajak zu befahren, bzw. den Fluss als Ganzes zu erleben, kam bei mir recht spät. Ich war auf die Donau fixiert und hatte das klassische Vorurteil, dass der Rhein eine kanalisierte Frachterautobahn und nicht lohnenswert sei. Meine Meinung hat sich dann über die Jahre geändert, als ich anfing, die Altarme im Oberrheintal zu befahren. Taubergießen, Ottenheimer Mühlbach, Goldkanal usw. sind traumhafte Strecken, die man mit dem Hauptstrom verbinden kann. Mit der Zeit wurde ich erfahrener und bin dann ein paar Abschnitte ab Iffezheim auf dem sehr schnell fließenden und nicht ungefährlichen Hauptstrom gepaddelt. Dann habe ich mir gedacht: Komm, der Rhein ist ja gar nicht so lang, den fahren wir von Anfang bis Ende. Dieser große Strom mit seinen unglaublich vielfältigen Landschaften und dem regen Schiffsverkehr hat mich immer mehr in seinen Bann gezogen.
Ich habe den Rhein in einzelnen Etappen über einen Zeitraum von 2 Jahren befahren, da ich als arbeitender Familienvater nicht immer Zeit für solche großen Projekte habe. Die gesamte Fließstrecke ist 1320 km, davon mit Faltboot paddelbar ca. 1200 km. Die Komplettbefahrung am Stück von Chur bis Hoek von Holland sollte problemlos in 3 bis 4 Wochen machbar sein. Ich bin die Etappen nicht chronologisch gefahren, da es immer abhängig war von Urlaub, Wetter, Wasserstand und Anreisedauer. Manche Strecken sind umfangreich und manche weniger umfangreich dokumentiert. Der Artikel ist aber trotzdem in der richtigen Reihenfolge, der Sinnhaftigkeit wegen. Nicht wundern, es gibt ein paar Lücken, das Projekt ist ja noch nicht abgeschlossen.
ETAPPE 1:
DIE LEHRSTUNDE
Alpenrhein, Oktober 2024

Der Alpenrhein ist die Flussstrecke des Rheins vom Zusammenfluss von Vorder- und Hinterrhein ab Tamins-Reichenau bis zur Mündung in den Bodensee und ca. 90km lang. Er ist der größte Zufluss des Bodensees und wird oft als „größter Wildbach Europas“ bezeichnet. Es gibt teilweise natürliche wilde Abschnitte mit schönen Kiesbänken, meist ist er jedoch reguliert mit Steinschüttungen und befestigten Ufern. Die Strömung ist sehr schnell, in diesem Abschnitt gibt es keine Kraftwerke, dafür umständlich und schwierig zu umtragende Steinwurfwehre.
Tag 1
Chur/CH bis Schaan/LIE
40km 19 Grad

Losgehen sollte meine Rheinreise ab Chur. Von Berichten anderer Flusswanderer hatte ich gehört, dass es ab hier mit langem Boot und Expeditionsgepäck möglich ist. Oberhalb ist der Rhein stärkeres Wildwasser. Angereist bin ich mit Flixbus über die Nacht mit mehrstündigem Aufenthalt und Umstieg in München. Am Busbahnhof habe ich mich auf eine Bank gelegt und noch etwas geschlafen. Leider war es ein unruhiger Schlaf, da ich mir nicht sicher war wegen meiner ganzen Ausrüstung und den vielen Menschen. Um 4 in der Früh kam ich endlich an und bin erst mal runter zum Fluss. Da ich total übermüdet und es ein unglaublich warmer Herbsttag war, habe ich noch ein paar Stunden direkt am Ufer unter freiem Himmel geschlafen. Super ausgeruht bin ich dann aufgestanden und habe mich hoch motiviert an den Bootsaufbau und das Packen gemacht. Die Farbe des Alpenrheins und die Landschaft sind einfach unglaublich schön.

Am Flussufer unterhalb des Campingplatzes gab es einen guten Platz, um das Boot aufzubauen und die Fahrt vorzubereiten. Ab Chur soll der Alpenrhein mit Seekajak und als Gepäckfahrt machbar sein.

Ich wurde eines Besseren belehrt. Dass es leichtes Wildwasser ist, war mir bewusst. Auf den niedrigen Wasserstand habe ich aber nicht geachtet. Dadurch waren die Blockwurfwehre unter den Brücken wilder als gedacht. Nach nur wenigen Kilometern und bei dem dritten Brückenwehr bei Wildwasser 2 bin ich derart auf Felsen aufgeschlagen, dass das Boot leckgeschlagen ist. Ziemlich schnell hatte ich Wasser im Boot an den Füßen. Also so schnell wie möglich raus und Schadensbeurteilung. Erstmal das Boot komplett entleeren und entladen, ich hatte eine Menge Zeug dabei. Beim Umdrehen des Bootes habe ich direkt zwei Löcher an der Außenhaut am hinteren Spant entdeckt. Das war klar, genau da, wo der Schwerpunkt des Bootes liegt.

Ich habe mich sofort ans Flicken gemacht und dann zu meinem Schrecken festgestellt, dass der PVC-Kleber eingetrocknet war. Ich habe die Tube zerschnitten und aus der Spitze die letzten Tropfen, die noch flüssig waren, herausgekratzt, das hat gerade so für den Flicken gereicht. Dann erst mal das Ganze trocknen lassen und alles wieder in der richtigen Reihenfolge einladen. Das war ein ganz schöner Downer und ich war danach nicht mehr ganz so unbeschwert. Immerhin wusste ich jetzt, dass der ARGO auch Wildwasser kann. Durch die beiden Luftkammern an der Seite liegt der ganz schön stabil im Wildwasser, trotz nur 60 cm Breite und über 5 m Länge.

An diesen Strukturen kann man gut erkennen, wie breit der Fluss sein kann bei Hochwasser.

Diese Landschaften entschädigen alle Strapazen.

Dieses Blockwurfwehr an der Brücke hinten im Bild ist fies und ich kannte es schon von Riverwalker und dem Schweizer mit dem Oru Kajak. Ich wollte kein Risiko mehr eingehen und das Boot auch nicht treideln. Direkt vor dem Kieswerk rechts gab es eine Rampe, an der man ausbooten kann. Man muss dann durch das ganze Werksgelände durch. Die Leute von dem Kieswerk waren aber sehr nett und das war kein Problem. Nach der Brücke habe ich erst mal das Boot abgelegt und bin eine Weile gelaufen, um einen guten Einstieg zu finden. Leider war da aber nichts zu finden. Nach einer Ewigkeit habe ich dann auf der linken Uferseite einen felsigen und steilen Einstieg sehen können. Also wieder zurück zum Boot und an der Brücke seitlich runter. Das Boot die steilen Treppen an der Brücke Stufe für Stufe runter heben muss ziemlich erbärmlich ausgesehen haben. Das hat wohl ein ca. 12-jähriger Junge mit seiner Mutter gesehen und die wollten mir unbedingt helfen. Mit deren Hilfe habe ich es dann bis an die Uferböschung geschafft. Dann ging es noch eine Ewigkeit an der Böschung entlang, bis ich zu der gesichteten Einstiegsstelle kam, an der ich das entladene Boot mit einem Seil herunterlassen musste. Das Ganze war so umständlich und stressig, dass mir der Spaß am dokumentieren vergangen ist.

Obwohl der Alpenrhein ab Chur zum größten Teil eingedeicht und begradigt ist, lohnt es sich trotzdem. Die Farbe des Flusses, die schnelle Strömung und vor allem die Landschaft sind einfach der Hammer.

Und noch ein Blockwurfwehr, kurz vor der Grenze zu Liechtenstein. Diesmal war der Ausstieg kein Problem. Direkt links vor dem Wehr kommt man an einer Rampe relativ einfach raus. Das Wehr wird auch schon 3 km davor angekündigt. Der Einstieg ist dann leider nicht so toll. Nach ca. 600 m kommt man dann wieder rein.

Mystische Nebelstimmung in den Ausläufer der Alpen.

