Po: Von den Alpen zur Adria

21 Minuten

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Ich hatte noch Urlaub übrig und ursprünglich war Serbien mit dem Kajak geplant, Nach Recherche der Anfahrt habe ich mich aber für etwas weniger Aufwendiges entschieden. Die Anreise für die Fortsetzung der Komplettbefahrung der Donau ist mittlerweile so zeitintensiv, dass es sich nur lohnt, wenn man mindestens 2 Wochen am Stück unterwegs sein kann. Meine Wahl ist auf eine Radtour gefallen, Seit ich das neue Rad habe, machen die Touren mehr Spaß als je zuvor. Ich habe mich für den Po in Italien entschieden, da die Strecke gut für eine „kurze“ Tour passt, ca 700 km lang ist und ungefähr eine Woche dauert. Der Fluss hat mich schon immer interessiert, da er auf großer Länge unreguliert fliesst, was in Europa mittlerweile kaum noch zu finden ist. Abgesehen davon ist Italien einfach schön mit seiner Vegetation und Architektur. Wer hier aber einen Reisebericht der wunderschönen italienischen Städte erwartet, wird enttäuscht werden. Die Städte habe ich bewusst gemieden, so etwas hebe ich mir für Urlaub mit meiner Familie auf. Wenn ich mit dem Rad unterwegs bin, bevorzuge ich die meditative Ruhe und schaue mir die vorbeiziehende Landschaft vom Rad aus an. Das reicht mir. Idealerweise noch am Abend einen traumhaften Campspot direkt am Fluss, wenn möglich on Top noch ein Lagerfeuer. Die Radstrecke am oberen Po führt erst auf Landstraßen in Flussnähe, ab Turin folgen dann vereinzelt Radwege, die mehr oder weniger gut sind. Dann führt die Route über lange Zeit auf perfekt asphaltierten Dammwegen entlang, die sehr idyllisch immer in der Nähe des Flusses sind. Eine Woche vor der Tour bin ich leider krank geworden mit der üblichen Bronchitis und war mir bis zur letzten Minute nicht sicher, ob ich die Reise antreten kann. Ich habe mich die Tage zuvor so gut wie möglich geschont, kein Sport gemacht, Bettruhe gegönnt und Tee getrunken. Erholt, aber immer noch mit leichten Atemproblemen bin ich dann losgefahren. Die gute Luft in den Bergen am zweiten Tag hat dann wahrscheinlich den Rest gelöst und danach war ich wieder fit.

Der Po ist mit ca 650km der längste und wasserreichste Fluss Italiens und entspringt in den cottischen Alpen kurz vor der Grenze zu Frankreich auf Höhe von 2020m. Er fliesst als grösstenteils unregulierter Fluss durch die Po Ebene bis er schliesslich unterhalb von Venedig in die Adria mündet. Grafik von Wikipedia, Autor: NordNordWest

Tag 1

Anreise + Savigliano bis Paesana

45km 28 Grad

Der Anreisetag: Um 1 Uhr in der Früh ging es über Stuttgart per Flixbus nach Mailand. Dort musste ich für die Weiterfahrt nach Turin nochmal 2 1/2 Stunden warten. Von Turin aus wollte ich per Zug in die Nähe des Valle de Po nach Savigliano. Da der Zug aber erst in 2 Stunden fahren würde, hatte ich keine Lust mehr zu warten und wollte Radfahren. Ich dachte, ich fahre mal los und steige einfach ein paar Bahnhöfe später ein. Durch Turin fahren war erst ganz nett, wurde im Zentrum aber dann doch ziemlich nervig. Radwege sind zwar vorhanden, die sind aber leider in schlechtem Zustand und die Bordsteinkanten sind zu hoch. Bin dann zum Bahnhof Porto Nuova und von da aus mit dem Zug nach Savigliano. Von hier aus ging es mit dem Fahrrad in die Berge.

Als es langsam dämmerte habe ich einen idealen Campspot an einem Bauhof am Po gefunden, es war aber noch etwas zu früh und ich wollte noch ein paar Höhenmeter machen, so hat es mich weitergezogen und ich bin noch bis Paesana gefahren. Dort gab es einen Campingplatz, bei dem ich dann eingekehrt bin. Das war eine gute Entscheidung, nach dem langen Tag war ich ganz schön gerädert.

