Rhein: Vom Tomasee zur Nordsee

18 Minuten

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Ursprünglich hatte ich eine ganz andere Tour geplant, das gesamte Baltikum inklusive meinem Geburtsland Estland und die skandinavischen Länder wollte ich durchqueren. Leider sind mir eine schwere Bronchitis, ein Todesfall und ein Magen-Darm Infekt dazwischengekommen. So hat sich alles nach hinten verschoben. Aufgrund der Urlaubsplanung waren dann die 3-4 Wochen am Stück nicht mehr möglich. Als Alternative habe ich dann den Rhein von Quelle bis Mündung gewählt, das wollte ich auch schon immer mal machen. Ich habe die Tour Anfang Juli 2025 gemacht, mitten in der extremen Hitzephase in Süddeutschland, die ersten Tage hatte ich knapp an die 40 Grad, nicht gerade ideal zum Radfahren. Aber da wo es Wasser gibt, gibt es auch Abkühlung.

ETAPPE 1

Tomasee bis Breisach 554km

4 Tage

Tag 1

Oberalppass/Tomasee bis Landquart

4km Wanderung & 100km mit dem Rad

Die Wanderung zum Tomasee ist bei einer Rheinradtour Pflichtprogramm.

Um Zeit zu sparen, bin ich bereits am Vortag nach Bregenz gefahren, um am nächsten Morgen rechtzeitig am Oberalppass zu sein, da ein Gewitter für den Nachmittag vorhergesagt war. Die Anreise war geprägt von typischen Verspätungen der Deutschen Bahn, erstmal habe ich die Anschlussverbindung verpasst und dann hatte ich auch noch eine Fahrt in einem nicht klimatisierten Zug bei 35 Grad. Bei der Ankunft in Bregenz wurde ich erst mal mit heftigem Regenschauer und Hagel begrüßt. Wegen den Verspätungen war es fast schon dunkel und erneut zog ein Gewitter auf. Also schnell noch eine Runde im Bodensee baden und das Zelt aufbauen. Am nächsten Morgen ging schon um 5 Uhr der Zug zum Oberalppass. Nach einigen Umstiegen kam ich endlich oben an. Da ich mein ganzes Reisegepäck nicht mit hochschleppen wollte, habe ich erst mal im Restaurant am Pass gefragt ob ich das Rad unterstellen kann, das war kein Problem. Dann ging es auf zur Wanderung zum Tomasee, die traditionelle Quelle des Vorderrheins. Für die Wanderung sollte man sich ca. 4 Stunden Zeit nehmen, Wegstrecke hin und zurück ca. 4 km. Es lohnt sich wirklich. Während des Aufstiegs habe ich einen anderen Radreisenden getroffen, der den Rhein von der Mündung aus zur Quelle gefahren ist.

Die Landschaft ist ein absoluter Traum.

Es sind am Ende doch ein paar km mehr geworden, aber ist ja eigentlich klar, man fährt ja nicht im sondern neben dem Fluss.

Das ist eine Nachbildung des ehemaligen Leuchtturms von Hoek van Holland, der früher die Rheinmündung markierte. Ab hier wird endlich geradelt.

Unterhalb dem Oberalppass erwartet einen eine 30km Downhillstrecke. Danach folgen wieder einige Höhenmeter, um die Ruinaulta, die Rheinschlucht zu umfahren.

Im Vorderrheintal wird auch Rätoromanisch gesprochen. Einer der 4 Amtssprachen der Schweiz.

Für diese Ausblicke lohnt sich der Aufstieg.

Es hat immer wieder stark geregnet aber bei über 30 Grad kein Problem.

Höchster Punkt über der Rheinschlucht. Traumhafte Landschaft.

Hier bei Tamins-Reichenau vereinigt sich der Vorder mit dem Hinterrhein und wird zum RHEIN.

Um 19 Uhr war ich dann durch, die frühe Anreise und die Wanderung zum Tomasee haben gereicht, nach knapp über 100 km habe ich dann in einem Waldstück kurz vor Landquart direkt am Fluss einen schönen Campspot gefunden.

Tag 2

Landquart bis Münsterlingen 

140km

Ab der Grenze zu Lichtenstein wurde der Radweg zur Fahrradautobahn,  am linken Rheinufer, super betoniert, und mit Rückenwind flogen die Kilometer nur so vorbei.

Vor Lustenau

Kurz vor der Mündung in den Bodensee, die Ausläufer der Alpen werden kleiner.