Als Entschädigung für die ganzen Strapazen gab es abends einen traumhaften Campspot mitten im Rhein auf einer höher gelegenen Sandbank. Im Endeffekt war ich selber schuld. Niedriger Wasserstand und mit Faltboot, das auch noch viel zu schwer beladen war, diese Strecke zu fahren, war nicht besonders schlau. Ich hatte Wasser und Verpflegung für 3 Tage dabei, total übertrieben. Nach langem Überlegen habe ich mich schweren Herzens entschieden, die Tour in Schaan/Liechtenstein nach nur einem Tag und 40 km abzubrechen und ein anderes Mal mit einem PE-Seekajak oder ohne Gepäck wiederzukommen. Das Risiko, den ARGO weiter zu misshandeln, wollte ich nicht eingehen. Nach der Tour habe ich erst gecheckt, dass nach Schaan gar keine Blockwurfwehre mehr kommen, also wäre die Fahrt nach Lindau total easy gewesen …
ETAPPE 2:
DIE STILLE
Bodensee, Oktober 2025
Zu Hause gab es eine Menge Termine, aber ich wollte unbedingt weitere Lücken der Rhein-Komplettbefahrung schließen. Eigentlich war der Plan, diese Strecke entspannt in 2 Tagen zu fahren, aber es war nur ein Tag möglich. Um Zeit zu sparen, bin ich in der Nacht zuvor mit fertig aufgebautem Faltboot auf dem Dach nach Eriskirch gefahren. Da gibt es einen Parkplatz, auf dem man sein Auto den ganzen Tag stehenlassen kann, und der Strand ist nur 100 m entfernt. Ich habe im Auto geschlafen, und sobald es hell wurde, ging es los.

Der Bodensee ist der größte See Deutschlands, er ist 63km lang an seiner breitesten Stelle 13km Breit und maximal 250m tief. Von den Alpen her kommend mündet der Rhein zwischen Hard und Bregenz in den Bodensee und bringt helles sedimentreiches Wasser mit. Die Mündung verlagert sich immer weiter in den See und muss ständig ausgebaggert werden. Von Lindau bis Hagnau gibt es sogar noch eine schwache Oberflächenströmung. An der Engstelle Konstanzer Trichter verengt sich der See und der Rhein wird für 4 km wieder zum Fluss, genannt Seerhein, dann weitet sich der See wieder auf, wird flacher und am Ende des Untersee bei Stein am Rhein wird der Rhein endgültig zum Fluss und strömt Richtung Westen. Grafik von Wikipedia, Autor: Thomas Römer
Tag 2
Eriskirch bis Radolfzell
49km 17 Grad

Angefangen hat der Morgen mit Bodensee-typischem Herbstwetter. Keine Sicht und Nebel, soweit das Auge reicht. Mit 8 Grad war es auch noch recht frisch am Morgen, dafür herrschte Windstille.

Normalerweise kann man hier bis Bregenz schauen, aber an diesem Tag konnte man froh sein, dass man die Fähren rechtzeitig sehen konnte. Ich war werktags unter der Woche und im Herbst unterwegs und der Bodensee war wie ausgestorben. Kein Mensch weit und breit, an diesem Tag hat der See mir gehört.

Vorbei an Friedrichshafen, bis zum Mittag war es nicht gerade das beste Wetter um Fotos zu machen, diesig und zugezogen.

Kurz vor Mittag ist dann die Sonne herausgekommen. Trotz strömungslosem Paddeln bin ich direkt Bodensee-Fan geworden. Die Stille und das offene Wasser hat seinen besonderen Reiz. Ich war zwar schon ein paar mal auf dem See unterwegs, bin aber noch nie weit rausgefahren. Die Bedingungen für eine Querung waren an diesem Tag ideal: kein Wind und Wellen, So bin ich bereits direkt von Hegnau aus Richtung Konstanz gefahren. Das war eine lange Querung, ca. 8 km. Auf dem Bodensee sollte man nicht leichtsinnig sein, das Wetter kann hier trügen. Die Lage kann sich innerhalb von Minuten ändern. Immer den Wind und die Wolken beobachten. Es gibt auf dem See überall in Sichtweite Sturmwarnleuchten, die signalisieren, ob Starkwind oder Sturm im Anmarsch sind. Auch nützlich: Die Website vom Sturmwarndienst.

Sobald die Sonne scheint und man im flacheren Gewässer unterwegs ist bekommt der See eine wunderbare Farbe.

Konstanz ist in Sicht und ab der Brücke vorne im Bild beginnt der Seerhein, der sogar eine leichte Strömung hat und ab hier beginnt die offizielle Kilometrierung des Rheins, der KM 0.

Vom Obersee kommend durchfliesst der Seerhein Konstanz auf einer Länge von knapp 4km, im Foto von Oben nach unten. Der Höhenunterschied zwischen Obersee und Untersee sind ca 20cm, daher die schwache Strömung. Foto von Wikipedia Autor: HC1969

Nach dem Seerhein wird es sehr seicht und die leichte Strömung ist auch schon wieder vorbei. Dafür wird es hier sehr idyllisch mit schilfgesäumtem Ufer.

Dieser flache Bereich war ein reines Vogelparadies. Kolonien von Höckerschwänen, Kormoranen und anderen Vögeln, so weit das Auge reicht.

Vorbei an der Insel Reichenau.

Hier mal zur Abwechslung Realtalk bzw. möchte ich gerne auf die Diskussion zum Thema Sicherheit eingehen: Wie man sehen kann, bin ich ohne Schwimmweste unterwegs, das ist nicht vorbildlich und mir auch bewusst. Ich bin ein erwachsener Mensch, langjähriger Paddler, und kann das für mich verantworten. Ich fahre seit über 35 Jahren Skateboard, habe nie einen Helm getragen und lebe noch. Abgesehen davon bin ich auf dem Fahrrad unterwegs, seit ich denken kann, und habe noch nie einen Helm besessen. In den letzten Jahren bin ich zwei Mal schwer an Krebs erkrankt und habe auch das überlebt. Nichts ist sicher, vor allem nicht das Leben und die Gesundheit. Hört sich vielleicht esoterisch an, aber meine Bestimmung ist es nicht, in einem Fluss oder See zu ertrinken oder auf der Straße zu sterben. Trotz allem: Zieht eine Schwimmweste an, wenn ihr euch unsicher fühlt, und checkt unbedingt die Vorhersagen, vor allem wenn ihr auf dem Bodensee unterwegs seid. Falls ihr keine routinierten Schwimmer seid, empfehle ich, erst gar nicht in ein Boot zu steigen. Am besten eine Lebensversicherung abschließen und zu Hause bleiben 😉

Am späten Nachmittag gab es dann eine herrliche Weitsicht. Im Bild voraus der Zeller See. Dieser Tag war anstrengend, aber besonders schön und wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

Traumhafte Weitsicht auf die Hegau-Vulkane und das Tagesziel Radolfzell ist auch schon in Sichtweite.

Am Hafen von Radolfzell gibt es eine schöne Wiese zum Abbauen und der Bahnhof ist dann nur noch 100 m entfernt. Es war mal wieder so richtig im Flow. Nach dem Abbau habe ich direkt am Bahnhof einen Zug nach Langenargen bekommen und dann noch ein paar Kilometer Fußmarsch zum Auto. Ich war noch fit und bin die 2 1/2 Stunden nach Hause gefahren.
ETAPPE 3:
DER UMTRAGUNGSMARATHON
Hochrhein 170km
Radolfzell bis Basel, Juli 2025
Eine Woche nach der Rhein Radtour hatte ich wieder mal richtig Lust auf eine Kajaktour, und da mir bei der Rhein Komplettbefahrung noch ein paar Abschnitte fehlten, war der Hochrhein eine ideale Etappe. Das Wetter sollte überwiegend gut werden und ich hatte noch eine Menge Urlaub übrig. Meine letzte längere Bootstour war schon ein halbes Jahr her und auf den Hochrhein habe ich mich besonders gefreut da der „Umtragungsmarathon“ anstand. 15 Umtragungen auf 170 km inkl. 5 km Umtragung durch Schaffhausen zum Rheinfall.