Tag 2

105 km 29 Grad

Paesana bis zur Po-Quelle & bis zum Pellice

Dann ging es morgens an den Aufstieg. Am Abend zuvor habe ich auf dem Campingplatz ein älteres Pärchen Holländer kennengelernt, der Mann war ein Tag zuvor zur Quelle hochgefahren, und sie haben mir geraten mein Gepäck einfach am Campingplatz zu lassen und nach dem Aufstieg wieder abzuholen. Den Rat habe ich dann auch angenommen.

Alte Steinbogenbrücke über den Po, der hier noch ein Bach ist.

Crissolo ist das letzte Dorf vor dem finalen Anstieg.

Als untrainierter Langstreckenfahrer waren so viele Höhenmeter für mich nicht ohne. 1700 hm auf 19 km waren schon sehr anstrengend, das ging an die Grenze meiner Belastbarkeit. Ich habe seit 2021 ein taubes Knie, weil mir ein Tumor in der Wirbelsäule die Nervenstränge abgedrückt hat. Das Ganze wurde später erfolgreich mit Chemotherapie und einer Stammzellentransplantation geheilt, aber die Behinderung im linken Bein ist leider geblieben. Meistens habe ich beim Radfahren keine Probleme damit, diesmal habe ich das aber eindeutig gespürt und das ganze linke Bein wurde taub und kribbelig. Ein paar Kilometer vor der Quelle musste ich alle paar hundert Meter pausieren oder schieben.

Das Wetter war fast schon zu gut für so einen Aufstieg, es wurden zum Mittag hin dann fast 30 Grad.

Es war heiss, und ich hatte zuwenig Trinkwasser dabei. Zum Glück gab es je höher man kam immer wieder kleine Nebenbäche mit frischem Bergwasser.

Auf dem Weg nach oben haben mich einige Rennradfahrer überholt, die kurz bevor ich oben war auch schon wieder heruntergefahren sind. Mega Respekt, wenn man so durchtrainiert ist, dass man da am Stück hochfährt. Ich habe unzählige Pausen gemacht.

Laut Karte war es nicht mehr weit, aber es hat sich noch ewig hingezogen. Die Landschaft ist atemberaubend.

Als ich total erschöpft angekommen bin, habe ich erst mal das Rad sicher abgestellt, kurz pausiert und mich auf die Wanderung zum Ursprung des Po gemacht, die laut den Infos der Holländer nicht lange sein sollte.

Lustigerweise bin ich einfach an der Quelle vorbeigelaufen, ich bin kurzsichtig und hatte meine Brille nicht dabei.

Auf der Suche nach der Quelle bin ich dann zu mehreren kleinen, wunderschönen Seen gekommen, die aber nicht der Ursprung des Po sein konnten. Beim Abstieg habe ich einen Rennradfahrer Fotos vor einem Fels machen sehen. Also war klar, dass die Quelle viel weiter unten ist. Es war aber auf jeden Fall ein lohnenswerter Umweg, es war sehr schön da oben.

Ab hier sollte meine Po-Reise beginnen.

Dann ging es die Strecke für die ich fast drei Stunden gebraucht habe in unglaublicher schneller Zeit wieder bergab. Noch kurz Stop in Paesana beim Camping machen, mein Gepäck wieder aufladen und weiter ging es in Richtung Turin.

Staffarda, auf dem Weg nach Turin. Hier sollte es laut Karte eine Brücke über den noch schmalen Po geben. Es gab aber zur Überraschung nur eine Furt. Zum Glück war der Wasserstand an dem Tag niedrig und ich konnte barfuß mein Rad herübertragen.

Auf der Suche nach einem Schlafplatz.

Hinten im Bild ist der Gipfel des Monviso zu erkennen. Rechts am Hang davon ist die Poquelle. Ein unglaubliches Gefühl, zu wissen, dass ich da heute Morgen hochgefahren bin.

Traumhafter Abend am Pellice, ein Nebenfluss des Po.

Tag 3

Pellice bis Castello Monferrato

142km 31grad

Morgenstimmung auf der Strada Provincale bei Pancalieri Richtung Turin.

Castello di Moncalieri

Ponte Principessa Isabella, die wohl die schönste Brücke von Turin.

Und noch eine schöne Brücke.