Der Tag war brutal heiß, gefühlt alle paar km habe ich pausiert um zu Baden und die Körpertemperatur zu senken. Badestellen auf dieser Etappe gab es ohne Ende. Es war immer knapp an die vierzig Grad . Kurz vor dem Stadtgebiet von Konstanz habe ich dann am Strand von Münsterlingen einen schönen Campspot unter freiem Himmel gefunden.

Morgens habe ich dann überraschenderweise einen Platten am Vorderrad entdeckt und direkt geflickt bei Sonnenaufgang.

Tag 3

Münsterlingen nach Murg

152km

Hier kurz vor Stein am Rhein verengt sich der Bodensee und wird wieder zum Fluß.

Malerisch an den Fluss gebaut: Stein am Rhein, ab hier wird der Rhein wieder Fluß und fängt erneut an zu strömen.

Stein am Rhein hat eine kleine und sehr schicke Altstadt.

Diessenhofen, mit schön gedeckter Holzbrücke.

Hinter der Brücke ist der Rheinfall, auf einen Besuch habe ich verzichtet, da ich mein Rad mit dem ganzen Gepäck nicht irgendwo abstellen wollte.

So kann eine Grenze auch aussehen in ein Nicht-EU Land. Schweiz – Deutschland. Kurz vor Waldshut-Tiengen hat mich ein junger Spanier angehalten der einen sehr verzweifelten Eindruck gemacht hat. Er hat gefragt ob ich Werkzeug habe um mit ihm zusammen seinen Bus aufzubrechen. Der erste Eindruck war etwas suspekt aber als ich dann seinen Bus gesehen habe war das ganze plausibel. DIY Lackierung, überall Rost und Dellen machten die Geschichte dann doch glaubhaft. Mit meinem Multitool hebelten wir die Seitenscheibe ein paar cm auf und schafften es mit gemeinsamer Kraft die Scheibe runterzudrücken. So kam er wieder an seinen Autoschlüssel.

Hohentengen auf der deutschen Seite. Hier habe ich nach Deutschland gewechselt weil mein Nicht-EU Auslandstarif verbraucht war und ich zumindest wegen Kommunikation wieder im Netz sein wollte.

Die Farbe des Hochrheins ist einfach schön. Apropos Wasser: Ein großes Plus für den Radweg auf der Schweizer Seite sind die unzähligen Dorfbrunnen, die alle schön gekühltes Trinkwasser bieten. Ideal im Sommer um den Wasservorrat aufzufüllen, manche sind auch so groß dass man darin baden kann…

Laufenburg. Danach habe ich bei Murg einen Naturcamping angesteuert weil es Abend und Nachts laut Vorhersage regnen sollte und meine Powerbank leer war. Auf dem Platz habe ich Alej aus Katalonien, einen Radreisenden getroffen mit dem ich mich noch lange unterhalten habe. Nachts hat es dann ordentlich geregnet so wie vorhergesagt.

Tag 4

Murg bis Weisweil

162km

ETAPPE 2

Basel bis Mainz

425 km

Basel

In Breisach waren die ersten 500km geschafft.

1000km to go

Ab Märkt bei Basel bin ich dann immer auf der rechten Uferseite dem Fluß gefolgt. Sehr abgeschieden und ruhig mit unendlich vielen Badestellen am glasklaren Rhein, aber Schotter ohne Ende. Hier hat sich die 47mm Bereifung meines neuen Tourenrades als sehr vorteilhaft erwiesen. Man kann alternativ aber auch auf französischer Seite asphaltierte Wege bis Karlsruhe fahren, die sind aber ein Stück vom Fluß entfernt und ich wollte so nah wie möglich den Rhein begleiten.

Habe dann unterwegs Nino getroffen der die gleiche Route wie ich fuhr und auch fast zur gleichen Zeit am Oberalppass gestartet ist. Wir sind eine Weile zusammen gefahren, er hat aber wegen eines Speichenbruchs Zeit verloren und wollte noch Strecke an diesem Tag machen und wir haben uns dann wieder getrennt. Ich hatte meinen Schlafplatz schon fest geplant, In der Nähe des Kaiserstuhls bei Riegel gibt es ein Kieswerk mit Baggersee, traumhaft klares Wasser und perfekter Schlafplatz. Ich kannte Ihn bereits vom letzten Jahr von der Skateradtour.

Tag 5

Weisweil bis Karlsruhe

153km

Schlafen unter freiem Himmel ist einfach am schönsten.