Der Hochrhein ist der Abschnitt des Rheins zwischen dem Bodensee (bei Stein am Rhein) und Basel, der die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz bildet. Er zeichnet sich durch ein hohes Gefälle und eine teils starke Strömung aus, die aber wiederum von sehr vielen Staustufen ausgebremst wird. Ein Highlight ist der Rheinfall bei Schaffhausen und Stromschnellen, die vom Fluss auch durch Auenlandschaften und steile Hänge geprägt sind. Grafik von Wikipedia, Autor: Tschubby
Tag 3
Radolfzell bis Büsingen
38km 29Grad

Am Strand von Radolfzell, direkt hinter dem Bahnhof, gibt es eine perfekte Stelle für den Aufbau und das Boot beladen. Bis alles aufgebaut und richtig verstaut war, verging eine Menge Zeit und ich bin erst kurz vor Mittag losgekommen. Die Reihenfolge des Packens im Boot beim Flusswandern ist bedeutend wichtiger als z. B. bei Radtouren am Fahrrad. Vor allem ist es mir wichtig, keine Decklast zu haben, das heißt, außer dem Bootswagen sollte alles unter Deck verstaut sein. Das ist praktisch, vor allem wenn man unterwegs baden will, ohne an Land zu gehen. Dann kann man über die Bugspitze wieder einsteigen.

Insel Reichenau auf 12 Uhr

Die Bedingungen für eine Querung des Zeller Sees waren ideal: kein Wind und Wellen und strahlender Sonnenschein. Der Zeller See ist auch nur 2 km breit, das ist schnell machbar. Die Farbe des Wassers des Bodensees ist einfach traumhaft. Hier geht es rechts um Horn herum in den Untersee.

Das Ende des Untersees ist bald erreicht.

Stein am Rhein hat eine malerische Altstadt, direkt am Ufer gelegen. Und der Rhein darf ab hier wieder fließen.

Mein ambitionierter Plan, noch am ersten Tag die Umtragung des Rheinfalls zu machen, hat sich wohl als übertrieben herausgestellt. Die Sonne und das Seepaddeln haben ganz schön viel Kraft gekostet. See ist halt nicht Fluss. Bei Büsingen hatte ich dann keine Energie mehr und so habe ich mich entschlossen, Feierabend zu machen. Dann kam wie bestellt dieser schöne Campspot auf der Schweizer Seite und ich konnte dank des Wetters unter freiem Himmel schlafen.

Alles war da für einen perfekten Abend am Fluss.
Tag 4
Büsingen bis Rümikon
45km 31 Grad

Die Umtragung des Rheinfalls fängt direkt am Kanuclub Schaffhausen an. Da gibt es rechts komfortable Stufen für den Ausstieg. Ab da geht es dann knappe 5 km immer den Radweg entlang bis hinter den Rheinfall. Leider war das letzte Stück wegen einer Baustelle gesperrt und es war noch ein Umweg durch ein Wohngebiet nötig. Einsetzen ging dann ganz einfach, direkt hinter dem Rheinfall, vorbei an den ganzen Touristenmassen, am Ende des Fußwegs an einer Rampe. Das Ganze hat ganz schön viel Zeit gekostet.

Leider war es nicht möglich, näher Richtung Rheinfall zu paddeln, da der Verkehr der Ausflugsboote zu rege war. Abgesehen davon gibt es unterhalb des Falls einige Sogströmungen.

Einer der grössten Wasserfälle Europas, der Rheinfall. 23m hoch und 150m breit.

Direkt nach dem Rheinfall wurde es wieder schön ruhig und abgelegen und man kann den ganzen Trubel hinter sich lassen. Die Farbe des Hochrheins ist der Traum.

Kurz vor der schönen Schleife bei Rheinau kommt das erste Stauwehr nach Schweizer Art, auf der rechten Seite mit elektrischem Gleiswagen. Zusammen mit 3 Kanadiern hat das Faltboot gerade noch so draufgepasst.

Kloster Rheinau. Danach kommen noch zwei weitere Kraftwerke, im gleichen Stil wie Rheinau, beide wieder mit Gleiswagen, jedoch auf der linken Seite. Ab hier fängt der Umtragungsmarathon an. Nach dem Rheinfall sind es insgesamt 14 Umtragungen am Hochrhein.

Man fährt Immer auf einer Grenze, es fühlt sich fast schon wie auf der Donau an…

Imposantes Eisenbahnviadukt vor Eglisau, zwischendurch gab es immer mal wieder Regenschauer.

Kraftwerk Eglisau-Glattfelden, Ausstieg rechts mit elektrischem Hubsteg, den habe ich aber nicht verwendet, ca. 300 m Laufstrecke. Die Umtragung macht man am besten mit dem eigenen Bootswagen.

Für diesen Abschnitt des Rheins sollte man selber einen Bootswagen dabeihaben. Ich habe zum Transport des Faltboots eh immer den Eckla Beach Rolley dabei, der Transportwagen, Bootswagen und gemütlicher Sitz in einem ist. Sehr robust, meiner hat schon einiges mitgemacht und steht immer noch gut da, sehr empfehlenswert.

Gespenstische Stille in Hohentengen, kein Wind oder Wellen aber ein Gewitter stand kurz bevor.

Nach Hohentengen wurde das Wetter immer schlechter. Der Gegenwind wurde heftig und später hat es dann ordentlich geschüttet. Bei Regen paddeln mit der richtigen Ausrüstung macht mir nichts aus, aber irgendwann wurde es mir zu stark. Bei einem der unzähligen Schweizer Bunker habe ich mich dann untergestellt und den Schauer abgewartet.

Essenziell für diese Tour: Jübermann Wassersportkarte DEUTSCHLAND-SÜDWEST. Alle Kraftwerke mit Detailzeichnungen zu den Umtragungen und der gesamte Streckenverlauf sind super beschrieben. Der Clou: Die Karte ist komplett knick- und wasserfest. Wenn dann unbedingt bei Jübermann direkt erwerben, der Mann ist eine Legende und hat den Support verdient.

Auf der deutschen Seite gegenüber Rümikon habe ich dann einen super Campspot zum Zelten gefunden, da das Wetter zu unsicher war, um unter freiem Himmel zu schlafen.
Tag 5
Rümikon bis Schwörstadt
55km 29 Grad

Morgens war der Himmel stark zugezogen und leichter Nebel lag über dem Fluss. Die Vorhersage für den Tag war ab 16 Uhr Regen und Gewitter. Deshalb früh raus und Strecke machen.

Kraftwerk Reckingen, links umtragen, ca. 600m. Es gibt hier auch Bootswagen, da ist allerdings Pfand nötig mit der passenden Münze.

Mit eigenem Bootswagen umtragen ist meistens die schnellste Variante, weil man die hauseigenen Bootswagen nicht zurückbringen muss und der Ablauf schon routiniert ist. Direkt danach kam der „Koblenzer Laufen“, eine Stromschnelle, ca. 600 m lang mit Wildwasserstufe 2. Bei Niedrigwasser ist die ganz schön wild. Meine Empfehlung: auf jeden Fall mit Spritzdecke durchfahren, sonst ist das Boot danach eine Badewanne.

Kernkraftwerk Leibstadt, eines der 4 Kernkraftwerke der Schweiz

Die Kraftwerke werden von Mal zu Mal größer: Hier geht es vorbei an Albbruck-Dogern, Umtragen auf der linken Seite, ca. 300m.

Laufenburg, ein sehr schönes Städtchen. Hinter den Brückenpfeilern gibt es Strudel und Kreuzströmungen, ähnlich wie in Regensburg, nur nicht ganz so stark.

Kraftwerk Laufenburg, umtragen auf der linken Seite, ca. 600 m. Hier gibt es etwas Besonderes: einen elektronischen Schrägaufzug zur Selbstbedienung, das habe ich so noch nie gesehen. Durchdachte Schweizer Technik.

Die Bedienung ist selbsterklärend.

Es dauert eine ganze Weile, bis der Lift am Wasser ist. Man sollte ihn dann auch wieder in Startposition bringen.