Von Brücken und Schiffen kann ich nicht genug bekommen.

Basilica di Superga

Im Stadtgebiet von Turin gab es überall diese Brunnen.

So schön Turin mit seinen ganzen Brücken auch ist, war ich froh, als ich endlich aus dem Stadtgebiet raus war.

Von Turin führt der Radweg bis San Mauro Torinese an diesem Kanal entlang. Hier liegt er komplett trocken, das wird sich in den nächsten Tagen bestimmt ändern.

Solche Wasser-Automaten findet man ab und zu, hier kann man kühles Trinkwasser für weniger als 10cent pro Liter abfüllen.

Jetzt kommen wieder ein paar Höhenmeter. Laut Berichten anderer Radreisender soll die rechte Uferseite nach dem Stadtgebiet von Turin hügeliger, schöner und abwechslungsreicher sein. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Die Route am rechten Ufer ist wirklich sehr lohnenswert. Einsame, kaum befahrene Landstraßen und tolle Landschaft.

Für diese Ausblicke lohnt sich der Aufstieg. Wahnsinn wie schnell der Po in so kurzer Zeit zu so einem grossen Strom angewachsen ist.

Fast wie in der Toskana.

Ab hier ging es Downhill bis nach Casale Monferrato. Dort war noch schnell Abendessen einkaufen angesagt und dann noch vor der Dunkelheit einen Schlafplatz finden.

Es war Zeit für einen Campspot, ich wollte unbedingt am Ufer des Po übernachten, und es hat eine Weile gedauert bis ich einen Zugang gefunden habe.

Feierabend

Tag 4

Casale Monferrato bis Arena Po

125km 30Grad

Kurz vor 7 klingelt der Wecker und der Tag fängt immer mit einem Bad im Fluss an, um richtig wach zu werden.

Die Morgenroutine mit Packen, Kaffeetrinken und Baden dauert meistens fast eine Stunde, ist aber ein guter Ersatz für Frühsport. Mir ist wichtig, dass alle Gegenstände am Fahrrad immer am gleichen Platz sind. Der Nachteil, wenn man direkt am Fluss zeltet, ist, dass das Außenzelt oft feucht vom Kondenswasser wird. Weil ich früh loswill, trockne ich das während der Fahrt bei Gelegenheit.

So sichere ich das Fahrrad zusätzlich für die Nacht. Das kann man natürlich leicht abschneiden, aber mir geht’s darum, dass ich aufwache, falls jemand daran zieht.

Angefangen hat der Tag mit starkem Nebel.

Kaum befahrene Landstraßen, ein Traum.

Auch in den Dörfern war morgens nichts los.

Es gab sehr viele Lost Places, mehr als ich in Kroatien oder Serbien gesehen habe, vor allem viele verlassene, verfallene Bauernhöfe entlang des Po-Damms.

Der Nebel hat sich schnell verzogen und die Sonne kam innerhalb kürzester Zeit hervor. Es wurde wieder so heiß wie am Vortag.

Es war ein Sonntag und alle Landstraßen waren leer, die Menschen waren in der Kirche oder schliefen wohl noch.

Der Charme des Verfalls in Silvano Pietra.

Obwohl der Herbst begonnen hat, waren die Temperaturen wie im Hochsommer.

Rechts und links des Flusses gab es entweder Reisfelder oder endlose Monokulturen von Pappeln.

Die Raupe eines Wolfsmilchschwärmers ist giftig und sollte man nicht anfassen.

Ich habe mal den vorgeschlagenen Radweg auf dem Damm probiert. Eine Katastrophe, ich kann nur davon abraten. Mit einem MTB mit Federgabel und ohne Gepäck geht das wohl klar, aber mit beladenem Tourenrad auf keinen Fall.

Irgendwie hat mir die Hitze nicht so gut getan und bei Pavia war die Luft raus. Es wurde langsam Zeit sich nach einem Schlafplatz umzuschauen.

Der Ticino bei Pavia, der größte Nebenfluss des Po. Er bringt eine Menge Wasser aus den Alpen mit.

Für die nächsten Tage war schlechtes Wetter vorhergesagt. Sturm und Starkregen. Bereits am Abend sollte es ein Gewitter geben. Direkt gegenüber von Arena Po gab es einen schönen Platz am Fluss. Also schnell Camp aufbauen, essen und baden, bevor es regnet. Direkt am Ufer war es zu sandig, also habe ich weiter oben geschaut.