Einer der besten Campspots die ich je hatte. Nach der morgendlichen Packroutine musste ich erst mal den etwas umständlichen Weg wieder zurück zur Straße. Für diesen Platz lohnt er sich jedoch jederzeit. Hier in der Reihenfolge:

Erstmal Taschen hochtragen

Dann das Rad den steilen Abhang hoch

Schritt für Schritt

Dann um die Ecke durch den Dornendschungel, rechts und links nur stachlige Brombeerbüsche.

Taschen nachholen und los gehts.

Jetzt ging es erst mal straight am Leopoldskanal entlang wieder zum Rhein.

Der Rheinradweg sah dann für Ewigkeiten entweder so oder wie auf dem Bild unten aus.

Gefühlt endlos geschotterte Dammwege, geschätzt ca 200km von Basel bis Karlsruhe

Immer noch sehr heiss

1 1/2 Tage nur Schotterwege habe Ihre Spuren hinterlassen. Selbst das Wasser hat irgendwann nach Staub geschmeckt. Das Rad war komplett mit einer dicken Staubschicht bedeckt, vor allem der Antrieb hat gelitten. Eine große Wäsche war nötig. Bei der Gelegenheit hat es gleich seineTaufe mit Rheinwasser bekommen.

Reger Frachtverkehr bei Karlsruhe.

Sorry, aber von Schiffen kann ich nicht genug bekommen, egal welcher Art. Abends am Fluß sitzen und den vorbeifahrenden Schiffen zuschauen, bester Feierabend.

Direkt am Hafen von Karlsruhe habe ich einen überdachten Schlafplatz gefunden. Das Wetter für die kommenden Tage sah nicht mehr so gut aus. So konnte ich aber noch eine Nacht ohne Zelt schlafen.

Tag 6

Karlsruhe bis Mainz

185km

Gedenktafel für Johann Gottfried Tulla, der Mann der die Rheinbegradigung in die Wege geleitet hat. Dadurch wurde der Fluß zwischen Basel und Mainz um 81 km kürzer. Über die Nachfolgen kann man sich streiten…

Man muss über diese Fußgängerbrücke, um nach Wörth am Rhein zu kommen, um am linken Rheinufer weiterzufahren. Das war kein Spaß, mit dem schweren Tourenrad über die steilen Treppen.

So sieht ein typischer Altrheinarm aus. Zum Teil abgeschnitten vom Hauptstrom, manchmal auch direkt verbunden. Traumhaft schön.

Jetzt ging es auf der Seite von Rheinland-Pfalz weiter. Das Wetter war bedeutend kühler und angenehmer zum Radfahren. Der Radweg in der Pfalz war sehr gut ausgebaut und führte auf super asphaltierten Dammwegen entlang. Dann hatte ich um die Mittagszeit plötzlich bei Worms eine Art Kreislaufkollaps. Ich habe sofort gestoppt und mich bei einem Parkplatz auf eine Bank gelegt und bin innerhalb von Minuten eingeschlafen. Als ich aufwachte, war Radfahren erstmal kein Thema für mich. Ich habe mich aber dann doch noch aufgerafft, bin erstmal langsam weitergefahren und habe schon mal nach Campspots Ausschau gehalten. Interessanterweise kamen dann die Kräfte zurück und ich bin an diesem Tag die längste Strecke gefahren, 185 km. Mittlerweile am Stadtgebiet von Mainz angekommen, waren Campspots rar. Ich habe dann auf der Rheininsel Rettbergsaue einen freien Campingplatz gefunden ohne Camper und Autos ganz nach meinem Geschmack. Nachteil war, dass man frühestens um 9 auschecken kann, da der Platz abgeschlossen ist. So war ich gezwungen 2 Stunden länger wie üblich zu schlafen, was zur Abwechselung auch nicht verkehrt war. Abgesehen davon war Powerbank aufladen angesagt. Das Solarpanel bringt nichts mehr bei dem bedeckten Himmel.


ETAPPE 3

Mainz bis Hoek von Holland

650km 

Tag 7

Mainz bis Koblenz

125km

Mündung der Nahe in den Rhein bei Bingen. Hunsrück und Taunus rücken hier zusammen und der Rhein wird schmaler und schneller.

Ab Bingen fängt das sagenumwobene Rheintal an, darauf habe ich mich besonders gefreut. Leider war es sehr stark bewölkt, Regen stand bevor und als Bonus gab es ordentlich Gegenwind dazu.