Dann gehts runter

Dann Seil lösen, das Boot zur Seite, wieder festmachen und den Lift wieder in Startposition bringen.

Es dauert gefühlt nur ein paar Kilometer und schon ist man am nächsten Kraftwerk. Hier Bad Säckingen, mit elektrischem Gleiswagen zur Selbstbedienung, etwas komplizierter als in Laufenburg, aber auch komfortabel. In der Endposition habe ich wohl irgendetwas nicht bedacht. Unten am Wasser bin ich nicht an das Boot herangekommen, um es vom Seil zu lösen. Ich bin dann einfach reingesprungen und hingeschwommen. Am Abend sollte es ein schweres Gewitter geben, und ich habe nach dem langen Paddeltag dann beschlossen, so bald wie möglich einen sicheren Zeltplatz zu finden. Der DKV Kanuverein WSV Schwörstadt lag noch ein paar Kilometer voraus und den habe ich dann direkt angesteuert. Das war eine gute Entscheidung. Nach schnellem Zeltaufbau bin ich noch in den Ort und habe dann in einem Imbiss die Zeit des Gewitters verbracht. Ich war mir nicht ganz sicher, ob die Heringe den starken Sturm überstehen, aber als ich wieder am Platz war, stand das Zelt noch da wie zuvor.
Tag 6
Schwörstadt bis Istein
40km 29 Grad

Und los gehts, heute stehen nur 40 km an, dafür aber wieder einige nicht so komfortable Umtragungen.

Ryburg-Schwörstadt, links umtragen, ca. 200m. Bis zum nächsten Kraftwerk sind es wieder nur ein paar Kilometer …

Kraftwerk Rheinfelden, links umtragen, ca. 600 m. Eine lange und umständliche Umtragung. Der Ausstieg ist schlecht und für schwer beladene Tourenboote nicht wirklich komfortabel, vor allem für Solopaddler. Ach ja, für alle, die den ARGO haben: Beim Treppen hochwuchten niemals am Süllrand greifen, ich empfehle, immer an den Rohren der Schenkelstützen zu greifen, ich habe schon Geschichten von gebrochenen Süllrändern gehört.

Staustufe Augst-Wyhlen, Umtragung auf der linken Seite, ca 400m, mit ebenso schlechtem Einstieg wie die Kraftwerke davor.

Ab kurz vor Basel fängt dann die Großschifffahrt an und es wird sehr industriell.

Kraftwerksinsel und Schleuse Birsfelden. Rechts an der Insel entlangfahren und dann links direkt am Steg des Ruderklubs ausbooten. Dann ca. 600 m zum Ende der Insel umtragen. Dazwischen kommt ein geschlossenes Tor, das zur Rampe zum Unterwasser führt. Am Tor den Knopf betätigen, dann kann man mit dem Wärter sprechen, der dann das Tor öffnet.

Kurz vor dem Stadtgebiet von Basel war dann ein heftiges Gewitter im Anmarsch. Ich wollte nur noch schnell zum Einstieg, Spritzdecke und Regenkleidung anziehen.

Bei der Stadtdurchfahrt von Basel gab es ein amtliches Gewitter. Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich nicht unter einer Brücke anlegen sollte, um das Ganze abzuwarten. Dann habe ich die ganzen Schweizer „Badi-Gänger“, die Flussschwimmer gesehen, die trotz heftigem Regen und Gewitter einfach unbeeindruckt weiterschwimmen. Denen habe ich mich natürlich angeschlossen.

In Basel kam alles runter was ging und am Ende des Stadtgebiets ist es schon wieder aufgeklart. Ein typisches Sommergewitter.

Ein alter Schubleichter, zum Gewächshaus umfunktioniert. Nach dem Stadtkern von Basel hat dann die Strömung stark nachgelassen. Entweder hatte ich keine Power mehr oder es gab eine Gegenströmung. Gefühlt habe ich ewig gebraucht bis zum Wehr von Märkt.

Staustufe und Kraftwerk Märkt, ab hier fängt die Teilung des Rheins an. Rechts fließt der „Restrhein“ und links auf französischer Seite ist der Schifffahrtskanal, der komplett strömungslos ist und auch keine guten Ein- und Ausstiegsstellen hat. Ich empfehle immer den Restrhein zu fahren, er hat eine passable Strömung und ist sehr schön und einsam.

Diese Ausstiegsstelle bei Märkt ist eine Katastrophe. Alles zugewachsen und sinnlos konstruiert. Vor allem bei Regen und Nässe ist es nicht ungefährlich, das schwere Tourenboot da hochzustemmen. Ausstieg rechts, Umtragestrecke ca. 800 m.

Dieses Schütz reguliert den Mindestablauf in den Restrhein.

Noch schlimmer als der Ausstieg vor dem Kraftwerk war der Einstieg danach in den Restrhein. Diese sogenannte „Einstiegsstelle“ kann sich nicht als solche bezeichnen. Der Einstieg ist steil und sandig. Hier sollte man auf jeden Fall eine Treidelleine dabei haben, sonst haut einem das Boot ab, wenn man nicht rechtzeitig herunterkommt.

Dann bin ich wohl in Gedanken versunken fast durch die Isteiner Schwelle gefahren, ich habe das erst realisiert, als das schwer beladene Faltboot ein paar Mal auf Steinen aufgesessen ist und ich festhing. Bevor mich die starke Strömung erfasst hat, bin ich noch mit der guten alten Paddeltechnik „Seilfähre“ ans rechte Ufer und habe diese Etappe beendet. Das Ganze ist zwar auf der rechten Seite fahrbar, so wie es „Where is Milano“ mit einem Oru Kajak vorgemacht hat. Er war aber nicht so schwer beladen. Abgesehen davon war ich durch und habe nur noch einen guten Platz zum Zerlegen des Kajaks gesucht.

Passend zum Abbau und zur Abreise kam noch die Sonne raus. Trotz der unzähligen Kraftwerke muss ich sagen, dass der Hochrhein ein sehr lohnenswerter Abschnitt ist. Das Wasser ist unglaublich klar, die Strömung ist nach den Kraftwerken immer vorhanden und landschaftlich ist es auch sehr schön. Wenn ich ehrlich bin, finde ich die vielen Umtragungen sogar ziemlich spannend und abwechslungsreich.

Ab den Isteiner Schwellen sind es dann noch 2 1/2 km zum Bahnhof. Von da aus kommt man dann einfach nach Freiburg, und ab da easy nach Nord oder Süd.
ETAPPE 4:
BADEURLAUB
Oberrhein 360km
Istein bis Mainz, August 2024

Oberrhein wird der Abschnitt zwischen Basel und Bingen genannt. Eingegrenzt zwischen Vogesen und Schwarzwald, Odenwald und Pfälzer Wald fließt er hier bis kurz vor Rastatt mit Ausnahme des Restrheins ohne Strömung mit sehr vielen Staustufen und Umtragungen. Man kann aber auch auf die Altarme ausweichen, die bieten viel Natur und Ursprünglichkeit. Zwei von diesen Varianten kommen auch in diesem Artikel vor. Es gibt eine Menge mehr davon, aber das würde den Umfang des Artikels sprengen. Ab Iffezheim fließt der Rhein dann hindernisfrei bis in die Niederlande zur Nordsee. Hier sollten nur erfahrene Kanuten unterwegs sein, da die Strömung sehr schnell ist und der Frachterverkehr enorm. Der Rhein ist die meistbefahrene Wasserstraße Europas. Hier fängt es aber erst mal mit dem „Restrhein“ an. Grafik von Wikipedia. Autor: WWasser
Tag 7
Istein bis Breisach
45km 33 Grad

Es war irre heiß, ideal für eine Kajaktour. Direkt nach den Isteiner Schwellen kommt man gut ins Wasser. Der Aufbau des Bootes und systematisches Packen haben wieder 1–2 Stunden in Anspruch genommen, das geht aber voll klar für eine mehrtägige Tour.

Der sogenannte Restrhein ist ein ca. 40 km langer Abschnitt ab dem Wehr von Märkt. Er ist total abgeschieden, einsam und hat gute Strömung. Bis Breisach sind kaum Ortschaften am Fluss. Ab und an kommen kleinere Stromschnellen, dabei kann es je nach Wasserstand Grundberührung geben.