Also erst mal Zelt sturmfest aufbauen und zusätzlich abspannen, da ich vergessen hatte, Sandheringe mitzunehmen. Noch ein Bad im Po und dann gemütlich Abendessen. Die Powerbank und das Handy waren so gut wie leer und die Sonne wird für das Solarpanel erst mal nicht scheinen. Für den nächsten Tag musste ich eine Lösung dafür finden.

Tag 5

Arena Po nach Cremona

95km

Bin erst um 11 losgekommen, weil es den ganzen Morgen stark geregnet hat. Dann gab es eine kurze Regenpause bzw. Nieselregen, und ich habe so schnell wie möglich abgebaut und gepackt. Leider war der Campspot, so schön er auch gestern war, morgens nach dem Regen die reinste Matschhölle. Es war eine Riesen Sauerei, das Zelt abzubauen.

Hausboot in einem Nebenarm des Po.

Es ging erst mal eine Weile im Regen weiter. Ich habe mal wieder den vorgeschlagenen Radweg ausprobiert und daraufhin habe ich meine Meinung vom Vortag geändert: Dieser Radweg war perfekt betoniert, komplett autofrei und verlief relativ nah am Fluss – fast schon eine Fahrradautobahn. Dadurch hatte ich schöne Ausblicke auf den Fluss. Ein großer Umweg auf der Route an diesem Tag war die Umfahrung des Lambro, eines Nebenflusses des Po.

Selbst die kleinsten Siedlungen haben solch tolle Portale.

Die Sonne kam um 14 Uhr wieder raus, dafür gab es stetigen Gegenwind, der den Vorteil hatte dass ich so den Gewittern entkommen konnte, die meist hinter mir lagen.

Die Chance habe ich immer gleich genutzt, das nasse Zelt zu trocknen.

Unendliche Dammwege und nichts los, genau nach meinem Gusto. Was für ein gewaltiger Unterschied zwischen diesem Radweg und z. B. dem Donauradweg in Österreich oder dem Rheinradweg im Rheintal. Ich habe von hier bis zur Mündung nur Spaziergänger und ein paar vereinzelte Rennradfahrer getroffen. Einsamkeit pur.

Ein riesiger Flachlandstrom ist er mittlerweile geworden, der Po.

Flusspegel unterhalb des Damms mit historischen Hochwassermarken.

Flussromantik pur, ein Camperstellplatz in Cremona. Nee, Ironie beiseite, solche Plätze haben auch ihre Berechtigung. Ich war an diesem Abend froh mein Handy und Powerbank wieder aufladen zu können. Ohne Grund würde ich aber hier niemals freiwillig campieren. Die Wettervorhersage für den nächsten Tag sah mies aus. Niederschläge ab 7uhr und Gewitter ab 12 für mehrere Stunden. Warum kann es denn nicht einfach nachts regnen ?

Tag 6

Cremona bis San Leone

135 km 19 Grad

Pünktlich mit dem Klingeln des Weckers fing der Regen an. Auf dem Campingplatz gab es ein überdachtes Toilettenhaus. Da konnte ich zum Glück im Trockenen alles abbauen und einpacken.

Bei Abfahrt hatte ich dann zum Glück erst mal keinen Regen, ca. 30 km später dann aber sintflutartiger Schauer.

Immer wieder spannend, wie schnell sich die Natur den Raum zurückholt, wenn der Mensch nicht eingreift.

Dann wurde es immer dunkler und der bevorstehende Regen war schon in der Luft zu spüren. Auf dem Damm gab es weit und breit nichts zum Unterstellen, und ich bin wahllos einfach schnell die nächstmögliche Abzweigung runter und bin Richtung Dörfer gefahren. Dann kamen ordentliche Niederschläge und ich habe es gerade so in den Innenhof eines großen Bauernhofs geschafft.

Dieser Hofhund hat mir Gesellschaft geleistet.

Dann wurde der Regen heftiger, der Himmel war so dunkel, als ob es dämmern würde.

Die Wassermenge die vom Himmel kam war apokalyptisch, selbst der Durchgang zum Innenhof wurde geflutet und es gab kaum noch Platz zum Unterstellen. Da solche Starkregen meist nie von langer Dauer sind, ging es aber bald weiter.