Burg Pfalzgrafenstein

Hier bei der Loreley gab es immer wieder Schiffsunfälle, da die Stelle schmal und die Strömung schnell ist. Diese Strecke bin ich bereits mit dem Faltboot gefahren.

Die Loreley bei Rhein Km 555

Ab hier war Schluss mit lustig. Hundert Meter vor mir habe ich einen anderen Radreisenden gesehen, der sich hektisch Regenkleidung anzieht. Das war für mich dann auch angesagt. Bis Koblenz war es dann ein ziemlicher Kampf.

Bei Boppard ist der Regen zu stark geworden und ich habe mich untergestellt. Kurz danach ging es bis zum nächsten starken Schauer weiter.

In dieser netten Nachbarschaft habe ich mich dann erneut untergestellt.

In Koblenz angekommen gab es eine irre umständliche Umleitung zum deutschen Eck. Mittlerweile war der Regen zur Sintflut übergegangen und so stark, dass ich mich unter diese Ticketbude nahe der Moselmündung untergestellt habe. 1 Meter Vordach hat gerade so gereicht für mich und das Fahrrad. Ein Ende des Regens war nicht in Sicht. Trotz Regenjacke war mittlerweile alles nass und mein Körper war nach über einer Stunde im Regen ausharren stark ausgekühlt. Mit Kaffe trinken habe ich versucht mich warmzuhalten, aber schlussendlich brauchte ich eine trockene Lösung für den Abend. Mitten in der Stadt war es aussichtslos einen Outdoorspot zu finden, so habe ich mich entschlossen eine Unterkunft zu buchen. So bin ich am späten Nachmittag noch ca. 2 km durch strömenden Regen durch die Stadt zu meiner Herberge gefahren. Mit dem letzten Prozent des Akkus meines Smartphones habe ich dann noch den Weg gefunden. In solchen Situationen gebe ich ein Hoch auf die Technik.

Tag 8

Koblenz bis Köln

116km

Am nächsten Morgen war das Wetter etwas besser, Regen war zwar vorhergesagt, aber ich hatte Glück und bis Köln blieb es trocken. Dafür hatte ich ab hier Gegenwind bis in die Niederlande zur Mündung. War eigentlich auch klar, hier fängt das Flachland an und im Sommer ist meistens Wind aus Nord/Nordwest zu erwarten.

Die Brücke von Remagen, zerstört im zweiten Weltkrieg.

Mit den Ausläufern des Siebengebirges auf der rechten Uferseite ist der letzte Höhenzüg erreicht, ab jetzt gibt es nur noch Flachland.

Die Kranhäuser von Köln. In der Südstadt habe ich noch einen kürzlich verstorbenen Jugendfreund auf dem Friedhof besucht. Danach bin ich wieder direkt an der Rheinpromenade bis nach Nippes entlanggefahren, um Tobi zu besuchen, den ich schon sehr lange vom Skateboardfahren her kenne.

Tag 9

Köln bis Xanten

137km

Diese Stele bei Duisburg markiert den Zusammfluss von Ruhr und Rhein.

Schöne alte Stahlbrücke

So langsam wird es nordisch.

Sobald man die Urbanregionen Köln, Düsseldorf und Duisburg hinter sich hat, wird die Landschaft ruhig und ländlich. Hier gibt es sehr viel Landwirtschaft. Die Weideflächen gehen bis an die Flussufer. Das macht die Campspotsuche etwas schwerer.

Bei Zons habe ich auf die rechte Seite per Fähre gewechselt.

Schiffe, Schiffe, Schiffe.

Mein Cockpit, neues Rad, aber Konfiguration so ähnlich wie beim alten. Navigation natürlich wie immer mit analogen Karten. Diesmal habe ich die Landkarten von Bikeline verwendet.

Unendliche Dammwege, total einsam, genau nach meinem Geschmack. Und nach 3 Tagen kommt die Sonne endlich wieder zum Vorschein.

Wegen der Viehweiden, die bis an die Ufer gingen, habe ich keinen Campspot finden können. Bei Xanten habe ich dann die letzte Fähre gerade noch rechtzeitig erwischt und direkt beim Fähranleger unter freiem Himmel diesen schönen Schlafplatz gefunden. 

Tag 10

Xanten bis Woudrichem

145km

Auf gehts zum Endspurt ins Radfahrerparadies. Wenn man das niederländische Radwegsystem nicht kennt, ist man unglaublich positiv überrascht wie gut so was sein kann und wie viel Spaß es macht hier Rad zu fahren.