Markant für diesen relativ natürlichen und schnellfließenden Abschnitt sind die groben Sedimente, kein Sand oder Kies, sondern große Steine.

Campspot kurz vor Breisach. Es war gar nicht so leicht, einen guten Platz zu finden, dieser hier war auch nicht besonders. Ich musste aus dem Boot ins Wasser springen, um an Land zu kommen, da das Ufer steil und glitschig war. Andere Optionen gab es nicht, es wurde bereits dunkel und vor dem Stadtgebiet von Breisach wollte ich nicht campen.
Tag 8
Breisach bis Ottenheim
53km 32 Grad

Morgenstimmung auf dem Restrhein, kurz vor Breisach. Bilderbuchatmosphäre. Spiegelglattes Wasser, absolute Windstille und keine Wolke am Himmel.

Breisach ist ein schönes Städtchen. Der Ausstieg ist rechts, alles etwas zugewachsen und glitschig, Umtragestrecke dann ca. 400 m. Jetzt wird es sportlich. Der Rhein hat ab hier bis Iffezheim so gut wie keine Strömung und es gibt einige größere und kleinere Staustufen auf dem Weg.

Das es am Rhein Biber gibt hätte ich nicht gedacht.

Auf der rechten Uferseite in Deutschland gibt es bedeutend mehr Hindernisse zum Umtragen als drüben in Frankreich. Zwischen den großen Wehren wie hier kommen meistens noch 2–3 „Kulturwehre“. Die sind kleiner, aber genauso aufwändig zum Umtragen. Trotzdem ist es auf der deutschen Seite landschaftlich schöner.

Nahrungsmittelversorgung ist auf einer Kajaktour nicht immer einfach. Ich kaufe meistens für 2–3 Tage Wasser und Lebensmittel ein, weil ich keine Lust habe, jeden Tag einzukaufen, und weil es manchmal auch gar nicht so leicht ist, Läden zu finden, die in der Nähe des Ufers sind. Da ich solo unterwegs bin, muss ich das Boot immer irgendwo unbeaufsichtigt lassen. Bis jetzt ist aber noch nie etwas weggekommen …

Bei dem Wehr von Ottenheim habe ich den anstrengenden Tag ausklingen lassen. 53 km paddeln ohne Strömung bei der Hitze waren ganz schön anstrengend.

Auf dieser Tour hatte ich zur Abwechslung mal ein anderes Zelt dabei. Ein doppelt so großer Innenraum, aber dafür nicht frei stehend. Ich ziehe mein kleineres, freistehendes Zelt vor. Man kann zwar nicht so viel mit hineinnehmen, aber du kannst es einfach überall easy aufbauen.
Tag 9
Ottenheim bis Iffezheim
67km 27 Grad

Anleger des DKV Vereins Kehler Paddlergilde, direkt nach der Eisenbrücke in der Stadt rechts. Hier kann man auch übernachten, ich war aber viel zu früh da und bin nur vorbei, um Wasser aufzufüllen.

Hier bin ich mal spaßeshalber auf die französische Seite und bin ein Stück den Schifffahrtskanal gefahren. Der hat ebenso wie die deutsche Seite absolut keine Strömung und noch den Nachteil, dass Aus- und Einstiegsstellen bei den Kraftwerken nicht vorhanden sind. Der einzige Vorteil ist, dass es auf der Gesamtstrecke insgesamt weniger Umtragungen gibt. Trotzdem nicht zu empfehlen.

Es war HEISS. Und zwar nonstop. Baden so oft es geht war angesagt. Ich muss sagen, dass der ARGO ein ideales Badeboot ist. Seit ich gelernt habe, während der Fahrt, bzw. im Fluss aus- und einzusteigen, ohne zu kentern, nutze ich das so oft wie möglich. Man kann so auch eine Weile gemütlich neben dem Boot herschwimmen. Das funktioniert natürlich nicht bei schneller Strömung, da sollte man sich an das Boot anleinen.

Tunnel bei der Umfahrung im Rheinseitengraben bei der Staustufe Gambsheim.

Die Staustufe Iffezheim ist gigantisch, der Rückstau ewig lang. Das hier ist die letzte Ausstiegsmöglichkeit vor der Schleuse. Hier kann man in den Rheinseitengraben umtragen. Ich wollte zuerst zum Kanuclub SC Baden und fragen, ob ich bei denen übernachten kann, da es schon echt spät war und ich ziemlich fertig von der Paddlerei ohne Strömung. Leider war niemand zu erreichen und das Gelände war auch zu. Dann bin ich den Rheinseitenkanal entlanggefahren, der um das gesamte Gelände der Staustufe führt, und habe im Dunkeln noch einen Schlafplatz an einer schrägen Rampe gefunden.

Am nächsten Morgen direkt hinter der Schleuse Iffezheim. Keine besonders gute Ausstiegsstelle, hier gehen steile, lange, schmale Treppen hoch. Das Boot sollte ausgeräumt sein, dann kann man es leicht hochtragen. Hier kann man dafür aber entspannt abbauen. Von dem Parkplatz ist es dann noch ein 3-km-Fußmarsch nach Wintersdorf, von da kommt man mit dem Bus nach Rastatt und dann mit dem Zug nach Hause.
Wenn man die Schnauze voll hat vom kanalisierten Rhein, gibt es unzählige Möglichkeiten, Altarme zu befahren. Damit der Artikel nicht unnötig in die Länge gezogen wird, beschreibe ich hier zwei Varianten, die ich auch schon mehrfach befahren habe. Man kann sie in eine Komplettbefahrung mit einbeziehen oder als Tagestour separat machen. Einfacher ist es, diese Strecken separat zu befahren, da sie oft verkrautet und voller Totholz sind, viele Umtragungen sind notwendig und man muss öfters ins Wasser, um das Boot über Bäume zu ziehen. Als Entschädigung für die Strapazen bekommt man Natur pur, Einsamkeit, Stille und eine kleine Dosis Abenteuer.
ALTARM VARIANTE:
Plittersdorfer Altrhein und Goldkanal
Tag 10
Iffezheim bis Illingen
20km 30 Grad

Eine idealer Ort für den Einstieg und Aufbau des Bootes mit guter Parkmöglichkeit befindet sich ca. 2 km auf der rechten Uferseite vor der Schleuse.

Die Strecke im Rheinseitengraben um die Schleuse ist nur 2–3 km lang, dafür sehr idyllisch und Strömung ist auch vorhanden. Sie hat den typischen Charakter eines Altarms, ist aber künstlich angelegt worden.

Totale Stille und Natur pur

Sobald man den Rheinseitengraben verlassen hat, geht es nach dem Kieswerk wieder in den Hauptstrom, der ab hier eine flotte Strömung hat.

Nach der Fähre Plittersdorf unbedingt rechts halten sonst verpasst man die Abzweig in den Altrheinarm.

Ca. 500 m nach der Fähre geht es scharf rechts in diesen Bereich. Hier kann man anlanden und erst mal schauen, ob die Durchfahrt zum Altwasser frei ist.

Der Übergang zum Altrhein ist hier links und fast immer versperrt mit einem Verhau von Totholz. Am besten aussteigen und das Boot über die Bäume ziehen, wenn möglich.

Dann kommt direkt nach 300m die Umtragungsstelle über den Damm.

Ab hier wird es sehr schön und einsam, jedoch komplett ohne Strömung. Je nach Wasserstand kann es auf dieser Strecke sehr seicht sein. Und es gibt einige stark verkrautete Passagen.

Danach kommt ein langer, breiter Abschnitt, nach ca. 1 km sieht man dann rechts auch schon den Übergang zum Bärensee, der leider auch nicht so einfach zu umtragen ist.

Im Bärensee sollte man sich dann gleich rechts halten und an der Kiesinsel in der Bildmitte rechts vorbei, dann direkt geradeaus ans Ufer, da befindet sich eine Furt zum erneuten Umsetzen.