Raupe eines Windenschwärmers. Zur gleichen Zeit gab es in Mailand Überschwemmungen. Die Niederschlagsmengen waren enorm.

Angeschwemmtes Totholz vom letzten Hochwasser, man kann gut erkennen wie viel Wasser im Fluss war.

Und wieder mal den Regen aussitzen.

Streetart auf einem verfallenem Bauernhof.

So perfekt der Dammweg auch ist, nach einer gewissen Zeit braucht man doch Abwechslung. Es reicht dann schon, einfach mal kurz die Uferseite zu wechseln und etwas Landstraße zu fahren. Da die Italiener ziemlich temperamentvoll Auto fahren, und das enge Überholen der Laster öfters mal adrenalingeladen ist, kehrt man dann gerne wieder freiwillig zurück auf die Dammwege.

Schubleichter mit Baustelle. Der Po ist ab Cremona schiffbar. Außer kleinen Motorbooten habe ich aber nie größere Schiffe gesehen.

Imposanter Innenhof eines Gutshofes

Noch schnell Abendessen einkaufen in San Benetto Po, die Wetterstimmung war extrem angespannt. Es konnte jeden Moment wie aus Kübeln schütten. Übernachten am Ufer war mir wegen Sturmgefahr zu unsicher, und so habe ich wieder einen Campingplatz angesteuert. Am Po gibt es sehr wenige Campingplätze, ich hatte aber Glück, der nächste von hier aus war nur 10 km entfernt, ich habe es gerade noch geschafft, da einzuchecken und geschützt unter ein paar Pappeln direkt hinter dem Po Damm das Zelt aufzubauen.


Tag 7

San Leone bis Serravalle

130km 20 Grad

Die Nacht war sehr unruhig, ich habe wegen starkem Wind, Blitz und Donner schlecht geschlafen. Dafür kam der ganze Niederschlag in der Nacht runter und ich hatte morgens Ruhe.

Und als Bonus gab es noch an diesem Tag Rückenwind.

Die letzten 100 km, hier auf dem „Sinistra Po“, der linken Uferseite. Die rechte Uferseite heißt „Destra Po“. Beide Seiten sind ab Cremona sehr gut ausgebaut und asphaltiert.

Der Mix aus Sonne und Wolken war an diesem Tag sehr schön anzuschauen.

Hier musste ich wieder umdrehen und 10 km zurückfahren, weil ich die letzte Brücke verpasst hatte, um zum Destra Po auf die rechte Uferseite zu kommen. So etwas passiert wahrscheinlich nur wenn man nach Landkarte fährt. Ab Polesella gibt es keine Brücken mehr, um zum Goro-Mündungsarm zu kommen.

Da braut sich wieder was zusammen.

Und immer wieder kamen mal ein paar Sonnenstrahlen durch.

Kurze Rast

Der Po-Damm ist bedeutend höher als z.B. der Damm von Rhein oder Donau. Hier ist er Haushoch.

In Serravilla habe ich einen Platz in einem Anglercamp von Österreichern gefunden. Das war ausnahmsweise ein sehr schöner Campingplatz, bei dem ich direkt am Ufer mein Zelt aufschlagen konnte. Ein paar hundert Meter flussabwärts beginnt das Delta.

Blick aus dem Zelt in der Nacht. Über mir war komplett sternenklarer Himmel, dafür gab es auf der anderen Seite in Richtung Norden eine niedrige Wolkenfront mit heftigen Gewitterzellen. Es hat die ganze Nacht geblitzt, so wie hinten links im Bild. Bei mir war es aber absolut windstill, und zum Glück ist es weggezogen.

Tag 8

Serravilla bis zur Adria +Codigoro

60km 20 Grad

Die Gewitterfront von gestern im Norden hat sich komplett verzogen und der letzte Tourentag hat mich mit klarem Himmel und Sonne begrüßt.

Eine Kolonie Silberreiher am Beginn des Po-Deltas.

Farblich abgestimmt und stilvoller Kajak Transport, italiano originale.

An dieser Stelle zweigt sich der Po in verschiedene Arme auf. Ich bin diesem Lauf, dem Goro Arm bis zur Mündung gerfolgt.