Hier ist die Beschilderung der Radwege komplett anders als in Deutschland oder der Schweiz. Alle Routen sind nummeriert und man muss sich immer nach den Knotenpunkten orientieren. Wenn man die Nummern der Routen allerdings nicht kennt, dann kann das schon irreführend sein. In den Niederlanden heißt der Rhein WAAL. Am besten, man folgt immer Route 15, die Rijnfietsroute.

Typisch niederländisches Haus mit Reet gedecktem Dach.

Nijmegen

Bei Woudrichem habe ich dann an einem öffentlichen Strand mein Camp erst mal unter freiem Himmel aufgeschlagen. Hier gab es allerdings Stechmücken, was mich veranlasst hat, dann doch noch mein Innenzelt aufzubauen.

Tag 11

Woudrichem bis Hoek von Holland und zurück nach Rotterdam

125km

Die Skyline von Rotterdam, mit Europas grösstem Seehafen.

Hier war ich vor Jahren schon mal vor Jahren auf Skatetour mit dem Telum-Team

Jetzt beginnen die letzten km, es geht immer geradeaus Richtung Nordsee. Von der Stadt sind es nochmal 30km bis nach Hoek von Holland. Der Gegenwind war zum Teil sehr heftig. Ich bin kaum noch vorangekommen.

Das Maeslant Sturmsperrwerk, eine gigantische Sperre um die Nordsee bei Bedarf draussen zu halten.

Containerschiffe aus der Nähe zu sehen ist schon faszinierend.Im Vergleich zu den Rheinfrachtern sind die gigantisch.

Hinten in der Bildmitte ist der Leuchtturm von Hoek von Holland, der Punkt wo der Rhein/Waal in die Nordsee mündet. Leider war das Tor verschlossen und so waren die letzten 2km nicht fahrbar.

The End, naja nicht ganz. Ich habe von der gesamten Flußstrecke des Rheins bereits knapp 1000km mit dem Faltboot befahren, es fehlen noch 300. Das heisst ich war nicht das letzte mal hier…

FAZIT

und ein paar Tipps zum selber fahren:

Der Rhein Radweg ist auch für Einsteiger sehr zu empfehlen, da er verhältnismäßig leicht und relativ kurz ist. Er bietet auf kurzer Strecke viele abwechslungsreiche Landschaften und Kulturräume. Ich empfehle auf jeden Fall nichts zu skippen und vom Tomasee aus zu starten. Es ist jedes Mal spannend zu beobachten wie ein Fluss entsteht, dann durch die ganzen Nebenflüsse wächst, ein gewaltiger Strom wird, und dann schlussendlich ins Meer mündet.

Kosten: Ich habe für die Reise inklusive der An- und Abreise mit dem Bus und Bahn 250 € ausgegeben. In der Schweiz kann man auch zum Teil mit Euro bezahlen, bekommt dann allerdings als Wechselgeld Franken zurück. Empfehlenswert ist es auch vor der Reise für die Schweiz einen speziellen Nicht-EU-Auslandstarif zu buchen. In den Niederlanden ist es nicht so einfach mit den öffentlichen Verkehrsmitteln für Ausländer. Es gibt eine App für die Bahn, da kann über Google Pay oder Kreditkarten bezahlt werden. Barzahlung ist nicht möglich.

Übernachten: Wenn das Wetter es zugelassen hat, habe ich immer unter freiem Himmel geschlafen. 1x war ich auf einem Campingplatz, 1x Naturcamping und 1x musste ich sogar wegen des Wetters in eine Unterkunft. Wildcampen in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden ist problemlos möglich, wenn man auf ein paar Dinge achtet.Am besten „biwakieren“, das ist für eine Nacht erlaubt ohne Zelt aufbauen. Aber nicht in Naturschutzgebieten. Wenn das Zelt notwendig ist, dann sollte man darauf achten, nicht in der Nähe einer Stadt oder Siedlung zu sein und am besten etwas abseits. Ich hinterlasse meine Campspots generell sauberer als ich sie angetroffen habe, bedeutet: Ich nehme den Müll mit den andere liegengelassen haben. Ist gut fürs Karma.

Strecke: Der Rhein hat eine Fließlänge von 1320 km, aber man fährt natürlich nicht auf, sondern neben dem Fluss. Dadurch bin ich auf die Strecke von ca. 1500 km gekommen. Durchschnittliche Tagesetappe ca. 135 km.