Wenn der Wasserstand hoch ist, braucht man hier nur ein paar Meter zu umtragen. Falls nicht, dann 50 m weiter rechts.

Der kommende Abschnitt ist sehr anspruchsvoll, da er verwachsen und voller Totholz ist. Hier muss man ein paar Mal aussteigen und das Boot über die Bäume heben.

Ein paar hindernisfreie Meter gibt es auch zwischendurch.

Man sollte hier versuchen, so weit wie möglich am Damm entlangzufahren. Bei mir war schon nach ein paar hundert Metern Schluss. Alles war zugewachsen.

Endstation

Die folgende Umtragung ist wohl die schlechteste auf dieser Tour. Steil, zugewachsen und dornig. Aber das gehört eben zu einer Befahrung der Altarme dazu.

Je nachdem, wo man ausgestiegen ist, rollt man dann mit dem Bootswagen ein paar Hundert Meter links auf dem Damm zum Einstieg in die Murg auf der rechten Seite.

Ab hier geht es ebenso strömungslos bis zur Mündung in den Rhein weiter.

Einer meiner Lieblingsplätze im Oberrheintal: die Murgmündung. Besonders markant ist das rötliche Wasser aus dem Schwarzwald. Im Sommer bin ich öfters mit meiner Familie hier. Es gibt einen schönen Sandstrand für die Kids, man kann hier gut schwimmen lernen, am Strand entspannen und den Schiffen zuschauen.

Jetzt ist wieder Aufmerksamkeit gefragt. Ultraschnelle Strömung und reger Schiffsverkehr. Man sollte hier in regelmäßigem Abstand nach hinten schauen. Die Talfahrer sind manchmal so leise, dass man sie erst sieht, wenn sie schon fast neben einem sind.

Schifffahrtstonnen sind sehr gefährlich in Flüssen mit schneller Strömung. Ich habe schon schlimme Geschichten von zerbrochenen Faltbooten mit tödlichem Ausgang gehört. Respekt wahren und immer ordentlich Abstand halten. Sie sind ein guter Indikator dafür, wie schnell die Strömung ist. Hier auf dem Bild ist sie sehr schnell, geschätzt ca. 10–15 km/h.

Ebenso gefährlich sind die Buhnen, wenn sie nur leicht überspült sind. Man sieht sie nicht rechtzeitig und sitzt dann auf, das Boot stellt sich quer bei der schnellen Strömung und man kentert. Mit einem empfindlichen Faltboot kann das verheerend sein. Wenn man aufmerksam ist, dann kann man sie daran erkennen, dass Kehrwässer und Strudel vorhanden sind. Am einfachsten zu sehen, wenn Vögel darauf sitzen.

Ab km 347 sollte man sich unbedingt ganz rechts halten sonst verpasst man die Einfahrt in den Goldkanal

Der Goldkanal ist der größte Baggersee Deutschlands und wirklich sehr schön. Hier kommt Urlaubsstimmung auf, man fühlt sich durch die Weite wie am Meer. Es gibt einige Sandstrände und Inseln. Verbunden durch Altarme an den Rhein, hat man hier viele Möglichkeiten auf abwechslungsreiche Touren.

Irre schöne Abendstimmung auf dem See. Sonnenuntergang und absolute Windstille. Da es schon dämmerte, war eine Umrundung des Goldkanals nicht mehr drin. Ich musste noch mit dem Fahrrad das Auto von Iffezheim zurückholen. Beim Bootshaus des Paddelclub Illingen durfte ich so lange mein Boot deponieren.

Die Bunkerinsel im Goldkanal

Die magische Stunde
ALTARM VARIANTE:
Taubergiessen, Tagestour, 25km
Rheinhausen bis Wittenweier, Oktober 2024
Der schönste aller Altrheinarme ist meiner Meinung nach der Taubergiessen. Ich fahre diese Strecke mindestens einmal im Jahr. Ich war auch schon mehrfach mit meinen Kids hier, die Strecke ist einfach nur der Traum. Mein absoluter Favorit. Diesmal wollte ich sie im Herbst erleben …

Die Anfahrt ist nicht ganz so ideal. Mit Regionalzügen kann man von Süd oder Nord anreisen bis Kenzingen. Dann von da aus mit dem Bus nach Rheinhausen. Von der Haltestelle Rathaus Rheinhausen ist es dann noch ein 2-km-Fußmarsch zur Einstiegsstelle. Immer geradeaus Richtung Rhein laufen. An dem Parkplatz vorbei bis zum halbmondförmigen See, hier ist der Einstieg. Um vom Hauptstrom aus hinzukommen, bootet man entweder bei der Staustufe Rhinau rechts aus und umträgt in die Zollgrundkehle, das ist schon ein Teil des Taubergießen, oder man fährt direkt in den Leopoldskanal und versucht, so weit wie möglich flussaufwärts zu kommen. Wenn man nicht mehr vorankommt, dann auf der linken Uferseite raus und den Rest mit dem Bootswagen bis zum Einstieg.

Der Taubergießen wird auch als der „deutsche Amazonas“ bezeichnet

Traumhafte Farben, intakte Tier- und Naturwelt, absolute Stille und gute Strömung. Man muss es selbst erleben, die Fotos können das nicht annähernd wiedergeben.

Empfehlenswert ist die Strecke werktags unter der Woche. Ich habe auf der gesamten Tour nicht einen Menschen getroffen.

Das ist das Einzige, was es an Zivilisation zu sehen gibt auf der Strecke. Eine Überwachungsanlage vom BND.

Biberfamilie auf der Flucht

Ein traumhafter Herbsttag.

Einer der wenigen Umtragestellen. Hier geht es weiter zur blinden Elz über den Hochwasserdamm.

Den Schwänen sollte im Altrhein so weit wie möglich aus dem Weg gegangen werden. Ich habe am Ottenheimer Altrhein einmal den Fehler gemacht und bin trotz Warnung anderer Bootsfahrer zu nah an dem Nest einer brütenden Schwanendame vorbeigefahren, bzw. war die Strömung so stark, dass ich keine Möglichkeit mehr hatte, zu stoppen. Das Männchen hat mich vor der Durchfahrt schon fixiert und nachdem ich vorbei war, hat es die Verfolgung aufgenommen. Direkt danach hat es mich von hinten mit Flugattacken angegriffen. Im Kajak sitzend in der Strömung hat man kaum Möglichkeiten, dem zu entkommen. Ich habe das Paddel hinter meinem Rücken auf die Schulter genommen, um mich vor den Flügelschlägen zu schützen. Die Viecher haben gewaltige Kraft, die können dir den Arm brechen. Das Ganze ging einige hundert Meter, und nachdem ich mich vor den Angriffsflügen unter überhängenden Bäumen geflüchtet hatte, hatte ich die Schnauze voll und Adrenalin genug und bin dann an einem steilen, matschigen Ufer raus, habe das Boot einige hundert Meter durch den Wald geschleift, bis Ruhe war. Und da die Schwäne an Land sehr unbeholfen sind, hat er die Verfolgung aufgegeben. Das war das heftigste Erlebnis, das ich mit einem Tier je hatte.

Hier ein Schwanenerlebnis der anderen Art, ein freilebender schwarzer Schwan. Sehr selten, es gibt ca. 20 Brutpaare in Deutschland.

Rastplatz an der Gifizbrücke.

Nilgänse. Man sollte aus Rücksicht den Tieren gegenüber vermeiden, außerhalb der vorgesehenen Rastplätze anzulanden, es ist meistens sowieso kaum möglich, da das Ufer fast überall verschlammt ist.

Noch ein schöner Rastplatz

Absolutes Genusspaddeln.

Ich liebe diese Färbung.