Die letzten Kilometer auf so einer Radreise sind bei mir immer etwas von Melancholie geprägt. Auf der einen Seite freut man sich, am Ziel anzukommen, auf der anderen Seite kann man gar nicht glauben, dass es schon vorbei ist.

Auf dem Weg nach Mesola, die Adria ist nicht mehr weit.

Kurze Rast vor dem Finale

Gorino wird dominiert von Fischfang und Fischhandel, hier gibt es keine Strände und der Tourismus beschränkt sich auf Rundfahrten durch das Delta mit dem Schiff.

Hier sind noch deutlich Spuren von den starken Stürmen und Niederschlägen der letzten Tage zu sehen.

Das ist bereits die Adria

Hier war das Ende der Tour. Leider waren die restlichen 2 km bis zum Leuchtturm von Gorino wegen Bauarbeiten gesperrt, ähnlich wie bei meiner Rhein Radtour im Juli.

Hinten im Bild ist der Leuchtturm von Gorino zu sehen, da mündet der Goro Arm in die Adria.

Gorino liegt aber auch schon an der Adria, das Ziel ist erreicht. Leider kein Strand um zu baden aber einfach wieder schön das Gefühl so eine Strecke aus eigener Kraft bewältigt zu haben.

Finito.

FAZIT

und ein paar Tipps zum selber fahren:

Der Po-Radweg ist ein perfekter Radweg für alle die gerne Einsamkeit und Ruhe suchen. Andererseits kann man ihn auch mit den ganzen schönen italienischen Städten wie Turin, Mailand, Piacenza, Pavia und Ferrara verbinden, dafür sollte man sich dann allerdings mindestens 2 Wochen Zeit nehmen. Wenn man ihn von der Quelle aus fahren will ist er anspruchsvoll. Das kurze steile Stück zum Ursprung hat es in sich, ist meiner Meinung nach aber sehr lohnenswert. Es ist jedes Mal spannend zu beobachten wie ein Fluss entsteht, durch die ganzen Nebenflüsse wächst, ein gewaltiger Strom wird, und dann schlussendlich ins Meer mündet.

Übernachten: Der Po bietet im Unterlauf sehr viele schöne Plätze direkt am Fluss, die allerdings sehr sandig und zum Teil schwer zugänglich sind. Der Aufwand lohnt sich aber, die Campspots sind der Traum. Die ersten 4 Tage war Top-Wetter und ich habe direkt am Fluss campiert, die zweite Hälfte der Tour war geprägt von Gewitter, Sturm und Regen und ich habe Campingplätze angesteuert, vor allem um meine Powerbank und Smartphone zu laden.

Strecke: Der Po hat eine Fließlänge von 650km, aber man fährt natürlich nicht auf, sondern neben dem Fluss. Dadurch bin ich auf die Strecke von ca. 840km gekommen. Durchschnittliche Tagesetappe ca. 120km.

Zeit: Wer die Po Ebene im Sommer kennt der weiss welche brutale Hitze da herrscht. Empfehlenswerte Monate für die Strecke sind Mai bis Juni oder September. Ich wollte dem schlechtem Wetter in Deutschland entfliehen und hatte die ersten paar Tage fast schon zu gutes Wetter. Immer knapp 30 Grad. Danach wurde es stürmisch und nass, aber immer noch mild im Vergleich zu Deutschland.

Navigation: Wie immer Analog, ausschliesslich mit gedruckten Karten: Michelin Karte Piemont Aostatal und der Po Radweg von Mailand bis ins Delta vom Esterbauer Verlag.

Kommunikation: Da ich rudimentäres Rumänisch beherrsche ist mir die Basis-Kommunikation nicht ganz so schwergefallen. Hier ist es ähnlich wie auf dem Balkan, in den Städten sprechen die meisten auch Englisch, auf dem Land ist das eher die Seltenheit.

Stechmücken: Waren am oberen Po im Herbst kaum ein Thema, am Unterlauf in der Flachlandebene waren sie aber immer noch präsent.

Wasserversorgung: Auf dieser Tour mit so viel Infrastruktur war es natürlich sehr einfach. Vor allem im und nach dem Stadtgebiet von Turin gibt es überall öffentliche Brunnen. Mancherorts habe ich auch Trinkwasserautomaten gefunden, bei denen man frisches kaltes Trinkwasser günstig abfüllen kann. Finde ich eine super Sache, vor allem wird kein Plastikmüll erzeugt.