Zeit: Ich war 11 Tage unterwegs und das hat locker gereicht, um die Strecke zu genießen. Um Städte habe ich nach Möglichkeit immer einen Bogen gemacht. Wenn man mehr Kultur und Sightseeing haben möchte, dann sollte man wahrscheinlich 2-3 Wochen einplanen. Im Sommer hat man im Flachland ab Köln fast immer Gegenwind von Nord/Nordost. Ich war Anfang Juli unterwegs mit sehr heißen Tagen, nicht unbedingt ideal zum Radfahren, aber da ich immer den Fluss begleitet habe, gab es viele Gelegenheiten zum Abkühlen. Ende Juni, Anfang Juli ist meiner Meinung trotzdem die beste Zeit für Radtouren, da der Tag sehr lange ist und man hat noch genug Zeit um schöne Campspots zu finden.

Navigation: Wie immer Analog, ausschliesslich mit gedruckten Karten: Rhein Radweg in 3 Teilen vom Esterbauer Verlag.

Kommunikation: Schwyzerdütsch ist eine Sache für sich und zum Teil sehr unverständlich. Spannend ist es im Vorderrheintal, da wird zum Teil noch Rätoromanisch gesprochen, das finde ich total faszinierend. Trotz allem beherrschen die Schweizer natürlich alle Hochdeutsch. Die Niederländer sprechen alle sehr gut Englisch, und das geschriebene Wort ist für jemanden der eine germanische Sprache beherrscht doch relativ leicht zu lesen.

Stechmücken waren kaum ein Thema. Der Wasserstand war niedrig und gerade mal 2 Nächte waren sie präsent.

Hygiene: Wie immer war der Fluss mein Badezimmer und ein Stück biologisch abbaubare Kernseife dazu hat gereicht. Schwimmen im Rhein ist an manchen Stellen mit Vorsicht zu genießen. Die Strömung ab Rastatt ist irre schnell und man wird sofort abgetrieben, wenn man ein Stück hinausschwimmt. Das sollte man nicht unterschätzen, jedes Jahr sterben einige Menschen im Rhein, entweder weil sie die Strömung unterschätzen oder einfach schlecht schwimmen können. In der Schweiz ist es Volkssport lange Distanzen im Fluss zu schwimmen bzw. sich treiben zu lassen, die Leute haben dann meist einen wasserdichten Rucksack dabei, den sie wie als Boje hinter sich her ziehen.

Wasserversorgung: Auf dieser Tour mit soviel Infrastruktur war es natürlich sehr einfach. Vor allem in der Schweiz ist es ein Traum mit den vielen Dorfbrunnen mit eiskaltem frischem Trinkwasser.

Kochen: Diesmal hatte ich ein Primus Kochsystem mit Gaskartusche dabei. Ist einfach angenehmer, weil die Flamme reguliert werden kann. Hauptsächlich, um Kaffee zu kochen.

Fahrrad: Die Reise habe ich mit meinem neuen Rose Hobo Dropbar gemacht. Lange habe ich nach einem passenden Fahrrad gesucht, dank meines Mechanikers, der mir das Rad empfohlen hat, habe ich es endlich gefunden. Robuster Stahlrahmen, einfache Technik, die leicht zu reparieren ist um besser autark zu sein und unzählige Anschraubpunkte für Transportsysteme machen das Rad perfekt für mich. Die 47 mm Bereifung hat natürlich einen höheren Rollwiderstand, aber auf Schotter und Waldwegen fährt es sich sehr komfortabel.

Kleidung: Eine Regenjacke, vor allem zu dieser Jahreszeit ist sehr empfehlenswert, Regenhose nicht unbedingt bei der hohen Temperatur.
Auf solchen Touren bin ich sehr minimalistisch unterwegs, da eh alles innerhalb kürzester Zeit verschwitzt ist. Für die Rückfahrt hebe ich mir immer ein sauberes Setup auf.
Stromversorgung: Wie immer Anker Solarpanel, bei ausreichend Sonne kann man während der Fahrt die Powerbank laden. Für die ersten 3 Tage war das Top, danach hat das nicht mehr ausgereicht bei bewölktem Himmel.

Rückreise: Die war diesmal schnell und angenehm direkt mit Flixbus ab Rotterdam, ich habe relativ kurzfristig eine Fahrt inkl. Radtransport zurück nach Stuttgart bekommen, ohne Umstieg für 70€.