Vor diesem Wehr bei Wittenweier ist die Ausstiegsstelle rechts. Man kann die Tour auch verlängern und den Ottenheimer Altrhein im Anschluss fahren. Der ist sehr schön und lohnenswert, dazu sind aber 2 Tage notwendig. Leider ist die Anbindung für die Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln hier ebenso nicht gut. Ich habe den Bus verpasst und der nächste wäre erst in knapp 2 Stunden gefahren. Ich hatte noch eine Menge Energie übrig und habe beschlossen, das Kajak die 7 km zum Bahnhof nach Lahr zu schieben.
Tag 11
Karlsruhe Daxlanden bis Ketsch
55km 24 Grad

Es geht wieder weiter auf dem Hauptstrom. Hier bin ich in Karlsruhe Daxlanden beim Kanuclub Maxau gestartet. Ich konnte gerade rechtzeitig das Boot und Zelt aufbauen, dann hat es erstmal eine Weile ordentlich geregnet. Den Abend habe ich im Bootshaus verbracht, einem tollen Verein mit sehr netten, freundlichen Menschen.

Um das gesamte Areal der Kanuvereine und das Rheinbad Daxlanden führt ein ca. 4 km langer und sehr schöner Altrheinarm. Den konnte ich natürlich nicht unbefahren lassen.

Traumhafte Morgenstimmung an diesem Frühlingstag.

Am Ende des Altarms muss man über diesen Düker

Einmal hoch und einmal runter.

Dann geht es wieder auf den Hauptstrom mit flotter Strömung.

Es gibt immer wieder Abzweigungen zu kleinen Altarmen, oft kommt es dabei zu Umtragungen.

Gesprengter Bunker aus dem zweiten Weltkrieg.

Dieser hier war ziemlich gross.

Hier habe ich beim Überheben in einen Altrheinarm ein Loch in die Außenhaut bekommen. Das war selbstverschuldet, da ich unachtsam das schwere Boot über einen größeren scharfen Stein gezogen habe. Ich habe es provisorisch mit Gaffatape geklebt, weil ich erst mal keinen Bock auf Flicken hatte.

Am Nachmittag habe ich Kopfschmerzen bekommen und schon früher als üblich Feierabend gemacht. In der Nähe des Ketscher Altarms habe ich dann einen passenden Platz gefunden.
Tag 12
Ketsch bis Germersheim
58km 19 Grad

Am nächsten Morgen ging es mir etwas besser und ich habe mich auf die Befahrung des Ketscher Altarms gemacht, der sehr schön und idyllisch ist.

Danach wird es industriell und zwischen Mannheim und Ludwigshafen gibt es an beiden Uferseiten für eine lange Zeit nur BASF, Kraftwerke und Schornsteine ohne Ende.

Großkraftwerk Mannheim-Altrip

Der Nibelungenturm in Worms. Ich war gesundheitlich angeschlagen und nach Worms habe ich entschlossen diesen Abschnitt in Germersheim zu beenden.
Tag 13
Germersheim bis Mainz
58km 30 Grad

Ein paar Tage später bin ich von Germersheim aus wieder los. Die Kilometertafeln fliegen nur so an einem vorbei im schnellen Rhein…

Mittagspause im Altarm des Erfelder Altrhein, auch „Kühkopf“ genannt. Das ist ein sehr langer Altrheinarm, ca. 18 km lang. Er ist verbunden mit dem Hauptstrom und kann ohne Umtragung befahren werden. Es befinden sich dort auch ein paar Kanuvereine, bei denen man auf Anfrage übernachten kann. Am Anfang ist noch Strömung vorhanden, die ungefähr ab der Hälfte nachlässt. Er ist sehr schön, einsam und absolut lohnenswert.

Kurz vor dem Ende des Altrheinarms verbreitert sich die Wasserfläche. Nachdem ich wieder auf dem Hauptstrom war, habe ich gegen einen erbarmungslosen Nordwind gekämpft.

Kurz vor Mainz war mir der Gegenwind zu stark und ich hatte keine Lust mehr. Am rechten hessischen Ufer habe ich einen traumhaften Privatstrand gefunden an dem ich dann den ganzen Nachmittag verbracht habe.

Gegenüber auf der Pfälzer Seite sah das Wetter etwas unbeständig aus, aber ich habe das erst mal nicht ernst genommen.

Gegen Abend habe ich mich dann hingelegt und noch gemütlich gelesen. Dann bin ich wohl eingedöst und ein, zwei Stunden später durch Blitz, Donner und Sturm brutal geweckt worden. Ich befand mich nun direkt unter einem heftigen Gewitter, das innerhalb von kürzester Zeit so stark war, dass es mir die Heringe des Zeltes aus dem Boden gerissen hat. Das Zelt wäre einfach weggeflogen, wenn ich herausgegangen wäre. Mir blieb nur noch die Möglichkeit, auf dem Rücken liegen zu bleiben und durch mein Eigengewicht zu verhindern, dass es wegfliegt. Als ich einen Blick nach außen wagte, habe ich gesehen, wie Ausrüstungsgegenstände, die nicht im Zelt oder Kajak waren, von dem Sturm in alle Richtungen verteilt wurden. Ich habe ja schon einige Gewitter in meinem Outdoor-Leben miterlebt, aber das war das heftigste ever. Ich lag also ca. eine Dreiviertelstunde auf dem Rücken, mit Armen und Füßen das Zelt aufrecht haltend, bis das Ganze nachgelassen hat. Die Situation war so anstrengend, dass ich direkt wieder eingeschlafen bin, ohne dass das Zelt ordentlich aufgebaut war. Am nächsten Morgen waren die Ausmaße des Sturms erst erkennbar. Zum Glück sind keine Äste auf das Zelt gefallen, da ich meinen Spot dazwischen gewählt habe. Die Ausrüstungsgegenstände lagen im Umkreis von 20 m verstreut. Wieder was gelernt: Lange Sandheringe dabei haben bei Campspot auf Sand oder weichem Untergrund.
Tag 14
Mainz bis Walluf
22 km 24 Grad

Hier ging es an Mainz im Schneckentempo vorbei, der Wind war unglaublich stark.

Schloss Biebrich, Wiesbaden. Am nächsten Tag war der Gegenwind immer noch stark präsent und obwohl es ab Wiesbaden ein Stück nach Westen ging, kam der Wind trotzdem heftig von vorne. Trotz des schönen Sonnenwetters und hoher Temperaturen habe ich die Lust verloren, bin bei Walluf ausgebootet, habe das Boot gepackt und bin nach Hause gefahren.
ETAPPE 5:
BURGENROMANTIK
Mittelrhein 130km
Mainz bis Bonn, Juli 2025
Diesmal habe ich sehr genau auf das Wetter geachtet. Kein Wind und passable Temperaturen waren ideal, um die gesamte Rheinschlucht am Stück zu befahren. Morgens um 4 habe ich mich ausnahmsweise ins Auto gesetzt, mit dem schon fertig aufgebauten Argo auf dem Dach, um ab dem letzten Ausstieg, an der Rampe bei Walluf wieder die Fahrt fortzusetzen.

Ab Bingen fließt der Mittelrhein zwischen Hunsrück und Taunus durch eine enge Schlucht bis zur Mündung der Sieg bei Bonn. Dieser Abschnitt ist 130 Kilometer lang und strömt besonders schnell. Er ist bekannt für seine malerische Landschaft mit steilen Tälern im Rheinischen Schiefergebirge, Burgen und Weinbergen. Grafik von Wikipedia, Autor: WWasser
Tag 15
Walluf bis Rhens
70km 22 Grad

Der Mäuseturm bei Bingen. Auf die Rheinschlucht habe ich mich besonders gefreut. Die vielen Burgen, das enge Tal und die Loreley habe ich schon öfters vom Zug oder Fahrrad aus gesehen, aber vom Fluss ist das was ganz anderes …

Mittagspause zwischen den Buhnen. Ab Bingen ist das Tal enger und die Strömung deutlich schneller. Aufmerksamkeit ist hier gefragt.

Es ist reger Frachtverkehr, es vergehen keine paar Minuten bis ein Frachter von Berg oder zu Tal kreuzt.

Bacharach sieht aus wie ein Postkartenmotiv.

Burg Pfalzgrafenstein ist ein wahrer Augenschmaus.

Imposant mitten in den Rhein gebaut.