Kochen: Ich hatte wieder das Primus-Kochsystem mit Gaskartusche dabei. Das ist mittlerweile mein Favorit, perfekt, um Kaffee oder warme Gerichte schnell und rußfrei zuzubereiten.

Fahrrad: Wenn man bereit ist, auch Landstraßen zu fahren, dann kann die Strecke auch auf kompletter Länge mit dem Rennrad befahren werden. Ansonsten gibt es keine Einschränkungen. Ich würde mal schätzen, 80 % der Radwege sind asphaltiert.

Kleidung: Eine Regenjacke habe ich immer dabei, meine ist so ein ganz simples, einfaches Teil von Decathlon zum Überziehen und erfüllt voll ihren Zweck. Man kann da ja kleine Vermögen ausgeben dafür. Die Industrie wirbt ja mit dem Märchen von der wasserdichten Regenjacke. Die gibt es nicht. Feuchtigkeit findet immer ihren Weg und irgendwann ist trotzdem alles nass. Dieses Mal hatte ich wasserdichte lange Socken von Sealskin dabei, habe sowas zum ersten Mal probiert und muss sagen: Das ist wirklich ein Gamechanger. Auf dieser Tour hat es sehr viel geregnet und trockene Füße sind dann Gold wert.
Stromversorgung: Wie immer mein Anker Solarpanel. Bei ausreichend Sonne kann man während der Fahrt die Powerbank laden. Für die ersten 3 Tage war das top, danach hat das nicht mehr ausgereicht bei bewölktem Himmel.

Kosten: Ich habe für die Reise inklusive der An- und Abreise mit dem Bus und Bahn und Campingplätzen oder Unterkunft 350 € ausgegeben. Italien ist in der Eurozone und bezahlen ist überall easy, selbst die kleinen Alimenmtari nehmen Kartenzahlung an.

Rückreise:
Die Rückreise hat dieses Mal extrem lange gedauert wegen verpasster Anschlüsse. Ich habe fast 2 Tage gebraucht. Von der Adria bin ich nach Codigoro gefahren, das ist der erste Provinzbahnhof, der in der Nähe liegt. Leider ist aufgrund der langen Mittagspause der nächste Zug erst in 2 1/2 Stunden gefahren. Der Zug selber braucht eine Weile, bis er in Ferrara, der nächstgrößeren Stadt, ist. Von da aus ging es nach Bologna und dann nach Mailand, wo ich schon meinen Flixbus gebucht hatte. Den habe ich leider wegen einer 45-minütigen Verspätung verpasst, und während der Zugfahrt habe ich ihn auf den nächsten Tag umgebucht. In Mailand angekommen dachte ich mir, ich übernachte einfach draußen in einem Park in der Nähe des Busbahnhofes Lampugnano, aber nachdem ich gehört hatte, dass das keine so gute bzw. eher zwielichtige Nachbarschaft ist, habe ich das gelassen und mir eine Unterkunft genommen. Der Flixbus am nächsten Morgen um 11:00 Uhr hatte dann auch noch echt Pech mit Stau am Gotthard, und der Fahrer hat dann noch vor Zürich die Ausfahrt verpasst. Schlussendlich bin ich irgendwann spät in der Nacht in Kornwestheim angekommen. Dann ist mir zum Abschluss noch etwas total Dummes passiert: Total fertig wollte ich nur noch zwei Stationen mit der Bahn nach Hause fahren, habe aber in Kornwestheim am S-Bahn-Bahnhof meinen Rucksack auf eine Bank gelegt und liegen gelassen. 2 Haltestellen weiter habe ich das panisch bemerkt, bin sofort raus aufs andere Gleis und bin direkt zurückgefahren. Das ganze technische Equipment: GoPro, Stative, Powerbank, usw. – alles war da drin. Auf dem Weg zurück habe ich die Hoffnung schon aufgegeben, aber bei der Einfahrt in den Bahnhof habe ich den Rucksack auf der Bank direkt gesehen, bin wie ein Gestörter aus der Bahn gestürmt, die Treppen runter und direkt zum Gleis mit dem Rucksack.
Mit dem Schrecken bin ich davongekommen. Ende gut, alles gut.