Der berüchtigte Loreley-Felsen, die schmalste Stelle des Rheins mit nur 130 m Breite. Laut DKV-Führer sollte man sich unbedingt rechts halten. Wenn sich Berg- und Talfahrer begegnen, wird es eng. Unabhängig davon gibt es auch Querströmungen. Als ich durchgefahren bin, war aber alles entspannt. Trotzdem sollte man dem DKV‑Führer Glauben schenken, das steht da nicht umsonst drin.

Marksburg bei Braubach

Kurz vor Koblenz habe ich dann einen schönen Platz für ein Camp am rechten Ufer gefunden. Und wieder einmal gab es eine traumhafte Abendstimmung am Fluß.
Tag 16
Rhens bis Bonn Oberkassel
70km 29 Grad

Und am Morgen mystische Nebelstimmung.
Hier noch ein paar Gedanken von mir zum Thema Wildcampen. Ich will das nicht romantisieren, aber für mich ist das einfach die natürlichste Art der Übernachtung bei so einer Reise, vor allem am Fluss, ich kann mir nichts Schöneres vorstellen. Ich habe noch nie schlechte Erfahrungen beim Wildcampen gemacht oder Ärger bekommen, eher im Gegenteil: Interessierte Menschen habe ich dadurch kennengelernt und spannende Gespräche geführt. Ein Appell an alle, die das auch machen: Bitte nehmt euren Müll mit und am besten hinterlasst den Platz sauberer, als ihr ihn vorgefunden habt.

Im Nebel fahren geht schon klar, man sollte etwas wachsamer sein und öfters nach hinten schauen als sonst.

Schloss Stolzenfels löst sich von der Nebeldecke.

Lahnstein mit der Lahnmündung.

Koblenz

Festung Ehrenbreitstein

Das deutsche Eck markiert die Moselmündung in den Rhein.

Rheinbrücke Engers-Urnitz

Containerschiffe ohne Ende…

Die letzte große Erhebung des Siebengebirges auf der rechten Uferseite, jetzt folgt das Flachland.

Noch kurz vor dem schnellen Frachter flüchten, danach wurde ich in Bonn Oberkassel von meinem Freund Tobi aus Köln empfangen und habe noch den Nachmittag mit ihm am Rheinufer verbracht. Am Abend ging es dann wieder mit dem Zug nach Hause.
ETAPPE 6:
INDUSTRIEROMANTIK
Niederrhein 212 km
Bonn bis Emmerich, September 2024

Der Niederrhein fließt ab Bonn bis zur holländischen Grenze bei Emmerich durch flache Landschaften. Er passiert Köln, eine der schönsten Städte Deutschlands, fließt weiter nach Nordnordwest und streift das Ruhrgebiet mit seinen gewaltigen Industrieanlagen. Die Strömung lässt hier langsam nach, ist aber immer noch ausreichend, um lange Tagesetappen zu machen. Nach den großen Industriezonen von Ruhrgebiet und Duisburg wird es einsam und Landwirtschaft bestimmt das Rheinufer.
Tag 17
Bonn Oberkassel bis Hitdorf
60km 20 Grad

Nach langer Fahrt mit der Bahn bin ich spät in der Nacht an exakt der gleichen Uferstelle in Bonn-Oberkassel angekommen, wo ich das letzte Mal aufgehört habe. Ich war sehr müde von der Anreise, da ich direkt nach der Arbeit mit dem Zug los bin. Das hat wie immer lange mit der DB gedauert. Das Zelt wurde aufgebaut und ich bin sofort eingeschlafen. Am nächsten Morgen war ich von russischsprachigen Anglern umringt, die aber alle sehr nett und interessiert an meiner „Lodka“ waren, und ich konnte mal wieder mit meinen Sprachkenntnissen trumpfen. Dann ging es los zur vorerst letzten Etappe.

Mittagspause kurz nach Köln Rodenkirchen, hier gibt es einen wunderbaren Stadtstrand zwischen Buhnen.

DIe Kranhäuser von Köln.

Kölner Dom und St.Martinskirche mit Rheinpromenade

Am späten Nachmittag habe ich hier beim Fähranleger in Hitdorf Timo kennengelernt, einen Bekannten meines Freundes Tobi aus Köln. Er war sehr am Flusswandern interessiert, wir haben uns gut unterhalten und ich habe beschlossen, den Rest des Tages hier zu verbringen, und wir haben noch bis spät in die Nacht am Ufer gesessen und philosophiert.
Tag 18
Hitdorf bis Duisburg
80km 25 Grad

Morgenstimmung in Hitdorf.

Und Aufbruch zum vorletzten Tag dieser Etappe. Weil die Strömung immer noch schnell ist, kann man hier sehr lange Tagesstrecken fahren. An dieser Stelle will ich noch ergänzen, dass der Nortik Argo ein perfektes Boot für so eine Reise ist. Ein Faltboot erleichtert die An- und Abreise erheblich und man ist nicht vom Auto abhängig. Durch die schlanke und lange Form gleitet das Boot wie ein Pfeil durch das Wasser. Das Packen ist wegen des Gestänges zwar umständlicher als bei einem Hartschalen-Seekajak mit Schotten, aber dieses kleine Übel nehme ich gerne in Kauf.

Vorbei an Düsseldorf

Dann folgen die großen Industriegebiete.

Butangastankschiff von INEOS, der Slogan auf dem Rumpf ist zwar gut gemeint, wie weit die Fürsorge für Flüsse geht ist eher unklar…

Industrie, Frachter, Schubleichter, Logistik, Kraftwerke, es nimmt kein Ende…

Gaskraftwerk Duisburg Huckingen

Das Wasser war immer noch warm genug, um zu baden. Unter keinen Umständen will ich hier Schwimmen im Rhein verharmlosen, aber ich weiß, was ich mache. Jedes Jahr ertrinken einige Menschen im Rhein, entweder aus Unwissenheit oder Leichtsinn. Selbst als guter Schwimmer wird man bei der Strömung kilometerweit abgetrieben. Wenn man ins Wasser geht, dann sollte man innerhalb der Buhnen bleiben und sich dem Hauptstrom fernhalten.

Mein tägliches Sprachstudium am verdienten Feierabend. Gegenüber von Duisburg habe ich nach der längsten Tagesstrecke von 80 km einen wunderschönen Platz zwischen Buhnen gefunden.

Kraftwerkswolke in der Nacht von Thyssen-Krupp.

Bis in die Nacht schiffen gucken…
Tag 19
Duisburg bis Emmerich
50km

Das Wetter für den letzten Reisetag sah schon mal super aus.

Wehmütig, der vorerst letzte Morgen am Rhein.

Das hier war wohl einer der schönsten Campspots die ich jemals auf einer Kajaktour hatte. Kurz nach dem Hafen von Duisburg, ich hätte nie gedacht dass ich jemals in der Nähe des größten Binnenhafens so einen schönen Platz finde.

Apokalyptische Industriestimmung beim Stahlwerk von Thyssen Krupp, in der Nacht zuvor haben diese Wolken unheimlich geleuchtet, wahrscheinlich weil sie von einem anderen Werk angestrahlt worden sind.

Nach Duisburg wurde es einsam und es waren keine Siedlungen mehr am Ufer zu sehen. Schöne Sandstrände gab es ohne Ende.

Die Weideflächen gehen bis an die Ufer.

Alte Eisenbahnbrücke Wesel

Hier dominiert die Viehwirtschaft.

Auf der linken Uferseite habe ich etwas Seltsames gesehen, konnte aber meinen Augen nicht trauen. Aus diesem Kühlturm kam eine Art Karussell empor und drehte sich kurz danach wieder in die Tiefe. Das war das Kalkar Wunderland, ein Freizeitpark in einem nie in Betrieb gegangenen Atomkraftwerk. Es kostete umgerechnet über sechs Milliarden Euro und zählt zu den teuersten Investitionsruinen in Deutschland.

So langsam kommt Meerestimmung auf.

Und hier bei Emmerich, direkt vor der niederländischen Grenze, ist meine Reise vorerst zu Ende. Ich muss Zeit finden, die letzte Etappe, den Deltarhein, noch zu befahren. Ausbooten ging dann gemütlich rechts an einem schönen Strand. Von da aus geht ein ca. 2 km langer Fußmarsch zum Bahnhof.


